Wichtige und interessante Themen bleiben oft auf der Strecke. Manchmal, weil es der „Sender“ nicht versteht ein komplexes Thema verständlich für die „Empfänger“ aufzubereiten. Oder, vielleicht noch schlimmer, indem komplexe Themen gar gemieden werden.

Eduardo Galeano, Journalist, Essayist und Schriftsteller aus Uruguay, meinte einst:

Ich gebe zu, dass es mir selbst oft schwer fällt, wichtige soziologische, politologische, wirtschaftswissenschaftliche oder geschichtliche Werke zu lesen, die in der ihnen eigenen Fachsprache abgefasst sind. Eine hermetische Sprache ist nicht unbedingt der notwendige Preis für Tiefe. Sie kann in manchen Fällen auch schlicht Kommunikationsunfähigkeit zu einer intellektuellen Tugend erheben.“(Die offenen Adern Lateinamerikas, S. 362)

Es gibt jedoch lobenswerte Ausnahmen. „Mit offenen Karten„, jeden Samstag um 19.15 Uhr auf ARTE, ist ein solches Beispiel. Bereits seit 1992 wird dieses Sendeformat fortlaufend produziert und ist mittlerweile auch als  Video on demand erhältlich. Innerhalb weniger Minuten erfährt man in dieser Sendung leicht verständliche Informationen, unterstützt durch visuelles Kartenmaterial – wie etwa bei der (nicht mehr ganz jungen) Episode „Was will China in Afrika?“ Eigentlich ist es ja ganz einfach … das Ding mit der Komplexität.

  • Mit offenen Karten rockt. Sehr. 🙂

    Das erinnert mich daran, den Atlas der Globalisierung mal zu besprechen.

  • dieter

    Habe selten eine so verlogene Regierungsprograganda gesehen. Könnte direkt aus dem französischen Wahrheitsministerium stammen.

    Die Rolle Frankreichs in Afrika wurde kein einziges mal angesprochen, außer verdeckt unter dem Begriff „europäische Staaten“, denen angeblich aufgrund ihres Bestehens auf good governance von Diktatoren Neokolonialismus vorgeworfen würde.

    Nein, es sind durchaus afrikanische Dissidenten, die diesen Vorwurf ganz speziell an Frankreich richten: Que fait l’armée française en Afrique ? Der Titel des Artikels „Was macht die französische Armee in Afrika?“ spiegelt witzigerweise den Titel der obigen Sendung.

    Der britische Journalist Johann Hari hat sich als einziger die Mühe gemacht, nach Zentralafrika zu fahren um die Lage dort einzuschätzen, nachdem das französische Militär dort eine ganze Stadt in Schutt und Asche gebombt hatte: France’s Secret War in Africa
    Sehr lesenswert. Johann Hari spricht auch die Verantwortung Mitterands und Frankreichs am Völkermord in Ruanda an.

    Der obige Beitrag widerspricht sich selbst, im Versuch die Chinesen als maximal nihilistisch und schändlich darzustellen. Im zweiten Teil wird behauptet, dass wirtschaftliche Interessen nur ein Vorwand wären (eigentlicher Grund sei Taiwan), da China nur 3% seines Außenhandels mit Afrika betreibe. Das wird durch den ersten Teil widerlegt. Afrika ist eine kleine Wirtschaft. Klar, dass der Handel für China quantitativ nicht ins Gewicht fällt, sehr wohl aber qualitativ (Öl, Rohstoffe) und von Afrikanischer Seite her eben auch quantitativ.

    Frankreich bezieht sein gesamtes Uran für die Elektizitätsversorgung aus Afrika. Die Chinesen haben zum Glück ein breiter gestreutes wirtschaftliches Interesse in Afrika und stellen den Afrikanern im Gegenzug auch handfeste Infrastruktur auf, die wiederum den Handel forciert. Während der letzten zehn Jahre verzeichneten viele afrikanische Länder endlich solide Wachstumsraten. Vielleicht sind die Afrikaner also gar nicht so dumm, sich von den Franzosen hin zu den Chinesen zu wenden.

  • dieter

    Die Links klappen nicht. Hier die URLs im Klartext:

    Que fait l’armée française en Afrique?
    http://www.africatime.com/centrafrique/nouvelle.asp?no_nouvelle=509561

    France’s Secret War in Africa:
    http://www.johannhari.com/2007/10/12/france-s-secret-war-in-africa

  • Hmmm … das Thema der Episode ist nun einmal „Was will China in Afrika?“ und nicht „Was will Frankreich … in Afrika?“. Es wird eben ein Fokus gelegt. Nicht mehr, nicht weniger. Das ist legitim. Ich sehe in dieser Episode auch keine Propaganda und bilde mir schon ein, gerade in diesem Bereich normalerweise sehr kritisch zu sein.

    Thanx für die Links. Die Rolle Frankreichs in Afrika ist ja oftmals sehr unsauber – dessen bin ich mir schon bewusst. Genauso wie die Rolle der Briten, der US-Amerikaner, der Deutschen … und der Chinesen 😉

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