Kategorien
Blog

Über meine und andere Generationen sprechen (mit ein bisschen Wut)

Ich hab die Schnauze seit 10 Jahren voll. Seit der Veröffentlichung der ersten beiden PISA-Studien um genau zu sein. Da ging es gefühlt damit los, dass meine Generation kaputt geschrieben wird. Und was man da nicht immer alles hört: Zuviel Party, zuwenig interessiert, zuwenig aufmüpfig, orientierungslos, unpolitisch, zuviel rauchen, zuviel saufen (Na geh! Und das in einem Land das nicht ganz ohne Stolz bei Bier und Kaffee zu den Topp-Konsumländern gehört!). Es kommen jetzt einige Dinge dazu, die im Magazin der Süddeutschen Zeitung von Meredith Haaf angeprangert wurden (und vom Blumenau aufgegriffen und bekräftigt): Kommunikationssüchtig, konfliktvermeidend, praktikumsliebend und ohne Subkultur sollen wir sein. Mein Lieblingsvorwurf: „Wir lieben unser geistig gestörtes Körperbild“. Ahja. Es ist genug des Unsinns. Sprechen wir mal ernsthaft über meine Generation.

People try to put us down

Wer ist denn eigentlich diese Generation? Die Generation Krise, Generation Playstation, Generation Praktikum, Generation Komasäufer oder Generation Internet – wie auch immer sie irgendjemand gerade bezeichnen will. Sind es die Krocha, die sich in den Discos die Seele vom Leib shaken? Oder doch eher die Emos, die das ganze Gewicht der Welt auf ihren Schultern tragen? Die Metaller, die sich freundschaftlich am Wacken anbrüllen? Sind es die Skater, die eifrig ihre Tricks lernen? Die kriminalisierten Kiffer, die auf Festivals friedlich die Sau rauslassen? Die Computerspieler, die auf LAN-Parties den Wettkampf suchen? Die vielen Leute die in Wirklichkeit von allem ein bisschen was machen? Bin es ich? Seit jeher politikinteressiert, gut in Werte verwurzelt und als älterer Bruder gewohnt sich Rechte zu erarbeiten und einer der „Kommunikationssüchtler“?

Keine Subkultur sollen wir haben? Ihr Ahnungslosen! Unzählige haben wir.

Diese seit langem beobachtbare Differenzierung der Gesellschaft ist auch ein Grund, warum der große Generationenkonflikt fehlt. Es gab schon vor uns bei weitem keine homogene Generation die einen einfachen Gegner abgeben würde. Wir mögen unsere Eltern und Großeltern und dürfen das auch, weil sie keine verkappten Faschisten mehr sind. Natürlich gibt es vieles, wogegen wir uns kollektiv erheben könnten, doch das zu benennen ist gar nicht so einfach.

Just because we get around

Was ist denn „meine Generation“? Wir sind – ob es nun alle wissen oder nicht – Kinder der Globalisierung, aber wir dürfen sie noch nicht gestalten, weil Alte an den Hebeln und Geldhähnen sitzen. Das Weltbürgertum ist für uns so normal wie das „Friedensprojekt Europa“ – wir können es gar nicht mehr wirklich wegdenken. Die Frauengleichberechtigung müssen wir nicht erarbeiten, sie ist unsere Realität. Die Benachteiligung und geistige Herabwürdigung findet bei den Alten statt.

Nie zuvor haben sich so viele junge Leute der Sozial- und Geisteswissenschaften zugetan um unsere Welt zu verstehen. Auch wenn die Idioten die PISA nicht lesen können meinen, wir wären dumm, so war nie zuvor eine Generation so gebildet. Der überlieferte Wohlstand kommt uns dafür zugute, das Potential das daraus entsteht muss sich jedoch erst entfalten. Aber das sind Zeichen, die jene nicht sehen, die lieber erklären, wie verloren wir sind.

Selektive Wahrnehmg kann man das nennen. Oder Fixierung.

