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Alte Hasen und Rekorde

Im zweiten Teil der Vorstellung der Untersuchung österreichischer Politikblogs widmen wir uns unter anderem einem besonders heißen Eisen: den täglichen LeserInnenzahlen von Blogs in Österreich. Beginnen wollen wir jedoch mit dem Alter der Blogs innerhalb der Studie.

Junges Medium, alte Hasen

Blogs gelten in Österreich noch immer als relativ junges Medium – obwohl es auch hier bereits ganz alte Blogs gibt. In der Studie ließ sich feststellen, dass 57% der Blogs der Befragten bereits seit mehr als zwei Jahren bestehen. 27% der Blogs der Befragten existierten zwischen einem und zwei Jahren während 16% den ersten Geburtstag noch vor sich hatten.

Blogs die seit über zwei Jahren bestehen belegten auch hinsichtlich der täglichen LeserInnenzahlen die vorderen Plätze. Die alten Hasen innerhalb der Blogosphäre sind demnach oft die Platzhirsche.

Faul oder Fleißig?

Weiters wollten wir wissen, wie faul oder fleißig die österreichischen PolitikbloggerInnen sind. Wieviele Beiträge erstellen sie in einer durchschnittlichen Woche? Wir stellten fest, dass die untersuchten Blogs in der Regel kaum täglich aktualisiert werden. Bloß 10% der BloggerInnen veröffentlichen pro Woche bis zu fünf Beiträge. 45% der Befragten aktualisieren ihren Blog dreimal, weitere 45% veröffentlichen nur einmal pro Woche einen Beitrag.

Die österreichischen BloggerInnen (75% führen ihren Blog ohne die Hilfe von Co-AutorInnen) sind jedoch keineswegs faul. Dies beweist ein Blick auf die Gesamtanzahl der veröffentlichten Beiträge. Die höchste Anzahl an Beiträgen auf einem Blog betrug 879, die niedrigste 36 Postings. Durchschnittlich publizierten die befragten BloggerInnen 377 Beiträge, der Median lag bei 320 Veröffentlichungen.

LeserInnen, LeserInnen

Blogs in Österreich stehen hinsichtlich ihrer Reichweite nicht in Konkurrenz mit etablierten Online-Mainstreammedien. Jedoch erreicht beinahe die Hälfte der Blogs (41%) durchschnittlich über 150 LeserInnen pro Tag. Weitere 16% erreichen täglich zwischen 80 und 150 Menschen, 32% versorgen zwischen 40 und 80 Personen mit ihren Themen und Inhalten. Nur 11% (vor allem “junge” Blogs) können bis zu 40 LeserInnen in ihrer täglichen Besuchsstatistik feststellen.

Blog der Rekorde

Rekorde sind schön. Rekorde sind plakativ. Und vor allem sind sie messbar. Aus diesem Grund wollten wir wissen, in welchen Größenbereichen die LeserInnen-Rekorde der einzelnen Blogs liegen. Mit 15.000 BesucherInnen an einem Tag konnte ein einsamer Spitzenreiter innerhalb der Untersuchung gekürt werden. Dieser Wert ergab sich, wie wir bei unserer Nachfrage erfahren hatten, durch eine Verlinkung eines Postings in einem niederländischen Online-Boulevardmedium. Der niedrigste Rekord innerhalb der Untersuchung umfasste 210 BesucherInnen. Die durchschnittliche Höchstzahl an LeserInnen betrug 2.650, der Rekord-Median lag bei 1.685 RezipientInnen an einem Tag.

Nischenmedium mit Kurzzeit-High

Wir sehen also aus den durchschnittlichen täglichen LeserInnenzahlen, dass Blogs in Österreich Nischenmedien sind. Kurzfristig können sie jedoch, betrachten wir die Rekorde, sehr hohe Reichweiten für Medien ohne starke Marketingmaschinerie im Hintergrund erzielen. Was wir hieraus schließen können? Blogs haben hinsichtlich ihrer Reichweite ein bei weitem höheres Potenzial als ihre täglichen LeserInnenzahlen vermuten lassen, denn kurzfristig “gelingen” den einzelnen Blogs immer wieder beachtliche Reichweiten.

