Wer viel leistet, verdient auch dementsprechend viel. Und deshalb macht es wenig Sinn, höhere Einkommen mit mehr Steuern zu belasten. Sagen ÖVP, Wirtschaftskammer oder Industriellenvereinigung. Werden hier lediglich Partikularinteressen vertreten oder ist doch was dran, an dieser Leistungsträgertheorie? Hinterlistige Klientel- oder kluge Wirtschaftspolitik? Wir gehen der Sache nach.
Ende 2005 hat der deutsche Focus einen großen Gehalts-Report veröffentlicht. Ein Kellner verdient demnach weniger als ein Florist. Die Geldbörse eines Tischlers oder Fleischers ist Ende des Monats nochmal um einiges fetter. Die Verdienstkurve steigt im Bereich von Architekten, Richtern oder Ärzten weiter an. In einen astronomischen Bereich hingegen kommt man, wenn man es zum Spitzensportler schafft. Und auch in den Chefetagen von Großunternehmen lebt es sich nicht schlecht.
Wer bestimmt eigentlich den Verdienst? Na der Markt. Aber ist der Markt auch gerecht? Sprich regelt der Mechanismus aus Angebot und Nachfrage die Löhne und Gehälter ihrer Leistung entsprechend?
Wovon Einkommen abhängt
Bevor ich dieser Frage nachgehe, möchte ich mir grundsätzlich nachvollziehbare Parameter zur Ausgestaltung der Verdiensthöhe auflisten:
- Verantwortung
- Ausbildung
- Arbeitszeit
- Tatsächliche Leistung
Prinzipiell kann man sagen, dass der Markt im Bereich kleinerer bis mittlerer Einkommen durchwegs nachvollziehbar entlohnt. Natürlich gibt es Sparten wie die Pflege, in denen die Schere zwischen Leistung und Verdienst auseinandergeht, aber das bewegt sich alles in einem Rahmen.
Working poor
Laut Sozialistischer Jugend sind trotzdem alleine in Österreich eine Viertel Million Menschen vom aus den USA bekannten Phänomen „working poor“ betroffen. Darunter versteht man Erwerbstätige, die trotz regelmäßigem Einkommen unter die Armutsgrenze fallen.
Die Gründe für dieses Phänomen sind breit gestreut. Oft unfreiwillige Teilzeitarbeit, der Haushaltskontext (1 Einkommen muss mehrere Familienmitglieder versorgen) aber auch generell niedrige Einkommen dürfen sich hierfür verantwortlich zeigen.
Einkommen zum Auskommen
Mindestlöhne sind eine effektive Methode zur Bekämpfung dieses Phänomens, auch wenn damit Flexibilitätseinbußen verbunden sind. Auch eine Grundsicherung in Form einer negativen Einkommenssteuer könnte einen praktikablen Lösungsweg darstellen.
Was auf jeden Fall gewährleistet sein muss, ist das Auskommen mit Ausübung eines Vollzeitjobs. Alles andere wäre im 21. Jahrhundert schlicht und einfach eine Schande. Und ja, der Titel dieses Absatzes ist von Herbert Kickl gestohlen (grins).
Von CEOs und Scheren

Quelle: epi.org
Dieses Bild zeigt die Entwicklung der „CEO-to-worker-pay-ratio“ in den USA. Also das Verhältnis des Einkommens von CEOs, sprich Geschäftsführern großer Unternehmen, zu dem eines Durchschnittsarbeiters desselben Unternehmens. Wer eine nähere Erläuterung lesen möchte, der kann das hier tun (auf Englisch).
Und hier findet sich die Ergänzung zu meiner vorher erwähnten Feststellung, dass der Markt im Bereich kleiner bis mittlerer Einkommen durchwegs nachvollziehbar entlohnt. Im Gebiet der Spitzengehälter tut er das nämlich definitiv nicht mehr. Natürlich ist der Geschäftsführer eines Global Players besser ausgebildet als der Durchschnittsarbeiter des gleichen Unternehmens. Natürlich trägt er mehr Verantwortung und kommt vermutlich auch auf deutlich mehr Arbeitsstunden. Die Relation ist aber trotzdem nicht mehr ausreichend gegeben.
Kontinentale Unterschiede
In Deutschland zum Beispiel ist diese Entwicklung noch nicht so weit vorangeschritten. Laut FAZ verdient der Vorstandsvorsitzende eines Dax-Konzerns im Durchschnitt 80-mal so viel wie sein Angestellter. Aber auch das lässt sich wohl nur mehr schwer nachvollziehen. Und diese Einschätzung gründet nicht auf subjektiver Ebene, sprich Sympathisierung mit dem sogenannten Proletariat, sondern auf gesundem Menschenverstand.
Grund für diese Auswüchse, so wird auch von Unternehmen argumentiert, ist, dass man ansonsten einfach nicht die Spitzenleute an Bord ziehen könnte. Der kleine Arbeiter versteht es trotzdem nicht. Und recht hat er. Denn diese Divergenz ist alles andere als gerecht.
Angewandte Gerechtigkeit
Meiner Meinung nach sollte der Staat trotzdem nicht regelnd einschreiten, weil er hier einfach auf Grenzen stößt. Dieser Prozess muss von den Erwerbstätigen bzw. ihrer Vertretern wie der Gewerkschaft ausgehen. Die von Attac angekündigte Demokratische Bank zum Beispiel lebt interne Unternehmensgerechtigkeit vor. Dort soll die maximale Lohnspreizung bei 1:5 liegen.
Der Staat stößt hier meines Erachtens deshalb auf Grenzen, weil die Auslegung von Wirtschaftszweig zu Wirtschaftszweig, von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich sein müsste. Eine Obergrenze, zum Beispiel 1:30 könnte er aber durchaus vorgeben. Will sich der Vorstand für ein erfolgreiches Jahr belohnen? Kein Problem, wenn er das innerhalb des Verhältnisses macht bzw. seine Beschäftigten mitnimmt.
Globale Koordination
Um zum Schluss zur Einleitung zurückzukommen. Was ist an der Leistungsträgertheorie dran? Bis zu einem gewissen Einkommen sehr viel. Wenn es in größere, teils exorbitante Höhen geht, aber nichts mehr. Deshalb darf man sehr viel höhere Einkommen auch sehr viel höher besteuern. Eine maximale Lohnspreizung, wie von Attac vorgeschlagen und auch praktiziert, könnte dem natürlich vorbeugen. Beides müsste aber zumindest EU-weit, wenn nicht global, koordiniert werden. Was die Umsetzung aber leider nicht gerade realistischer macht.