Things they do look awful cold

Ja, unsere Umstände sind keine guten. Von den alten Generationen werden wir kaputtgeschrieben und -gesendet. Sie beherrschen ja auch die große gesellschaftliche Kommunikation, die wir mit unserer „Kommunikationssucht“ Stück für Stück untergraben. Auch das ist Normalität für uns: Die Kommunikations- und Informationsgesellschaft. Blogs (längst nicht am Zenit ihrer Möglichkeiten angelangt) sind unsere Leistung, während die anderen noch das Zeitungssterben betrauern und die Wertigkeit eines Werkes am Papier festmachen auf dem es gedruckt sein soll.

Ein Beispiel? Im sicheren Schoß großer Medien oder einer abgeschlossenen Karriere sitzen Leute, die immer wieder über junge JournalistInnen lästern, denen angeblich Qualitäten und Kompetenzen abgehen. (Die früher wohl jeder hatte. Schaut nur welch blühende Medienwelt diese Genies hier geschaffen haben!) Sicher ist die Kritik nicht ganz unberechtigt, aber in der Pauschalität einfach ungerecht. Auch in unserer Generation gibt es Flaschen. Auch in unserer Generation gibt es talentierte, kompetente JournalistInnen. Bloß: Eine Anneliese Rohrer (so sehr ich ihre Kommentare sonst oft schätze) hat sich noch nie mit Alfred Dorfer ins TV gesetzt und über die Talente geschwärmt, wohl aber pauschal die unkritischen FH-Studienabgänger beklagt.

Und unsere Welt sonst? Die Wirtschaft hinterlässt man uns in Scherben, das Klima zerstört, während die Ressourcen am Rand ihrer Kapazität sind. Die Gesellschaft haben die alten Generationen zur Ellbogenarena gemacht, in der die Menschen gegeneinander so aufgehetzt sind, dass sie den Wert eines gewissen Maßes an Kollektivität und der Solidarität erst wieder entdecken müssen. Die Wikipedia an sich weist auf die Bedeutung dieser Werte hin. Sie ist übrigens vor allem unsere beispiellose Leistung – die der kritisierten Generation.

Diese Alten, für die wir noch bezahlen müssen, was wir selbst angeblich nicht mehr bekommen sollen: Soziale Netze, staatliche Pensionen, sichere Arbeitsplätze. Wir flüchten in Praktika um keine Verantwortung übernehmen zu müssen? Glaubt ihr, un- oder schlecht bezahlte Arbeit suchen wir uns aus, weil das so toll ist? Wir jagen durch die Studien, die uns die Alten kaputtgespart haben und nebenher sammeln wir Berufserfahrung, weil du ohne Eifer und Berufserfahrung mit 25 der Legende nach fast schon unvermittelbar bist.

Es stimmt schon. Viele sind nicht sicher, was genau sie in der Welt machen wollen. Logisch, denn nichts erscheint sicher und nachhaltig, alles austauschbar. Wir wissen, dass wir uns wohl mehrmals im Leben umstellen werden müssen. Flüchten wir vor der Verantwortung, wie die Süddeutsche sagt, oder wir freunden uns mit dem an, was uns unweigerlich erwartet und machen für uns das Beste daraus?

I hope I die before I get old

Und was haben die Alten gemacht, dass es ihnen erlaubt darüber zu urteilen? Was ist schon eure Leistung? Uns Junge – so unterschiedlich wir sein mögen – wird eines einen müssen: Wir sind die Generation der Feuerwehrleute, die eure eingebrockte Suppe auslöffeln wird. Und es ist nicht sicher, ob wir viel dafür bekommen.

Aber anders gehts nicht, sonst geht die Welt zugrunde – weils die anderen wider besseren Wissens verschissen haben. Unser Credo ist vorgeschrieben: verzichten und umdenken. Wir können es uns wohl nicht aussuchen. Wer kann verlangen, dass wir von heute auf morgen all das ändern können, was angeblich normal und vorprogrammiert ist? In diesem Klima aus Angst und freudloser Perspektive muss erstmal jemand die Hoffnung aufbringen, um etwas besser machen zu wollen. Und doch: Wir werden das schon schaukeln. Und wenn ihr uns noch so oft runterputzt.

