Unsere Sprachdebatte wird natürlich auch anderswo geführt. Zum Beispiel in England. Tim Radford hat da im Guardian 25 Gebote für JournalistInnen aufgelistet. Sie sind nicht neu, Radford hat sie für ein kleineres Publikum schon vor 15 Jahren verfasst. Er begründet sie genauso gut verständlich, wie er es von anderen fordert: „Ich fragte mich, was man beim Schreiben einer Story nie vergessen darf. Die Antwort war laut und deutlich: Dass sie jemand lesen soll.“ Die Gebote kann sich jeder kurz durchlesen, der Texte schreibt. Vor allem für Punkt 20 hätte ich den Mann gern umarmt.
20. English is better than Latin. You don’t exterminate, you kill. You don’t salivate, you drool. You don’t conflagrate, you burn. Moses did not say to Pharaoh: „The consequence of non-release of one particular subject ethnic population could result ultimately in some kind of algal manifestation in the main river basin, with unforeseen outcomes for flora and fauna, not excluding consumer services.“ He said „the waters which are in the river … shall be turned to blood, and the fish that is in the river shall die, and the river shall stink.“
3 Antworten auf „Manifest der einfachen Sprache – 25 Gebote für JournalistInnen“
Ich muss mich an dieser Stelle selbst ermahnen.
Manchmal versucht man einfach Pseudo-Intellektualität durch exklusive Wortwahl zu untermauern. Davon hat, außer dem eigenen Ego, nun wirklich niemand etwas.
Ob man fürs eigene Ego oder gesellschaftlichen Mehrwert schreibt, muss dann jeder für sich selbst entscheiden. Ich gelobe Besserung.
Das ist andererseits auch ein kultureller Unterschied zwischen den englischsprachigen und den deutschsprachigen Ländern. So hat der Spiegel 2006 in seinem Heft „Die Verlotterung der Sprache“ darüber gejammert, dass der durchschnittliche Satz in Zeitungen nur noch 5 bis 13 Worte hat (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-49067625.html).
(siehe http://usaerklaert.wordpress.com/2006/10/08/plain-english-fur-komplizierte-deutsche/)
Eine sehr interessante kulturelle Beobachtung bei USAerklärt. Doch mir scheint, da wird eine pseudo-intellektuelle Sturheit zur Kultur erklärt.
Unsere Gehirne funktionieren alle gleich. Aufgeblasene oder komplizierte Sätze und wenig verbreitete Synonyme und Fremdworte tragen überall auf der Welt zur Verwirrung bei. Das ist meist ein Zeichen dafür, dass ein Autor sich nicht um allgemeine Verständlichkeit kümmert – sie vielleicht sogar verhindern möchte, um belesener zu wirken.
Besonders wenn wir nicht über literarische Spiele, sondern über Informationsvermittlung in Alltag, Wissenschaft und Medien sprechen, muss die Klarheit auch im Deutschen oberstes Ziel der Texter sein.