It’s the benefit, stupid
Ein Aspekt, der vor allem bei Besteuerungsdebatten nicht außer Acht gelassen werden darf, ist der, dass sich der Verdienst nach Nutzen richtet, nicht nach Leistung. Nutzen lohnt sich. Leistung lohnt sich nur bedingt. Monetär lohnt sich Leistung sogar sehr oft nicht (Kindererziehung, Haushalt, innerfamiliäre Kranken- oder Altenpflege, viele ehrenamtliche Tätigkeiten..)
Dabei ist es keineswegs verachtenswert, dass der Verdienst eines Arbeiters oder Angestellten mit seinem Nutzen fällt oder steigt. Es ist unternehmerisch sogar die einzig vernünftige Möglichkeit, Mitarbeiter zu entlohnen. Das Faktum, dass Güter oder Dienstleistungen nur Nutzen stiften, wenn sie am Markt nachgefragt werden, bleibt unwiderlegbar. Zumindest wenn der Unternehmer seinen Betrieb länger als 2 Wochen aufrecht erhalten möchte.
Nutzen lohnt sich
Ich halte fest (ein bisschen Redundanz schadet auch in Blogs nicht): Nutzen lohnt sich. Und das ist nicht verwerflich, sondern schlicht und einfach wirtschaftlich nachvollziehbar und schlüssig. Was dagegen sehr wohl verwerflich ist, ist die Tatsache, dass bestimmte Politiker den Begriff Leistung missbrauchen.
„Leistung muss sich lohnen.“
„Leistungsträger dürfen nicht einer noch größeren Steuerlast ausgesetzt werden.“
Immerhin erhalten in Österreich 2,7 Millionen Steuerzahler genauso viele, die keine zahlen (Achtung: Einkommenssteuer).
Die Leistungslüge
Daraus schließt ein aufmerksamer Leser/Hörer/Seher. Aha. Die Leistungsträger sind also die Steuerzahler. Die, die keine Steuern zahlen, erbringen also keine Leistung. Das ist natürlich vollkommener Schwachsinn. Klar muss sich ein Staat aus Steuern finanzieren. Und die müssen auch irgendwo herkommen.
Deshalb ist der Steuerzahler durchaus für das Staatsbudget ein Leistungsträger. Der Missbrauch dieses Begriffs geht mir aber sowohl in der österreichischen als auch in der deutschen Politik zu weit. Dass der hauptsächlich von ÖVP und FDP ausgeht, sollte politischen Menschen bereits aufgefallen sein.
Der Zusammenhang von Verdienst und Leistung
Die beiden angeschnittenen Themenkomplexe, also die Verdienst- wie auch die Leistungsdebatte hängen dabei sehr eng miteinander zusammen. Wenn Spitzeneinkommen belastet werden sollen, dann sollte man sich immer vor Augen halten, dass der Verdienst sehr hoher Einkommen oft nicht mehr gerecht ist. Dass sich dadurch kein Milliardenloch im Budget stopfen lässt ist logisch, aber das Argument des notwendigen Schutzes vermeintlicher Leistungsträger fällt weg.
Daraus kann man aber nicht schließen, dass ich für eine Anhebung des Spitzensteuersatzes bin, sondern für die Einführung einer neuen, noch höheren Stufe, die nur sehr, sehr große, bereits ungerechte Verdienste betrifft. Wenn die Einführung einer maximalen Lohnspreizung das obsolet machen würde, wäre mir das natürlich noch lieber. Dazugesagt sei: Die Einführung wäre nur global denkbar und ist deshalb mittelfristig nicht durchsetzbar. Was aber nichts an der Richtigkeit solcher Maßnahmen ändert.
Dieser Artikel wird gleichzeitig auf zuwi.at veröffentlicht.
PS: Wenn ich schon bei visionären, nicht kurzfristig weil nur global durchsetzbaren Ansätzen bin: Steuern auf Kapital sollten denen auf Arbeit zumindest gleichgesetzt werden, worauf bei der Einkommenssteuer ein Spielraum entstehen würde. Das würde Arbeit entlasten und endlich Schluss mit der dummen (relativen) Subventionierung von Kapitalerträgen machen. Geld arbeitet nämlich nicht. Oho!
PS2: Hungert endlich Steueroasen aus!
Bild “Geldboerse”: © Ernst Rose / PIXELIO
Bild “Gerechtigkeit”: © Thorben Wengert/ PIXELIO
24 Antworten auf „Leistung lohnt sich nicht“
Die neokonservative Marktsicht ist die, dass der Markt sich wie ein gütiger, aber strenger Vater verhält, der das Einkommen an jene verteilt, die fleißig arbeiten.
Das ist zum Glück Blödsinn.
Das heißt aber nicht, dass damit deine eigene Marktsicht oder irgendeine andere deiner Forderungen und Überlegungen damit bewiesen wäre.
Deine Forderung läuft darauf hinaus, dass du das, was die Neokonservativen versprechen, in die Tat umsetzen willst. Die Rolle des strengen Vaters übernimmst dabei offenbar du. Denn du bist so frei uns gleich darüber zu informieren, nach welchen ästhetischen Kriterien einzelne Berufe zu betrachten sind.
Für mich ist der gesamte Denkansatz, nach Kriterien der Ästhetik, „Gerechtigkeit“, „Verdienst“ den Wert jeder private Aktivität bestimmen zu wollen schon totalitär.
Den Konflikt mit dem Nutzen hast du ja selbst erwähnt, aber nicht genügend ausgebreitet. Nutzen ist subjektiv.
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Veranschaulichung:
Also angenommen, du bestimmst, dass ein Architekt nicht vier, nicht sechs, sondern genau fünf mal soviel wie ein Florist verdienen muss.
Was ist nun, wenn ich mein Haus unbedingt bei einem beliebten Architekten planen lassen will, bei dem schon andere Schlange stehen? Oder, was, wenn ich es eilig habe und früher dran kommen will?
Ich würde ihm dann das 6-fache des Floristen zahlen.
Aber mit dieser einfachen, zwischenmenschlichen Einigung hätten wir bereits ein Verbrechen begangen. Und du müsstest uns schon mit Zwang davon abhalten.
Das gleiche trifft freilich auch zu, wenn ich mich mit einem unbeliebten Architekten auf das 4-fache einige.
Und dann gibt es plötzlich zuviele Anwerber für Berufe, die über dem Marktwert bezahlt werden. Also müsstest du Zugangsbeschränkungen einführen. Wieder müsstest du mit Zwang verhindern, dass ich einen illegalen Floristen unter der Hand beschäftige.