Eine Ideologie kann uns dabei (noch?) nicht einen, denn politisch hat uns die herrschende Generation aufgegeben, die noch einen ideologischen Kampf kannte. Niemand macht uns ein attraktives Angebot oder zeigt uns eine Vision. Selbst unsere Grünen, die mit uns erwachsen wurden, sprechen im Moment nicht mit uns sondern lieber über sich. Und der mächtige aber ideenlose Geriatriehaufen – der Sozialdemokratie, Konservative und Neoliberale mittlerweile geworden sind – der ist nicht einmal einen Lacher wert. Dem schließen sich überhaupt nur noch jene an, die sich davon persönliche Vorteile erhoffen.

All das ist so hoffnungslos verloren, dass eine kritische Auseinandersetzung sich salopp gesagt nicht wirklich auszahlt. Das landet alles im Mülleimer des Universums, wird ganz zwangsläufig überworfen werden. Und gegen diese geballte Ignoranz und Arroganz Widerstand zu leisten und sich das Angebot selbst schaffen – eine eigene Ideologie oder Vision – das dauert ein bisschen.Auch die 68er-Bewegungen (das große Beispiel einer angeblich ganzen Generation die sich ur was getraut hat) entstanden nicht über Nacht. RSS-Feed

Aber es wird schon. Die Piratenpartei ist der Vorbote eines neuen jungen Selbstbewusstseins. Sie hat kein komplettes Programm und bietet noch keine echte Alternative. Aber sie verkörpert neue Ideen, ein neues Selbstverständnis und ist die erste Partei, die unsere Lebenswelt verteidigt und propagiert. Gegen wen? Gegen die verkrusteten Alten, die diese unsere Realität verklagen, wann immer sie können.

Sie versagen als Generation einmal mehr auf unsere Kosten.

Von Tom Schaffer

ist Journalist, studiert Politikwissenschaft in Wien und ist der Gründer von zurPolitik.com, ballverliebt.eu und rebell.at.

62 Antworten auf „Über meine und andere Generationen sprechen (mit ein bisschen Wut)“

Gut gebrüllt! Gut geschrieben! Gut formuliert!

Inhaltlich bin ich zwar nicht voll d’accord, weil ich dieses „Kaputtreden“ der Jungen nicht wirklich erlebe. Aber vielleicht lese ich einfach zu wenig. In der gelebten Umwelt fühle ich davon jedenfalls nichts – eine manchmal sehr direkt agierende Vaterfigur mal ausgenommen; aber der war schon immer so, nicht erst seit 10 Jahren. 😉

Ich kenne diese Empfindungen gut, ich arbeite auch in der Medienbranche und hab alle Arten von besserwisserischen Platzhirschen und atypischen Arbeitsverhältnissen kennengelernt. Ich will ein überstrapaziertes Zitat noch weiter überstrapazieren:

„Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.“

Sagte halt schon Aristoteles. Die Älteren verstehen die jüngeren nicht und kritisieren haltlos, die Jüngeren begehren auf. Die Protagonisten rücken irgendwann einfach nach. Der Konflikt ist unsterblich.

@linzerschnitte: Wobei mir dieses Misstrauen im persönlichen Kontakt in der Branche nicht untergekommen ist. Da hab ich wohl Glück mit den Leuten, mit denen ich zu tun habe. Sowas begegnet mir eher in der öffentlichen Debatte. (Und das zieht sich von allgemein über den Journalismus hin zum Fußball – auf die Jugend dreschen viele gerne hin)

Mir ist das Mißtrauen einige Male auf der Uni untergekommen, aber auch immer pauschal. Und da eben öfter von sogenannten „Praktikern“. Lustigerweise hab ich im Berufsleben des öfteren auch eine Art der Gegenposition erlebt, nach dem Motto: „Du bist so jung und hast schon so viel gemacht, beeindruckend.“ Seit ich die 30 überschritten habe, ertappe ich mich aber selbst hin und wieder dabei, dass ich mich über die nachfolgende Generation wundern muss – und dann muss ich mich manchmal schon zurücknehmen, um nicht die Verhaltensmuster anzunehmen, die ich vor zwei bis fünf Jahren noch auf’s Schärfste verurteilt habe….:)

Ich habe noch nie eine so treffende und erfrischende Analyse der „heutigen Jugend“ gelesen. Für meinen Teil werde ich dafür sorgen, dass diesen Artikel viele Menschen aus meinem Netzwerk lesen.
Ich habe mir erlaubt, zurPolitik.com in meine Blogroll aufzunehmen.