Der dritte Teil dieser Serie wird sich mit dem Selbstverständnis der österreichischen PolitikbloggerInnen, deren Motivationen und Themenauswahl beschäftigen.

Foto: Alyssa L. Miller, CC2.0-BY

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| 4. March 2010

11 Reaktionen bisher

    Armin Soyka sagt:

    Wobei in den Reichweitestatistiken keine Zweitverwertungen eingerechnet sein dürften. Mein Blog erreicht nicht nur die Leute, die ihn auf arminsoyka.at/blog lesen sondern auch via RSS, als auch via Facebooknotiz.

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    !!! | 4. March 2010 | 09:15
    Udo sagt:

    Gibt es evtl. die Möglichkeit, zu erfahren, welche Blogs hierfür herangezogen wurden?

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    !!! | 4. March 2010 | 12:23
    Michael Moser sagt:

    @ Armin: natürlich gibts neben der reinen Besuchsstatistik auch andere Möglichkeiten (wie du ja bereits darlegst) die sehr gut dazu geeignet sind, Inhalte zu verbreiten und auch die tatsächliche LeserInnenanzahl steigern. Gerade Facebook (mittlerweile doch starke Durchdringung in Österreich) ist da sicher ein Zugpferd (Fanpages, Verlinkung im persönlichen Status etc.). Ich habe ab Anfang 2004 selbst ein Blog geführt – da gab es die Online-Vernetzung noch weit weniger (E-Mail Steinzeit ;) ) und da war es schon ein richtiger Erfolg, wenn man mal über 50 LeserInnen hatte ;) Insgesamt sind Blogs aber Nischenmedien in Österreich. Sollten mind. 3 Blogs über den Zeitraum von einem Monat ungefähr ein Achtel der täglichen BesucherInnen aufweisen wie etwa derstandard.at werde ich diese Meinung sofort revidieren ;)

    @ Udo: Die gibt es natürlich: Indem man mich entführt und solange foltert, bis ich die Liste ausspucke ;). Nein, ernsthaft: Ich habe den Befragten Vertraulichkeit zugesichert und halte mich daran. Wenn sich jemand gerne selbst “outet”, dann freue ich mich natürlich darüber. Ansonsten verweise ich einfach auf die Auswahlkriterien, die im ersten Teil dieser Serie kurz vorgestellt wurden. Ich kann dir aber versichern, dass mein Kollege und ich – wir sind ja eifrige Blogleser – versucht haben, einen guten Querschnitt der PolitikbloggerInnen innerhalb von Österreich zu befragen. Sry, dass ich dir nicht mit der Liste dienen kann.

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    !!! | 4. March 2010 | 14:20
    Georg Pichler sagt:

    Hihi, ich bin ein “einsamer Spitzenreiter” :D

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    4. March 2010 | 14:50
    Udo sagt:

    @Michael: Ist natürlich schade (ich lese ja immer wieder gerne interessante Blogs), aber verständlich. ;)

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    !!! | 9. March 2010 | 13:51
    metepsilonema sagt:

    Naja, die bloße Beitragszahl ist wenig aussagekräftig. Es ist schon ein Unterschied ob ein Eintrag 150 oder 1000 Worte umfasst. Auch die bloße Zahl an Besuchern besagt wenig. Lesertreue und Rückmeldungen (Kommentare) wären interessant gewesen (etwas das mir viel wichtiger als “astronomische” Leserzahlen ist – wobei ich gegen die natürlich nichts habe [hätte!]).

    Wie weit hängt die Reichweite mit den behandelten Themen zusammen (innerhalb des Spektrums Politik)?