Und du müsstest Menschen in Berufe zwingen, die sie, weil unter Markt entlohnt, gar nicht einschlagen wollen.
Kurzum, deine „visionären“ Ansichten alles andere als neu. Man nennt das Sozialismus.
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Vieles, was du angesprochen hast, hat wenig bis gar nichts mit Markt zu tun. Richter sind Staatsbedienstete. Ärzte haben das Recht zu bestimmen, dass Deutsche nicht studieren dürfen, dass ausländische Abschlüsse nicht akzeptiert werden, wer aller Arzt sein darf, welche Tätigkeiten nur Ärzte ausüben dürfen. Und ihre Honorare machen sie sich beim Heurigen mit den Parteifreunden aus, die die Pflichtversicherungen verwalten (und selbst woanders versichert sind).
Die Einkommen dieser und anderer Berufsgruppen basieren also nicht auf dem Markt, sondern auf eben jenem paternalistischen System, das du dir vorstellst.
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Innerhalb eines Vereins, Amtes oder eines Betriebs gibt es keinen Markt. Die hierarchische Einkommens-Staffelung, die in den meisten Unternehmen existiert, hat wohl eher archaisch/instinktive Gründe. Der Stammeshäuptling bekommt den besten Teil der Beute.
In einer Gesellschaft voller rationalen Profitmaximierer würden Manager und Abteilungsleiter im Durchschnitt nicht mehr verdienen, als ihre Untergebenen. Homo Oeconomicus würde einen Betrieb gar nicht als Hierarchie auffassen, sondern als eine Menge an Individualisten, die zur Profitmaximierung zusammengekommen sind und die Vertragsverpflichtungen zueinander auf gleicher Augenhöhe ausgehandelt haben.
Vom hierarchischen Denken trennen sich Felber oder du ja auch nicht. Derjenige, der jeweils gerade den Chefsessel anwärmt hat auch in deiner Ästhetik ein Anrecht auf ein größeres Stück.
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In Aktiengesellschaften im speziellen haben wir heute das Phänomen, dass sich die Vorstände praktisch selbst kontrollieren und ihr eigenes Salär bestimmen und die eigentlichen Kapitalisten, die Aktionäre entmündigt wurden.
Ein Maximaleinkommen für solche Vorstände würde nur ein nebensächliches Symptom bekämpfen und das Hauptproblem, dass viele dieser Vorstände abgehoben sind und ihre Unternehmen ruinieren, nicht lösen.
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Die Forderung nach konfiskatorischen Steuern widerspricht dem kategorischen Imperativ. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du diese immer noch befürworten würdest, wenn du selbst davon betroffen wärst.
Und das könnte leicht sein. Man müsste nur als Vergleichsbasis die ganze EU oder gleich die ganze Menschheit heranziehen.
bei den gehältern wird oft als ein argument das amerikanische sprichwort zitiert „if you pay peanuts, you get monkeys“. leider gilt der umkehrschluss nicht. für mich lautet die fortsetzung vielmehr: „if you pay lots of peanuts, you get fat monkeys“.
mit anderen worten: bei leuten, die man nur mit einem absurden gehalt bekommt, stelle ich in frage, dass sie auch tatsächlich entsprechend mehr leisten alss solche, die sich in vernünftigen schranken halten. – oder polemisiert: wie soll ich davon ausgehen, dass ein manager, dessen gehalt schon den betrieb ruiniert, sinnvoll für einen betrieb ist?
ein gesetzliches limit für die einkommensschere in einem betrieb hält für mich ein problem: was hindert die manager dann daran, sich einfach in einen eigenen betrieb auszugliedern und sich damit von den gehältern der restlichen angestellten zu lösen?
neben der hohen einkommenssteuer oder so einen gesetzlichen schranke, gibt es auch noch eine andere möglichkeit das problem etwas zu lindern:
eine vermögenssteuer zusammen mit einer höheren konsumsteuer. man könnte zwar weiterhin so große gehälter „verdienen“ aber beim ausgeben bzw. anhäufen von vermögen würde man seinen beitrag leisten. natürlich ist der ansatz nur unter zwei voraussetzungen gangbar:
* steueroasen müssten trockengelegt werden.
* um die hohe konsumsteuer auszugleichen müsste man haushalte mit einem niedrigen einkommen entlasten. das geht am leichtesten/unbürokratischsten mit einem bedingungslosen grundeinkommen.
* die vermögenssteuer dürfte nur große vermögen betreffen: also eine kleine minderheit der vermögen – aber einen großteil des vermögens 😉
Du hast mich missverstanden. Ich will keinem einzigen Beruf einen bestimmten Maximalverdienst oder was auch immer aufzwingen. Ich denke nur, dass es sinnvoll wäre, in Unternehmen eine maximale Lohnspreizung einzuführen. Das zwingt keinem Floristen oder Architekten irgendeinen Lohn auf. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass sich der Staat wo es geht zurückhalten sollte. Wenn es zu zugegeben subjektiven Ungerechtigkeiten kommt, dann kann der Staat ja regelnd eingreifen und Rahmenbedingungen vorgeben. Wenn das auf niedrigerer Ebene (Arbeitnehmervertretungen) geschieht, dann umso besser. Und eine Gesellschaft kann sich schon halbwegs darauf einigen, was gerecht und was ungerecht ist.
Ich fordere ja keine Vermögenssteuer, sondern nur höhere Steuern für Gehälter, die keiner Relation mehr entsprechen. Ich denke, dass mich das nicht stören würde. Ist aber schwer zu sagen. Gibt ja Vorbilder wie Hans Peter Haselsteiner.
Ich glaube Du hast die Leistungsträger-Debatte der ÖVP oder FDP falsch verstanden. Es geht nicht darum zu sagen, dass die, die viel Verdienen automatisch auch viel Leistung bringen und die, die wenig verdienen wenig/keine Leistung.
Es geht einfach darum, dass man zunächst mal einsehen muss, dass viele Menschen – verkürzt gesagt – einfach eine Job möchten, wo sie wissen, sie müssen ihre 40 Stunden in der Woche eine gewisse Leistung erbringen, alles andere ist aber Freizeit. Daran ist überhaupt nichts schlechtes – es ist geradezu eine Errungenschaft unserer Zivilisation, dass sehr viele Menschen so leben können.
Aber es muss auch klar sein, dass wir ein Problem hätten, wenn jeder so denken würde. Viele Firmenchefs (und ich sprech jetzt nicht von den CEOs, die Du erwähnt hast, sondern von den unzähligen Chefs kleiner und mittlerer Firmen), Abteilungsleiter usw. arbeiten teils das doppelte von den Arbeitern, arbeiten an Wochenenden, riskieren ihren eigenen finanziellen Ruin, usw.. Das sind die Leistungsträger.
