Was 25 Jahre Grün für Österreich heißt, in welchem Zustand sich unsere Demokratie befindet und wieso es Zeit wird, den Stöpsel aus der mit Moralinsäure vollen Badewanne zu ziehen. Presse-Chefredakteur Michael Fleischhacker in einem entspannten Gespräch mit Grünen-Ikone Alexander Van der Bellen.

  • Ich bin etwas irritiert, dass jemand wie Fleischhacker das Wort linksliberal nicht versteht. Er versucht es an einzelnen kleinen Maßnahmen statt an einem größeren Programm festzumachen. Linksliberal ist grob gesagt jemand der linke (meist wirtschaftspolitisch) und liberale (meist struktur- bzw gesellschaftspolitisch) Positionen vertritt.

    Es nicht zu verstehen geht denke ich nur, wenn man das breite Wort „liberal“ für ausschließlich „wirtschaftsliberale“ (also wirtschaftlich rechte) Positionen zu vereinnahmen versucht (und sich dieser Vereinnahmung nicht einmal bewusst ist/sein will).

    „Linksliberal“ ist ein Wort in einer zweidimensionale Kategorisierung und dann eben nicht einfach nur über „was ist rechts und was ist links“ zu erklären ist, weil das nur die eine Achse ist. Die zweite liegt zwischen den Ausprägungen „authoritär“ und „liberal“. Grob kann man das Konzept auf politicalcompass.org operationalisiert sehen.

    Den Rest des Videos muss ich mir wohl morgen ansehen. 😉

  • Mez

    Ich denke, worum es Fleischhacker geht, ist, dass für ihn liberal – etwas grob vereinfacht – bedeutet, für die Eigenverantwortung des Individuums und gegen staatliche Bevormundung einzutreten. Die Inkonsistenz des Begriffes „linksliberal“ läge demzufolge wohl darin, dass Linksliberale in machen Dingen diese, wenn man so möchte, staatliche Bervormundung einfordern, während sie sie in anderen Dingen wiederum ablehnen. Liberale hingegen lehnen sie überall ab. Natürlich sind das jetzt aber beides idealtypisch überzeichnete Pole…

  • Liberal ist, was der Freiheit dienlich ist. Der Staat ist keineswegs die einzige Gefahr für die Freiheit, weil er nicht die einzige Quelle von Zwang ist. Teilweise ist der Staat sogar der Garant von Freiheiten, indem er sie zu Rechten verfasst.

  • Die unterschiedliche Freiheitsdefinition (bzw. „Freiheitsgefühl“) ist einer der grundlegenden Unterschiede zwischen Links und Rechts. Vereinfacht gesagt: Linke haben einen positiven Freiheitsbegriff, d.h. Freiheit muss durch Zutun des Staats hergestellt werden. Rechte haben einen negativen Freiheitsbegriff, d.h. je mehr sich der Staat einmischt, desto weniger wird die Freiheit bzw. je mehr man den Staat weg nimmt, desto freier wird es.
    Es ist immer wieder interessant, dass das viele eigentlich gebildete Menschen nicht kapieren. Wie hier z.B. der Fleischhacker.

  • Christian

    Ohne wirtschaftliche Freiheit kann auch keine persönliche oder gesellschaftliche Freiheit entstehen. Die Grünen sind in keiner Weise liberal.
    Die Liste der Verbote die Grüne fordern ist ellenlang.

    Das fangt bei Plastiksäcken an, geht über Zigarettenautomaten, Rauchen, kleinem Glücksspiel und Autofahren bis hin zu Hundehaltung in der Stadt. Manche forderten bereits dass das leer stehen lassen von Wohnungen verboten werden soll. Welches Auto man fahren darf, wenn überhaupt, soll ohnehin geregelt werden. Auch wo man wohnt, darf der Mensch nicht mehr selbst entscheiden. Denn auch die Stadtflucht muss bekämpft werden. Es ist den Grünen auch nicht egal auf welche Schule man die eigenen Kinder schickt. Es muss schon die Gesamtschule sein. Sparen und Vermögensaufbau sind ohnehin verpönt. Insgesamt soll auf alle Fälle die Autonomie des Menschen beschränkt werden.

    Nur weil man für die Schwulenehe und Cannabisfreiheit kämpft ist man noch nicht gesellschaftlich liberal. Man muss auch traditionelleren Lebenseinstellungen entgegenkommen bzw. diese einfach nicht bekämpfen.

    Ebenso widersprüchlich ist es wenn die Grünen wollen, dass tote Stadtteile am Wochenende mehr belebt werden. Wie das, wenn man nicht einkaufen kann und nichts konsumieren kann. Am Samstag wenn alles offen ist, sind die Leute auf der Strasse. Aber liberalere Öffnungszeiten wollen die Grünen nicht. Hier offenbart sich ein ganz besonderer Widerspruch von linksliberal.

