Gegner der Erbschafts- und Vermögenssteuer haben die Diskussion bei der Steuerreform politisch gewonnen. Die von der Linken geforderten neuen Steuern auf Erbschaften im Wert von über einer Million gibt es weiterhin nicht – es scheiterte am Unwillen der ÖVP. Von den Schwarzen und anderen Rechten wurde erfolgreich den „kleinen Häuslbauern“ Angst gemacht. In Österreich ist offenbar genügend Menschen nicht klar, dass sie weder Millionär sind noch jemals welche sein werden, um mit so einer Argumentation in weiten Teilen der Öffentlichkeit durchzukommen.

Die angedachte Form der Erbschaftssteuer hätte einen kleinen Teil der Bevölkerung getroffen, der sicher Großartiges geleistet und sich damit aller existenzieller Geldsorgen im Leben entledigt hat. Vor allem aber auch einen anderen kleine Teil, den man durchaus Geldadel nennen könnte – Leute, die nie existenzielle, wirtschaftliche Sorgen hatten und mit allen sozialen Privilegien ausgestattet ins Leben starteten, weil ihre Familien ihren Reichtum und damit einhergehenden Einfluss von einer Generation an die nächste vererben.

Natürlich muss eine Steuerreform trotzdem irgendwie finanziert werden. Statt der Erbschaftssteuer gibt es deshalb eine höhere Grunderwerbssteuer, die auch noch auf Basis deutlich höherer Werte berechnet wird. Wer eine Wohnung oder Haus und Grund kauft, ist betroffen. Wer Immobilien erbt, ist ebenfalls betroffen. Die SPÖ verkauft das deshalb als „Erbschaftssteuer light“ Die Maßnahme knallt nun aber tatsächlich in die Mittelschicht. Es geht bei solchen Vorgängen um tausende Euro Unterschied. Reichen sind diese Summen natürlich egal. Wer sich aber mit aller Kraft und Leistung sein erstes Eigentum erschaffen hat, den trifft das hart.

Die ÖVP hat damit offenbar kein Problem. Wer tatsächlich Angst um die Mittelschicht hat, kann so eine Entscheidung nicht ernst meinen.

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  • mayer gerhard

    Die Mittelschicht ist ein dehnbarer Begriff, auf alle Fälle die Mittelschicht nicht mehr aus der Gattung Häuselbauer. Denn die sogenannten normalen bzw. die Mehrheit der Häuselbauer Finanziert mehr als 60% Fremd für mich ist das die untere Mittelschicht. Sie können sich den Mittelschicht Standard nur Leisten weil sie von jemanden Geld bekommen das Sie nicht haben. Die wirklich Mittelschicht beginnt heutzutage zwischen 500.000 – 1.000.000 Euro, an Besitz ohne Schulden. Viele Vergessen unsere zigtausenden Bauern, die alle Grundflächen von mehr als 10ha besitzen. Da die Grundstückspreise inzwischen so hoch sind kosten auch Ackerflächen ab 10€ aufwärts für den qm. Dies zigtausend Bauern sind defacto alle Millionäre und Aufwärts.

    So eine Millionärs blabla würde also in keinster weise vermögende treffen sondern auch die die ein normales Leben führen, nur das Sie durch gute Investitionen in der Vergangenheit heutzutage im !!Buch!! Millionäre wären.

    • “Die Mittelschicht ist ein dehnbarer Begriff,”

      Eigentlich gar nicht. Mittelschicht ist grob gesagt ein Begriff, der die mittleren 33% der Bevölkerung beschreibt.

      “auf alle Fälle die Mittelschicht nicht mehr aus der Gattung Häuselbauer. Denn die sogenannten normalen bzw. die Mehrheit der Häuselbauer Finanziert mehr als 60% Fremd”

      Für etwa 30% der Bevölkerung sind Ersparnisse ein fremdartiges Konzept. Diese Leute kriegen keine Kredite und können dementsprechend auch keine Immobilien kaufen – auch nicht fremdfinanziert. Sowas ist ein Thema für die Mittelschicht und darüber hinaus

      “Die wirklich Mittelschicht beginnt heutzutage zwischen 500.000 – 1.000.000 Euro, an Besitz ohne Schulden.”

      Deine Definition erfasst eher die Bevölkerung zwischen den Maßlatten der oberen 85 und 90%. 80% der Österreicher haben ein Nettovermögen von unter 300.000 Euro. 50% besitzen weniger als 90.000 Euro. Die fast 50% der Österreicher, die in Mietwohnungen leben, haben ein Median-Nettovermögen von etwa 11.000 Euro (Quellen: http://www.armutskonferenz.at/index.php?option=com_docman&task=doc_download&gid=502&Itemid=36)

      Und nein: Bauern sind natürlich keine “Millionäre und aufwärts”. Sie lassen sich aus solchen Definitionen zB durch Landwidmungspläne und Regelungen für Betriebe hervorragend ausnehmen – wie es ja auch in diesem Fall passiert ist. Steuern auf landwirtschaftlichen Grund werdennach wie vor aus den alten Einheitswerten berechnet. Die ÖVP rotzt doch nicht ihrer Kernwählerschicht auf die Fußmatte.

      Zudem gibts gerade noch ca. 160.000 landwirtschaftliche Betriebe in Österreich. Also sogar wenn deren Besitzer alle fälschlicherweise Buch-Millionäre wären (man müsste natürlich sicherstellen, dass das nicht passiert), wäre das noch keine Mittelschicht sondern rund 2-3% der Bevölkerung.