Die Leistungsträgerdebatte ist nun eine ganz einfache: was ist, wenn diese Leistungsträger irgendwann mal sagen: „Bin ich eigentlich vollkommen bescheuert. Warum mach ich das überhaupt?“. Da ist auch noch anzumerken, dass natürlich viele von denen nicht wirklich so viel verdienen. Es ist einfach nur die Aussicht darauf, dass sie eventuell mal die Idee haben, durch die sie dann Reich werden können.
Dass es Leute gibt, die so viel verdienen, dass es unnatürlich und ungerecht erscheint (bzw. auch ist) ist halt so. Daran kann aber überhaupt nichts geändert werden. Das hat es immer schon so gegeben und wird es immer geben. Das hat auch nichts mit Kapitalismus zu tun – auch in sozialistischen, kommunistischen, faschistischen und was auch immer Systemen hat es immer Leute gegeben, die sichs irgendwie gerichtet haben. Die Idee, dass man mit irgendwelchen Gesetzen diesen Auswüchsen bei kommen könnte ist auch ziemlich naiv. Solche Leute haben Möglichkeiten – treffen tuts danach die Falschen.
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Du hast mich missverstanden. Ich will keinem einzigen Beruf einen bestimmten Maximalverdienst oder was auch immer aufzwingen. Ich denke nur, dass es sinnvoll wäre, in Unternehmen eine maximale Lohnspreizung einzuführen. Das zwingt keinem Floristen oder Architekten irgendeinen Lohn auf.
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Wenn das verpflichtend ist, dann werden die Löhne genauso verändert, nur halt indirekt und nicht direkt. Das Zwangs-Problem entsteht genauso.
Falls nicht verpflichtend, also als kultureller Wandel, dann gäbe es meiner Meinung nach keinen Nachteil, nachdem, wie schon erwähnt, der Ist-Zustand ebenso kulturell bestimmt ist.
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Ich denke, dass mich das nicht stören würde. Ist aber schwer zu sagen. ******
Ich denke die Tatsache, dass solche Steuern fast immer nur für andere gefordert werden, ist ein guter Hinweis.
@mereandor:
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eine vermögenssteuer zusammen mit einer höheren konsumsteuer. man könnte zwar weiterhin so große gehälter „verdienen“ aber beim ausgeben bzw. anhäufen von vermögen würde man seinen beitrag leisten. natürlich ist der ansatz nur unter zwei voraussetzungen gangbar:
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Konsumsteuern sind regressiv. Damit wirst du die Reichen nicht schröpfen können. Wieviele Ferraris siehst du denn auf der Straße herumfahren?
Sinnvoll könnte man aber Status-Güter besteuern. Auktionen von Kunstgegenständen, teure Oldtimer, Seegrundstücke, progressive Autosteuer usw.
Auch die Natur des Vermögens wird falsch eingeschätzt. Das Vermögen der Reichen, das sind letztlich all die Häuser, Supermarktfilialen, kreditfinanzierte Häuser und Autos und die Fabriken, die uns umgeben.
Die Reichen sitzen nicht auf einem Geldspeicher. Und selbst, wenn sie auf einem Geldspeicher sitzen würden, dann würde eine Erstürmung desselben nur eine Inflation erzeugen. Es stünden keine zusätzlichen Waren und Dienstleistungen zur Verfügung.
Ein Vermögen ist etwas, womit man ein Einkommen generieren kann. Man könnte also die Körperschaftssteuer erhöhen, wenn man mehr von den Unternehmen abschöpfen will, oder Kapitalertrag (inkl. Vermögenszuwachs), Umsätze usw.
Aber stattdessen gibt es aber diese fixe Idee, die „Substanz“ zu besteuern. Nur, wer soll feststellen, wieviel die „Substanz“ wert ist?
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Mir persönlich ist es ja egal, wenn Reiche mehr Steuern zahlen müssen.
Nur halte ich nichts von den meisten Analysen und einige der Vorschläge klingen für mich wie eine gefährliche Drohung.
Die viel besungene USA mit ihren Vermögenssteuern hat auch eine Million Steuerbeamte und es gibt ebenso viele Steuerberater. Viel Verwaltungsaufwand, viel lästige Bürokratie und dafür wird relativ wenig Geld eingehoben. Wollen wir das auch einführen, nur damit einige die Genugtuung haben, dass der Treichl dann für seine Gemälde blechen muss?
Darüber hinaus machen Felber&Co falsche Versprechungen. Sie setzen Vermögen und Geld gleich und tun so, als könnte dieses beliebig in Konsum verwandelt werden. Sie vermitteln den Eindruck, dass enorm viel bei den Reichen zu holen wäre und man sich deshalb keine Sorgen ums Budget machen muss.
Die Besteuerung der Reichen ist in den letzten Jahren zum Hauptthema und zentralen Angelpunkt der Linken geworden. Für alles andere, inklusive die Armen oder die Arbeiterklasse interessiert sich keiner mehr. Alle anderen Probleme lösen sich automatisch, wenn man nur endlich die Reichen besteuert, so scheint die falsche Hoffnung.
Also, ich denke dass ich die Debatte nicht falsch verstanden habe.
Ich verteufle auch keine Unternehmer, sie sind das Herz unserer Wirtschaft und damit Grundstein unseres Wohlstands. Ich liebäugle auch damit, es einmal selbst zu versuchen.
Und wenn die ÖVP nun davon spricht, die Leistungsträger entlasten zu wollen, weil die ja die Steuern für die „Nicht-Leistungsträger“ zahlen, dann ist das eine Betrachtungsweise, mit der ich mich so nicht identifizieren kann. Die Gründe habe ich oben ausreichend dargelegt.
„Es ist einfach nur die Aussicht darauf, dass sie eventuell mal die Idee haben, durch die sie dann Reich werden können.“
Ich glaube, das ist eine zu eingeschränkte Sicht auf das Unternehmertum. Gerade in kleinen Unternehmen (bis zu Ich-AGs) ist der Anreiz nicht der Profit, sondern die Verwirklichung von Visionen, die Gestaltungsfreiheit, das eigener-Chef-sein. Dass man auch Geld zum Leben braucht, und davon lieber zu viel als zu wenig, ist logisch. Aber nicht Anreiz Nummer 1. Denn wenns mir nur ums Geld geht, dann gibt es bequereme Wege es zu verdienen, als die Mühe, die mit der Gründung und Pflege eines UNs verbunden ist, auf mich zu nehmen
Und das es sehr reiche Menschen gibt, die genug Geld besitzen, um viele Probleme auf dieser Welt lösen zu können, es aber lieber für Fußballvereine, Yachten oder Luxusvillen ausgeben, ist zwar ethisch gesehen nicht gerade schön, aber deren Sache. Aber das hat mit meiner Forderung einer maximalen Lohnspreizung, die idealerweise aus dem UN heraus gestaltet wird, in keinster Weise irgendetwas zu tun.