Ich hab den Text nicht gelesen, geb ich zu. Weil ich wahrscheinlich dann selbst wütend bin und ich sollte heute noch produktiv sein. 😉

Aber ein kleines Zitat möchte ich hier anbringen:

Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul. Sie wird niemals so sein, wie die Jugend vorher, und es wird ihr niemals gelingen, unsere Kultur zu erhalten.

Geschrieben auf einer babylonischen Tontafel, deren Alter auf mindestens 3000 Jahre geschätzt wird.

Der Generationskonflikt ist eine uralte Sache. Aber der Grund dafür ist ebenso kompliziert, wie dessen Auflösung.

Trotzdem danke für den Artikel! Chapeau

Nur Lob hier. Ist ja zum Einschlafen. Meredith Haafs Beobachtung über ihre Generation trifft in punkto „I like“ Affirmationstendenz also zu. 😉

“Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.”
Sagte halt schon Aristoteles.

Und dann ging die griechische Kultur auch tatsächlich unter. 😉

Aber das stimmt schon. Die neue Generation wird nicht mehr kritisiert als jede andere. Die verkommene Generation Extasy ist halt jetzt >30, hat sich zur Ruhe gesetzt und lästert heute gegen die Komasäufer. In Wahrheit gab es schon vor 20 Jahren beides.

Jugendliche Subkulturen sind ein Wohlstandsphänomen. Es gab schon früher mehrere parallele solche, nur ist jede Generation einen neue hinzugekommen, die dann nachträglich als stellvertretend dargestellt wurde. In den letzten 10-15 Jahren ist da nichts wirklich neues aufgetaucht. Insofern hat Meredith Haaf recht. Das ermöglicht Martin Blumenau und anderen auch die ewige Berufsjugendlichkeit. Nichts, was heute an Musik produziert wird, klingt noch befremdlich und neu.

Vielleicht ist der menschliche Erfindungsgeist in kulturellen Fragen einfach ausgeschöpft. Ich sehe das aber nicht als ein Manko an.

Genauso wie Meredith Haaf definierst du, Tom, aber dein eigenes Umfeld als repräsentativ. Blogs und Facebook können als Definitionsmerkmal sowieso nicht dienen, da diese Kulturtechniken auch von älteren beherrscht werden. Die Blogger, die ich zum informieren lese, sind meist 30-55 und haben auch was zu sagen.

Speziell Meredith Haafs These 8 stimme ich sehr zu. Die Grünen sind noch als dialektische Alternative zu Sozialismus (inkl. Realsozialismus) und Konservatismus entstanden, in denen sie sozialisiert wurden. Ein Christoph Chorherr hat damals sogar noch freiwillig seinen Dienst beim Heer verlängert. Sowas findet man nur mehr in der Biographie von Silberrücken. Heute fehlt vielen Jungen meiner Meinung nach eine über die eigene (FM4-)Subkultur hinausgehender Erfahrunghintergrund.
Das ist übrigens auch der Grund, warum Liedtexte in den vergangenen Jahrzehnten an Wirklichkeitsbezug eingebüßt haben. Aber das ist ein anderes Thema.

Die vielen heutigen Sowis würde ich nicht gerade als Ruhmesblatt einer Generation verkaufen. Die ursprünglichen postmodernistischen Sowis (Frankfurter Schule) waren noch eine kritische Gegenbewegung zu konservativen Gesellschaftsbewahrern und -forschern. Heute gibt es nur mehr Gesellschaftsleugner, -gegner und -aktivisten. Der Postmodernismus ist öde Orthodoxie geworden, die viel zu wenig kritisiert wird.

Der Eindruck der wirtschaftlichen Perspektivlosigkeit ist etwas, was eher angehende Akademiker betrifft, die den Schmäh von der Wissensgesellschaft geglaubt haben in der nur mehr Kopfarbeit gefragt sein würde. Das wird immer noch notorisch als Weisheit letzter Schluss verbreitet wird: Beispiel von APA via Die Presse. Wirtschaftskompetenz wird leider immer noch von der Generation Yuppie definiert, die BWL und VWL nicht unterscheiden können und Nationalökonomie als Kampf gegen Wettbewerber verstehen.