    Ich mag den VdB, aber der Rest der Grünen ist grossteils zum Vergessen.

  • „Ohne wirtschaftliche Freiheit kann auch keine persönliche oder gesellschaftliche Freiheit entstehen.“

    Das stimmt bis zu einem gewissen Grad, aber nicht unlimitiert.

    „Die Liste der Verbote die Grüne fordern ist ellenlang. Das fangt bei Plastiksäcken an, geht über Zigarettenautomaten, Rauchen, kleinem Glücksspiel und Autofahren bis hin zu Hundehaltung in der Stadt.“

    Nichts davon beeinträchtigt in der Form der geforderten Maßnemen etwas, das ich als essentielle Grundfreiheit bezeichnen würde. 

    „Nur weil man für die Schwulenehe und Cannabisfreiheit kämpft ist man noch nicht gesellschaftlich liberal. Man muss auch traditionelleren Lebenseinstellungen entgegenkommen bzw. diese einfach nicht bekämpfen.“

    Bin ich sehr bei dir. Mir wär jetzt aber das Grüne Programm gegen die glückliche Familie mit zwei Kindern und einem Hund auch irgendwie entgangen.

    „Es ist den Grünen auch nicht egal auf welche Schule man die eigenen Kinder schickt. Es muss schon die Gesamtschule sein.“

    Schon „den Grünen“ zu sagen ist bei dem Thema Blödsinn, wenn man weiß, dass etwa Christoph Chorherr selbst Schulen im In- und Ausland betreibt. Abgesehen davon gibt es aber natürlich bei jeder Partei die nicht radikal libertär ist ein Spannungsfeld zwischen Vorschriften und Freiheiten. Dass die Grünen bedingungslos liberal sind, hat niemand behauptet – vom Gesamtbild her würd ichs aber behaupten.

    „Sparen und Vermögensaufbau sind ohnehin verpönt. Insgesamt soll auf alle Fälle die Autonomie des Menschen beschränkt werden.“

    Die Autonomie des Menschen ist auf alle Fälle beschränkt, auch wenn man gesetzlich tun und lassen kann, was man will. Gerade exzessiver Vermögensaufbau ist ein Garant für die Unfreiheit von vielen. Und das ist ein Gedankengang, den Wirtschaftsliberale zu oft nicht verstehen oder zumindest als nachvollziehbar akzeptieren, was ich ihnen durchaus als intellektuelle Schwäche ankreide.

  • Christian

    Nun, was immer du als Gundfreiheit ansiehst ist deine Sache. Ich finde, dass vieles zu weit geht.
    Jedoch schau dich um im Standardforum. Viele kämpfen dort gegen die klassische Familie an. Für die ist das Wort Familie geradezu ein Reizwort. Oder hier: http://www.gruene-jugend.de/artikel/389740.html – Zitat: „Die Ehe muss dem Schutz des Grundgesetzes entzogen werden.“ oder „Auch Geschwister, die sich lieben, sollen einen Familienvertrag abschließen und Kinder kriegen dürfen.“
    Natürlich ist das alles schön verpackt, im Grunde aber wird hier gegen die klassische Familie angekämpft. Die offiziellen Grünen in Österreich sind ja zum Glück etwas gemässigter unterwegs, vor allem da die meisten Grünen aus dem Bundespersonal im Grunde sehr bürgerlich leben. Die Basis ist hier deutlich radikaler, vor allem die GRAS. Da gehts nur um Antikapitalismus et al und Feminismus in seiner radikalsten Form.
    Trotz Chorherr sind die offziellen Grünen für eine echte Gesamtschule. Auch wenn Chorherr dagegen ist.
    Und wir reden hier nicht von excessivem Vermögensaufbau. Denn für Linke ist jedes Vermögen, jedes Eigentum Diebstahl am Volksvermögen. Zum Glück sind die Grünen offiziell gemässigter, und auch klug. Da ist vor allem der Geist von VdB noch spürbar. Aber an der Basis steht dort auf der Homepage der GRAS das erklärte Wunschziel: „Ja genau, Planen, so wie in Planwirtschaft, so wie in Kommunismus.“ Den Rest kannst dir denken.
    Wenn diese Basis die Zukunft der Grünen ist, dann gute Nacht. Da ist nichts mehr von liberal spürbar.
     
    Zum Thema ganz oben noch: Ja es ist schon erstaunlich dass selten wer erkennt, dass liberal – links – rechts zweidimensional zu verstehen ist.