@dieter:
„Wenn das verpflichtend ist, dann werden die Löhne genauso verändert, nur halt indirekt und nicht direkt. Das Zwangs-Problem entsteht genauso.“
Naja, das ist aber schon eine sehr enge Sicht. Kinder müssen auch in die Schule gehen, bei meinen Einkäufen muss ich auch einen Teil an den Staat abführen… Wenn etwas gesellschaftlich klug ist und die große Mehrheit davon profitiert, halte ich das für legitim.
„Ich denke die Tatsache, dass solche Steuern fast immer nur für andere gefordert werden, ist ein guter Hinweis.“
Trifft teilweise sicher zu. Allgemeine Gültigkeit hat diese Aussage aber defintiv keine. Es gibt durchaus Menschen, und dazu zähle ich mich, die die eigenen Interessen einer ganzheitlichen Sichtweise unterordnen.
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Aber es muss auch klar sein, dass wir ein Problem hätten, wenn jeder so denken würde. Viele Firmenchefs (und ich sprech jetzt nicht von den CEOs, die Du erwähnt hast, sondern von den unzähligen Chefs kleiner und mittlerer Firmen), Abteilungsleiter usw. arbeiten teils das doppelte von den Arbeitern, arbeiten an Wochenenden, riskieren ihren eigenen finanziellen Ruin, usw.. Das sind die Leistungsträger.
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Andere riskieren ihr Leben, verrichten körperlich anstrengende oder stressige Arbeiten. Wer körperlich arbeitet lebt wesentlich kürzer und fällt nach dem Arbeitstag müde ins Bett. Jeder Busfahrer, Polizist, Hebamme usw. trägt in manchen Situationen Verantwortung für Leib und Leben, kann in emotional schwierige und emotionale Situationen kommen.
Lehrer müssen sich stundenlang mit schwierigen und schreienden Schülern herumschlagen.
Abteilungsleiter und mittleres Management wurden in den letzten zwei Jahrzehnten massiv reduziert und durch E-Mail ersetzt. Dieser Prozess hält weiter an. (Die Posten werden im wesentlichen nicht mehr nach besetzt).
In der UDSSR wurde man im Gulag aber auch in wichtigen Positionen einfach erschossen, wenn das Soll nicht erfüllt wurde und Geld für Überstunden gab es auch.
Fazit:
Deine konservative Sicht dichtet der Welt eine Leistungsgerechtigkeit an, die es da nicht gibt.
Und mit diesem Grasser’schen Leistungsträger-Blödsinn macht man die Marktwirtschaft bei Gering- und Mittelverdienern unbeliebt.
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bei meinen Einkäufen muss ich auch einen Teil an den Staat abführen
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Die MwSt verzerrt aber nicht, weil jeder Umsatz gleichermaßen betroffen ist.
Ein korrekter Vergleich zur maximalen Lohnspreizung wäre, wenn du bestimmen würdest, wie die Produktpreise in Bezug zueinander stehen müssen.
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Es gibt durchaus Menschen, und dazu zähle ich mich, die die eigenen Interessen einer ganzheitlichen Sichtweise unterordnen.
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Komisch, dass deine „ganzheitlichen Sichtweise“ an der Landesgrenze aufhört. Mit einer Flat-Tax von 70% würden alle Österreicher immer noch im Vergleich zum Großteil der Menschheit heute und umso mehr in der Vergangenheit wie Könige leben. Und man könnte die Entwicklungshilfe verzehnfachen.
@dieter:
Um der Gesellschaft ein Leben in Freiheit und Wohlstand ermöglichen zu können, ist es eben nötig, gewisse Rahmenbedingungen in Form von Gesetzen demokratisch festzulegen. Das als Zwang zu bezeichnen, halte ich doch schon fast für libertär.
Du kennst meine Sichtweise dazu nicht, also bitte nicht mit Vorurteilen argumentieren. Mir ist es sehr wichtig aufzuzeigen, wo wir auf Kosten anderer leben und bin auch der Meinung, dass privilegierte Mitteleuropäer auf Wohlstand verzichten könnten, wenn dadurch in unterprivilegierten Gebieten Wohlstandverbesserungen erreicht werden. Es geht aber auch immer darum, inwieweit da die Bürger mitmachen.
Es geht darum, was als Wohlstand empfunden wird. Meiner Ansicht nach muss man auf keinen „Wohlstand verzichten“, sondern ein paar Prioritäten anders setzen. Das ist schon eine nicht unbedeutende Frage des Wordings. Wir wissen, was es für die Welt zum Beispiel bedeuten würde, würde der Westen weniger Fleisch essen. Aber wäre nur 2 statt 5 Mal Schnitzel in der Woche tatsächlich eine Wohlstandseinbuße?
Ich habe in den letzten Jahren selbst ein paar Dinge umgestellt, die in den ersten 14 Tagen lästig und vielleicht wie ein Schritt zurück wirkten. Mittlerweile sind sie aber nicht nur völlig normal, sondern sogar ein Teil Lebensqualität. Mehr mit dem Rad fahren und zu Fuß gehen zum Beispiel.
Braucht jeder einen Wäschetrockner? Muss ein Single-Haushalt einen Geschirrspüler haben? Brauchen wir wirklich so große Autos? Wir sind in vielerlei Hinsicht im Großen wie im Kleinen unheimlich verschwenderisch. Man könnte so viel Geld einsparen, und das dann in hochwertigere, gerechtere Produkte investieren, dass ich wirklich an die Realität der großen WOHLSTANDSeinbuße in einer gerechteren Welt nicht glaube.
Mittelstand und Oberschicht könnten einen globalen Augleich sofort verkraften, die ärmeren Menschen müssten natürlich unterstützt werden. Wobei ich neben dem globalen Ausgleich ja auch einen innerstaatlichen herbeiführen müsste.
Ich denke, dass ein ziemlich tiefgreifender Wandel in der Perspektive für viele unattraktiv wirkt, die später ganz zufrieden damit wären.
@Andreas Sator:
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Um der Gesellschaft ein Leben in Freiheit und Wohlstand ermöglichen zu können, ist es eben nötig, gewisse Rahmenbedingungen in Form von Gesetzen demokratisch festzulegen. Das als Zwang zu bezeichnen, halte ich doch schon fast für libertär.