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    !!! | 7. April 2010 | 20:22
    Michael Moser sagt:

    jede untersuchung hat ihre grenzen ;) es war nicht unser ziel, die einzelnen beiträge nach ihrer länge zu vermessen. die anzahl der besucherInnen sagt mir insofern etwas, weil ich daraus doch ein wenig die “wichtigkeit” von politikblogs als medien in österreich ableiten kann.

    werden sie von 10 menschen gelesen, so könnte man kaum von einem dispersen publikum sprechen. zudem lässt sich aus den durchschnittlichen leserInnenzahlen im vergleich zu den durchschnittlichen rekordzahl an leserInnen auch ableiten, dass blogs zumindest kurzfristig fast schon aus dem nischenmediendasein treten können.

    kommentare sind eine feine sache. aber wie soll man hieraus wirkliche erkenntnisse gewinnen? eine inhaltsanalyse jedes einzelnen kommentars? eine zählung, wieviele unterschiedliche kommentatoren kommentieren? sehe ich nicht als sehr sinnhaft an. kommentare sind ein werkzeug zur interaktion (sofern von den rezipientInnen gewünscht), geben aber über reichweiten kaum aufschluss.

    zusammenhang reichweiten/behandelte themen? es handelt sich bei der untersuchung um blogs die am ehesten als politikblogs zu bezeichnen sind. je nach politikbegriff (eben wie weit oder eng man den begriff spannt) sind die themen quasi alle politisch. hier eine trennung vorzunehmen stelle ich mir (rein zeit/ressourcenmäßig) als beinahe mission-impossible vor – zudem dürfte es ja auch ein gewisses problem sein, einzelne leserInnenzahlen den jeweiligen beiträgen (die man eben in thematischer hinsicht trennt) zuzuweisen.

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    !!! | 7. April 2010 | 20:35
    metepsilonema sagt:

    Eben nur ein wenig: Jeder weiß wie oft er eine Seite aufruft, und sofort wieder wegklickt. Oder einen Text nicht zu Ende liest.

    Kommentare: Sie geben keinen Aufschluss über Reichweiten, aber über Interaktionen. Eine tief gehende Diskussion, ist oft wertvoller als der Ausgangsbeitrag. Und es lässt Schlüsse darüber zu, wie das Werkzeug Blog genutzt wird (eher unidirektional, oder nicht?). Das ist doch nicht ganz unwesentlich (auch wenn Du jetzt an zurpolitik.com denkst). Und es ist eine Motivation für den Blogger, der ja unbezahlt arbeitet und in der Freizeit schreibt – warum sollte er das tun, wenn er keine oder kaum Rückmeldungen erhält? Und das spielt dann schon wieder in die Nischenexistent von Blogs herein.

    Wenn ich zu Themen schreibe, die gerade in den Medien groß ausgebreitet werden, und ein hohe Öffentlichkeitswirksamkeit haben, werde ich u.U. sehr schnell viele Leser bekommen. Nischenthemen eher weniger.

    Ich meine mit meinen Anmerkungen nicht, dass Eure Arbeit schlecht ist. Aber aus Sicht eines Lesers habe ich bestimmte Wünsche, Erwartungen, Bedürfnisse, etc.

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    !!! | 7. April 2010 | 20:55
    Michael Moser sagt:

    ist mir schon klar. ich wollte damit kommentare ja auch nicht als “beiwagerl” abtun, sie sind ja immerhin ein wichtiger bestandteil von blogs und diskussionen sind – wie du auch völlig richtig anmerkst – teilweise auch gehaltvoller/wichtiger als der eigentlich blogpost.

    natürlich wäre es auch interessant, den grad der interaktion auf blogs zu messen – vllt. auch im verbund mit anderen online-anwendungen, die sich auf bloginhalte beziehen. dazu bräuchte ich dann aber wohl ein eigenes research-team ;)

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    !!! | 7. April 2010 | 21:04
    metepsilonema sagt:

    Ja, und ein Sponsor oder Drittmittel wären auch nicht schlecht. Darf ich fragen, wie viel Zeit in die Arbeit investiert wurde?

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    !!! | 7. April 2010 | 21:06
    Michael Moser sagt:

    schwierig … die untersuchung war ja nur ein (wenngleich wichtiger) teilbereich … zu zweit dürften es – nur für die untersuchung von der recherche, fragebogengestaltung, pre-test etc. bis zur auswertung/interpretation – keine ahnung wieviele stunden gewesen sein … im nachhinein immer sehr schwierig zu sagen – vor allem, weil man ja nicht auf die uhr guckt, wenn einem etwas interessiert ;)

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    !!! | 7. April 2010 | 21:12

    Jetzt sag doch was!

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