In Wahrheit bilden jene Jobs die Zukunft, die nicht einfach mechanisiert oder optimiert werden können. VoxEu hat dazu einen hervorragenden Beitrag: This job is ‘getting old’
Der Prozess des Ersetzens von Fabrikarbeitern durch Maschinen ist schon lange praktisch abgeschlossen. Seit Computer verstärkt eingesetzt werden, verschwinden hingegen viele Bürojobs, bzw. werden alt. Neu eingestellt wird nicht. Das mittlere Management wird beispielsweise sukkzessive durch E-Mail ersetzt. Bankangestellte im Zeitalter von Internet-Banking? Sachbearbeiter im Zeitalter von Datenbanken? usw.
Das Phänomen ist aber schwer zu erkennen, da die Jobs nicht ganz verschwinden, aber heute halt ein Buchhalter (tw. outgesourced) mit Software-Unterstützung die Arbeit eines Teams schafft.

Übrig bleiben langfristig laut David Autor manuelle Tätigkeiten in unspezifizierter Umgebung (Installateur), wo man also Roboter nicht einsetzen kann, alles mit Kundenkontakt (Friseuse, Anwalt, Arzt) und hochkreative Jobs für Begabte.

Die Generation Praktikum ist da nur der Anfang aber die gefühlte wirtschaftliche Unsicherheit wird nicht von jenen geteilt, die auf die richtige Karte bei der Berufswahl gesetzt haben. Die Sache wird von der Medienwelt wohl hochgeschrieben, weil das Milieu, in dem sich Journalisten bewegen, betroffen ist.

Vortrefflich kommentiert!

Bei der Frage nach der Leistung der Alten dachte ich sofort an die Phrase „wir haben das Land aufgebaut nach dem Krieg!“

Das ist schon so indoktriniert, dass man sich gar nicht fragen traut, wer das denn verschuldet hat etc..

Danke für den Beitrag, erhellt mir den Morgen!

schön auf den punkt gebracht.

und das rohrer-gespräch ist in vielerlei hinsicht etwas sonderlich. es fehle das engagement, um gegen vorherrschende machenschaften aufzutreten – bloß, die die mithilfe neuer kommunikationswege widerstand leisten, werden bewusst kleingeschwiegen.

die klassischen medien werden (noch) vom geriatriehaufen dominiert, die neuen(darunter blogs) werden vielfach nicht ernst genommen. ich wage zu behaupten: die offene und öffentliche kritikfähigkeit ist so ausgeprägt wie noch nie. unter anderem weil sie niemandem mehr vorbehalten ist.

ein gewisser umgang mit diesen neuen formen der partizipation muss jedoch erst einmal gelernt sein – und das passiert viel zu wenig und viel zu schleppend. nur nicht aufgrund von fehlendem engagement, sondern weil die ältere generation um jeden preis dagegen ankämpft.

Wie sagen Stermann und Grissemann in verschiedenen Sketchen? „Oma und Opa, das ist die wahre ’no future‘-Generation!“

Danke für diesen tollen Beitrag! Sicherlich einer der besten, die es je auf zurpolitik.com gegeben hat. 🙂

Das Auf-die-Unter-30-jährigen Bashing ist leider ein altbekanntes Phänomen, das gibt es schon, wie einige hier darauf hingewiesen haben, seit mehreren tausend Jahren. Schmerzlich ist für mich als Historiker, dass die älteren Generationen inzwischen noch immer nicht die Sinnlosigkeiet dieser Chuzpe begriffen haben. Offensichtlich dient das Bashing dazu, die eigene Generation zu verherrlichen und auf ein Podest zu manövrieren, um vielleicht einen psychologischen Erklärungsansatz anzuführen.

Als Student, der sich nun in den Masterstudien befindet, habe ich auch besonders die Bildungsfeindlichkeit älterer Generationen erlebt. Die Angst vor der Jugend, die aufgrund der Möglichkeiten der Informationstechnologie mehr weiß und vor allem hervorragend recherchieren kann, muss schon sehr groß sein.