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Freiheit und Wohlstand setzt Demokratie nicht voraus, aber das ist hier nicht wichtig. Deine Verwendung des Begriffs „libertär“ verstehe ich nicht ganz.
Zum Wesentlichen:
Gesetze können nur mit Zwang durchgesetzt werden. Auch ein demokratisch beschlossenes Gesetz hat immer den Zweck, irgendeine Minderheit zu zwingen. Mörder werden ins Gefängnis gezwungen, Geisterfahrer müssen ihren Führerschein abgeben, etc.
Alleine schon die Einkommenssteuer und die Berufszulassung für Krankenpfleger oder Handwerker führt schon dazu, dass Nachbarschaftshilfe, Wanderarbeit und dergleichen als so genannter Pfusch bzw. „Schwarzarbeit“ kriminalisiert und sogar dämonisiert wird. Dabei handelt es sich um zwischenmenschliche Hilfe zum gegenseitigen Vorteil, die so alt ist, wie die Menschheit.
Wenn der Staat diese Gesetze ernst nehmen würde, müsste er ein DDR-mäßiges Spitzelwesen aufstellen und zehntausende Häuslbauer und betagte, hilfsbedürftige Pensionisten verhaften.
Diese Kriminalisierung großer Teile der Bevölkerung entsteht schon durch minimale Eingriffe in den freien Markt. Zum Glück besteht weder die Macht, noch der Wille, „Schwarzarbeit“ mit allen Konsequenzen zu verfolgen.
Auch deine Gesetzesvorhaben zur Lohnspreizung schaffen, wie alle Gesetze, neue Kriminelle. Ich schätze, dass es viele würden, weil du damit vehement und grotesk in die Preisbildung eingreifst. Und dann gibt es eben einen großen Anreiz, das zu umgehen und mit diversen Tricks innerhalb von Betrieben das Gesetz zu umgehen.
@Tom:
Du willst jedenfalls Umverteilen. Das ist per Definition ein Wohlstandsverlust für Besserverdiener zugunsten der Armen.
Die linke Armutsdefinition beträgt ja immer 60% vom Median-Einkommen. Von mir aus kannst du das nach Kaufkraft bereinigen, aber du solltest das Welt-Median-Einkommen, oder als EU-Supranationalist das der EU-Bürger heranziehen.
Geschirrspüler brauchen übrigens weniger Energie und Wasser als händisches Spülen.
Kleineres Auto wird es aber nicht tun. Ich halte es angesichts der Rohstoffsituation und den Gesetzen der Physik für ausgeschlossen, dass die gesamte Menschheit jemals kleine Autos oder Flugreisen nutzen kann.
Persönlich bin ich überzeugt, dass es in deiner Welt der Askese und groß angelegten Umverteilung weniger Wohlstand auch für die Armen gäbe. Die Afrikaner und Inder hätten heute kein Mobiltelefon und somit überhaupt kein Telefonsystem, weil du vor 30 Jahren entschieden hättest, dass sowas unnötiger Luxus sei und in den erfolgreichen Ländern der Anreiz zum Fortschritt fehlen würde. Es gäbe auch keine Notebooks, keine Pille, keine Wasserinstallation, oder Fahrräder, ….
Unabhängig davon, welches System für die Armen besser wäre, lehne ich diese Ideen aber alleine schon aus rein egoistischen sowie real-humanistischen Gründen ab.
@Tom:
Natürlich haben wir in unseren Breiten große Einsparungspotenziale, wo ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen auch ohne Wohlstandseinbußen einher gehen kann.
Wenn man aber sicherstellen möchte, dass nur mehr Güter gehandelt werden, die fair hergestellt wurden (von einem Unternehmen das sowohl Sozial- als auch Umweltstandards einhalten muss), dann würde es zumindest befristet sehr wohl zu Wohlstandseinbußen kommen, weil sich die Menschen um ihr Geld weniger kaufen könnten.
@dieter:
libertär = radikaler Liberalismus (vll verwend ichs auch falsch)
Ja, das haben Gesetze so an sich, dass man sich bei Nichteinhaltung mehr oder minder kriminell macht. Trotzdem gehts nicht ohne, oder denkst du das der freie Markt wirklich alles zum Wohle der Menschen regeln würde?
Betreffend Lohnspreizung: Wieso greift man damit grotesk in die Preisbildung ein? Das würde nicht mehr und nicht weniger als Gerechtigkeit in der Entlohnung aller Mitarbeiter eines Unternehmens bedeuten.
Eine Welt wie von Tom geschildert verzichtet ja nicht auf Innovationen, sondern einfach auf verschwenderischen Umgang mit Ressourcen.
*dass der freie Markt
@andreas:
—
dann würde es zumindest befristet sehr wohl zu Wohlstandseinbußen kommen, weil sich die Menschen um ihr Geld weniger kaufen könnten.
—
Nein, denn Wohlstand ist in gehobeneren Einkommensschichten nicht gleichzusetzen mit Konsum. Eine Umverteilung bedeutet, dass Geld von den Reichen zu den Armen wandert und stellt damit sicher, dass die Armen eben ihre Bedürfnisse nicht weniger stillen können. Obwohl auch deren Leben sich ändern würde.
@dieter:
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Ich Es geht darum, was als Wohlstand empfunden wird.
Du: Das ist per Definition ein Wohlstandsverlust für Besserverdiener zugunsten der Armen.
—
beep, beep, bepp
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„Die linke Armutsdefinition beträgt ja immer 60% vom Median-Einkommen. Von mir aus kannst du das nach Kaufkraft bereinigen, aber du solltest das Welt-Median-Einkommen, oder als EU-Supranationalist das der EU-Bürger heranziehen.
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Diese „linke“ Armutsdefinition ist EU-Definition. Mir wäre da jetzt die sozialistische Dominanz entgangen, die in Europa das Sagen hat.
—
„Geschirrspüler brauchen übrigens weniger Energie und Wasser als händisches Spülen.“
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Ich behaupte: Weil die Leute zu deppert zum Spülen sind. ^^ Aber in der Rechnung sind die Herstellungs- und Transportkosten von Geschirrspülern ja eh noch gar nicht drin. Kann sein, dass das am Ende übrig bleibt, ich zweifle aber dran. ^^ Aber war nur ein ad-hoc Beispiel. Welche Dinge nun genau verschwenderisch sind, sollte hier keine Rolle spielen.
—
„Die Afrikaner und Inder hätten heute kein Mobiltelefon und somit überhaupt kein Telefonsystem, weil du vor 30 Jahren entschieden hättest, dass sowas unnötiger Luxus sei und in den erfolgreichen Ländern der Anreiz zum Fortschritt fehlen würde.“
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Fortschritt gäbe es trotzdem und ich hätte gar nichts entschieden.
Das wird dich zum Teil freuen: Solche Dinge würden bei Kostenwahrheit ganz von selbst neu geregelt. Wenn einerseits gerechte Löhne bezahlt (Regulierung), andererseits Handelssubventionen abgebaut (Deregulierung) und drittens öffentliche Kosten an die Wirtschaft weitergegeben würden (Entkorrumpierung), sähe unser Konsum ganz anders aus.
Ohne, dass ich entscheiden müsste, was Luxus und was Bedürfnis ist. Ich sehe jetzt eher das Problem, dass Luxus teilweise zu billig und Grundbedürfnisse zu teuer sind.
Wie gesagt: Ein gut regulierter Markt ist ein möchtiges Werkzeug.
Wer was ist… Wer was leistet der kriegt eins in die Schnauze gehauen… So ist das…
BEERDIGUNG AUF BILLIG! – EKEL ALFRED WILL SPAREN
http://www.youtube.com/watch?v=THWauuYJxIw
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libertär = radikaler Liberalismus (vll verwend ichs auch falsch)
Ja, das haben Gesetze so an sich, dass man sich bei Nichteinhaltung mehr oder minder kriminell macht.
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Eben. Dass Gesetze Zwang implizieren ist also keine libertäre Übertreibung.
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Trotzdem gehts nicht ohne, oder denkst du das der freie Markt wirklich alles zum Wohle der Menschen regeln würde?
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Die Frage kann ich so unmöglich beantworten. „alles“ umfasst verdammt viel. Und was bedeutet „zum Wohle der Menschen“?
Das muss man sich für einzelne Fragestellungen extra ansehen und ausprobieren.
Es gibt anarchokapitalistische Denker wie David Friedman (Sohn des Milton), die sich sogar interessante und halbwegs plausible Überlegungen zu marktwirtschaftlicher Gerichtsbarkeit auf Basis vorchristlicher isländischer und germanischer Kultur machen.
Ich schließe also nichts aus, habe aber nur eine konkrete Meinung zu realpolitisch relevanten Fragestellungen.
In Sachen Krankenversicherung zur Grundversorgung zähle ich Systeme wie das unsrige für die vorläufig am Besten bekannten. Aber auch da gibt es freilich verschiedenste Ideen, die ich mir nicht im Detail angesehen habe.
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Betreffend Lohnspreizung: Wieso greift man damit grotesk in die Preisbildung ein? Das würde nicht mehr und nicht weniger als Gerechtigkeit in der Entlohnung aller Mitarbeiter eines Unternehmens bedeuten.
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Die Sekretärin im Hedge-Fonds würde dann Millionen verdienen. Die in der Druckerei nicht. Ich bezweifle, dass das als gerecht empfunden würde, was ja das Ziel der Sache wäre.
In manchen Branchen machen die Lohnkosten einen Löwenanteil aus, in anderen nicht. In jeder Branche gibt es einen ganz unterschiedlichen Mix an Berufsgruppen.
Ich kann jetzt so spontan kein Beispiel konstruieren, aber die Intuition sagt mir, dass sich so eine Lohnspreizungs-Regel auf die Kostenstrukturen unterschiedlicher Branchen unterschiedlich verzerrend auswirkt. Und das führt halt üblicherweise zu Mangel oder Überangebot und regt dazu an, die Regulierung illegal zu unterlaufen.
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Eine Welt wie von Tom geschildert verzichtet ja nicht auf Innovationen, sondern einfach auf verschwenderischen Umgang mit Ressourcen.
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Die Frage ist, was als verschwenderischer Umgang mit Ressourcen gilt. Das Mobiltelefon war jahrzehntelang der Inbegriff für nutzlosen, verschwenderischen Luxus der Reichen. Als das Proletariat und die Zuwanderer noch vor dem linken Bildungsbürgertum sich ein Handy zulegten, wurde es von diesem gemeinsam mit Bildzeitung, McDonalds und DJ Ötzi als klassisch fremdgesteuerter, nutzloser, geschmackloser Konsumwahn interpretiert.
Ich glaube nicht, dass ein Nützlichkeits-Komitee oder die Meinung von Konsumkritikern uns vorhersagen kann, was sich langfristig als allgemein nützlich erweist.
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Diese “linke” Armutsdefinition ist EU-Definition. Mir wäre da jetzt die sozialistische Dominanz entgangen, die in Europa das Sagen hat.
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Die Armutsdefinition ist jedenfalls links, weil sie Gleichmacherei zum Ziel erhebt.
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Solche Dinge würden bei Kostenwahrheit ganz von selbst neu geregelt. Wenn einerseits gerechte Löhne bezahlt (Regulierung),
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Ich nehme an, du meinst damit die Löhne in China. Dort steigen die Löhne sowieso. Tw. auch aufgrund erfolgreicher Kampagnen im Westen.
Aber der Teufel, was Regulierung angeht, steckt wie beim Geschirrspüler im Detail.
Die Gehälter sind dort niedriger, weil die dortigen Arbeiter unproduktiver sind. Damit ist nicht gemeint, dass sie nicht fleißig sind und hart arbeiten. Aber gemeinsam mit dem dortigen Kapital, der Infrastruktur, Ausbildung und dem institutionellen Wissen produzieren sie halt in gleicher Zeit Waren mit nur geringerem Wert.
Wenn du die Arbeit voreilig und künstlich verteuerst, dann greift der Konsument zu einem anderen von Millionen Produkten, oder kauft gar nicht. Man kann ihn nicht zum Konsum zwingen, also müsste man westliche Produkte verteuern, also eigentlich Produktivität bestrafen. Das wäre langfristig keine gute Idee.
Ohne das Profit-Motiv durch niedrige Löhne gibt es auch keine Motivation, sich überhaupt in China anzusiedeln. Wie soll entschieden werden, ob dort eine Produktion von Zahnbürsten oder von Feuerzeugen aufgebaut werden soll? Bevor man die schlechten Bedingungen und Löhne in einem Betrieb beklagen kann, muss dieser Betrieb zuerst einmal aufgebaut werden.
Dieser soziale Globalisierungssprung, der von ATTAC und anderen propagiert wird, leidet, wie die Cultural Flatrate, an Unterspezifikation und – so wie es mir scheint – am altbekannten Rechnungsproblem des Sozialismus.
Die Armutsdefinition ist jedenfalls links, weil sie Gleichmacherei zum Ziel erhebt.
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Die Armutsdefinition erhebt überhaupt kein Ziel. Sie definiert Armut in Relation zum gängigen Vermögen.
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Die Gehälter sind dort niedriger, weil die dortigen Arbeiter unproduktiver sind.
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Schnöde Theorie. Die Löhne sind hier um ein vielfaches dessen höher, was der Produktivitätsunterschied zu Entwicklungsländern rechtfertigen würde. Die Löhne sind dort deshalb niedriger, weil die Betriebe aus einem Heer von Armen und Arbeitslosen wählen können, das weit unter Wert arbeitet – unter Bedingungen die mit unseren Umwelt- oder Arbeitsstandards nichts zu tun haben. Kurz: Weil die Marktregulierung nicht gleichwertig ist.
Die Gewinnspanne die ein Unternehmen zwischen dem Absatz auf unserem Markt und den Produktionskosten in armen Ländern generiert, ist fernab von jeder ethischen oder betriebswirtschaftlich notwendigen Relation.
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Wenn du die Arbeit voreilig und künstlich verteuerst, dann greift der Konsument zu einem anderen von Millionen Produkten, oder kauft gar nicht. Man kann ihn nicht zum Konsum zwingen, also müsste man westliche Produkte verteuern, also eigentlich Produktivität bestrafen.
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Wieso sollte man das müssen? Der Konsument wählt das Produkt mit dem besten Preis-Leistungsvermögen. In der Preisfrage gilt es ALLE Kosten transparent zu machen.
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Ohne das Profit-Motiv durch niedrige Löhne gibt es auch keine Motivation, sich überhaupt in China anzusiedeln. Wie soll entschieden werden, ob dort eine Produktion von Zahnbürsten oder von Feuerzeugen aufgebaut werden soll?
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Die Angleichung findet natürlich weder über Nacht, noch überall gleichzeitig, noch ohne Rückkoppelungsffekt statt. Das wären allesamt keine realistischern Annahmen. Ob man rentabel und fair ein Unternehmen führen kann, muss der Unternehmer entscheiden.
In China gibt es Reallohn-Zuwächse und Produktivitätssteigerungen im zweistelligen Prozent-Bereich. Die Globalisierung scheint, entgegen der ATTAC-Sicht, hervorragend zu verlaufen.
Aber du willst offenbar unbedingt mit Gewalt einen großen Sprung nach vorne erzwingen.
Wer ist das politische Subjekt, das deine Wunschträume frei von Lobbyismus, ideologischer Verblendung und Eigennutz umsetzen soll? Die Weltbank? Die UNO? Und die beschließen dann für jede Region in Pakistan und Bangladesh und jede Produktkategorie und Branche, wie genau die korrekte und „faire“ Lohnhöhe aussehen muss?
Und was machst du mit all den Konsumenten, Unternehmern, Zwischenhändlern und Arbeitern, die dein System alle aus Eigennutz unterlaufen wollen?
Was ist mit Konsumenten aus der dritten Welt? Dürfen die auch keine Produkte zu Marktpreisen kaufen?
@dieter
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Konsumsteuern sind regressiv. Damit wirst du die Reichen nicht schröpfen können.
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Das stimmt. Darum kamen die zwei Bedingungen, die du in deinem Zitat leider nicht mehr angeführt hast. Führt man nämlich zu einer hohen Konsumsteuer auch noch ein bedingungsloses Grundeinkommen ein, so wird das Gesamtsystem einwandfrei progressiv und zwar Progressiv hinsichtlich des Konsums:
Ein kleines Beispiel:
Mit einem BGE von 500€ und einer Konsumsteuer von 25% (des Brutto preises – entspricht nach den gängigen Angaben 33%)
1. 1100€ + 500€ BGE können Waren im Nettowert von 1200€ kaufen -> derjenige erhält Netto 200€ – entsprechend -18.2% Steuern
2. 1900€ + 500€ BGE können Waren im Nettowert von 1800€ kaufen -> derjenige zahlt Netto 100€ – entsprechend 5.3% Steuern
3. 39.900€ + 500€ BGE können Waren im Nettowert von 30.300€ kaufen -> derjenige zahlt Netto 9.600€ – entsprechend 24.1%
Oder als Formel: effektiver Steuersatz = 1-(1 + Grundeinkommen/Ausgaben)*(1-Konsumsteuersatz)
In Verbindung mit einer Vermögenssteuer ist folgendes garantiert:
* Jemand mit einem größeren Einkommen zahlt prozentuell mehr Abgaben
* Mit einem größeren Einkommen, kann man sich mehr Leisten. Jeder € mehr Brutto-Einkommen heißt mehr Kaufkraft.
Oder mit anderen Worten: eine FlatTax zusammen mit einem fixen Freibetrag ist automatisch progressiv.
Sorry kleiner Rechenfehler bei 1.:
derjenige erhält Netto nur 100€ und zahlt entsprechend -9.1% Steuern
Eine nette Diskussion und ein lieblicher Meinungsaustausch über Verbaldefinitionen einzelner Begriffe auf der Suche nach einem Idealzustand der Verteilungsgerechtigkeit.
Eines wurde jedoch bei dieser Debatte völlig außer Acht gelassen:
Wozu brauchen wir überhaupt diese vielen neuen Steuern, wozu wollen wir den Unternehmern und Vermögenden das Geld abnehmen?
Natürlich, um Staatsausgaben zu finanzieren.
Als nur Beispiele von Staatsausgaben wie
Eurofighter
Nettozahlungen an die EU
Finanzierung der kleinen Kriege, bei denen wir Helferlein sind
Geschenke in Milliardenhöhe an Betrüger und Staatsbilanzfälscher
Entlohnung der Staatsbediensteten
Entlohnung der Politiker, die genau wie CEO´s ihr Gehalt selbst bestimmen und erhöhen – hab noch nie eine Senkung gesehen!
Die größte Schere zwischen Leistung und Gehalt liegt wohl bei dieser Truppe !
So stellt sich automatisch die Frage: Brauchen wir denn überhaupt all diese Staatsausgaben????????????????????????????????????????????????
@Ceteris Paribus
Wozu die neuen Steuern? Weil die alten zu einem guten Teil total absurde Lenkungseffekte haben und deswegen am besten gänzlich abgeschafft gehören. Von insgesamt mehr Einnahmen für den Staat hab zumindest ich nie geschrieben.
Zumindest zwischen den offiziellen Gehältern der Spitzen-Politiker und -CEOs liegen übrigens noch Dimensionen – was es natürlich nicht viel besser macht.