Was musste ich zT für Sprüche über meine Bücherlust und meine Studienwahl einstecken? Da wirst du Taxifahrer, mit diesem Studium, haben mir einige Leute gesagt. Damit denkst du zuviel nach und wirst deppert. Lern wos gscheits wie wir früher. Eine Lehre, oder so ähnlich. Nun habe ich heuer meinen ersten Werkvertrag an der Uni bekommen, und zwar auf einer geisteswissenschaftlichen Fakultät, die ja nur Arbeitslose produzieren würde.

Und etwas süffisantes: Ich habe bisher kein einziges Praktikum absolviert, und mich ausnutzen lassen. Nichts da von Generation Praktikum.

Ich befürchte wirklich, das Problem des Jugend-Bashings wird sich nie verflüchtigen, auch wenn wir hier eine sehr gute Debatte führen. Damit müssen wir wohl leben.

Und jetzt mal etwas schärfere Kritik. Du hast nämlich nicht nur deine Generation gegen die zeitlose Werteverfallskritik verteidigt, sondern die Errungenschaften deiner Vorfahren geleugnet und lediglich als Suppe dargestellt, die es auszulöffen gälte.

Da hole ich als jemand, der dazwischen steht nun zur Verteidigung aus. Die letzte Generation hat die größte und langwährendste Menschheitsplage aller Zeiten, die Pocken ausgerottet. Ärzte haben jeden hintersten Winkel Indiens und Afrikas durchkämmt um dieser grausamen Geißel der Menschheit den Gar auszumachen.

Hunderte Millionen haben gegen den Kommunismus aufbegehrt und sich mutig die Freiheit erkämpft. Auch die faschistischen Militärdiktaturen in Lateinamerika, Spanien, Portugal, Griechenland wurden abmontiert. Die Europäer haben die Grenzen aufgestoßen. Die Erfindung der Containerschifffahrt und die Globalisierung haben der Marktwirtschaft zum Durchbruch verholfen und so Milliarden aus bitterer Armut gehievt und hunderte Millionen sogar in den Mittelstand aufsteigen lassen.

FCKWs wurden verboten und ersetzt und somit ein reales, kurzfristiges Weltuntergangszenario abgewendet. Zudem wurden Gewässer, Giftmülldeponien und die Luft von der mit freiem Auge sichtbaren und unmittelbar krank machenden Umweltverschmutzung gereinigt, die das Bild industrialisierter Regionen seit über hundert Jahren geprägt hatten.

Internet, Computerchips, Betriebssysteme, Mobiltelefonie, die Technologie auf deren Utilisierung die Generation <30 so stolz ist, wurde von ihr weder erfunden noch komerzialisiert.

In Österreich wurde das einengende Zweiparteien-Proporzsystem, absurde Preiskontrollen und dergleichen abgeschafft und endlich privates Fernsehen und Radio erlaubt.

Die Probleme der heutigen Zeit muss man erst mal haben. Da hätte jede frühere Generation gerne getauscht.

Niemand hat Errungenschaften älterer Generationen geleugnet. Die Jugend muss nun einmal in der Welt zurechtkommen, die von den Älteren geformt wurde – im Guten wie im Schlechten. Das kann man nicht einfach ausblenden, wie Haaf, wenn man „die Jugend“ kritisiert.

Markus, da hast du vollkommen recht, aber was Dieter ausdrücken wollte, ist die Tatsache, dass auch wir und jede vorherige Generation die Suppe auslöffeln musste. Und wenn ich mir meine Suppe mit kaltem Krieg und noch anderen Dingen, die Dieter eh schon ausgeführt hat mit den Problemen der heutigen Jugend tauschen könnte, wäre ich zumindest in Versuchung. Noch mehr in Versuchung käme ich aber, wenn ich mit meinen Brüdern tauschen könnte, die allesamt im bzw kurz nach dem WK2 zur Welt kamen.Es ist heute vieles Selbstverständlich, wofür wir sozusagen als „Zwischengeneration“ noch kämpfen mussten, und man hat das Gefühl, nur mehr von „Suderanten“ umgeben zu sein, denen die Annehmlichkeiten des Lebens eine ungeheure Fadesse bringen.

Ich finde den Artikel sehr gut, vor allem den Ansatz, sozusagen eine Art Brücke zu schlagen, aufzustehen, und etwas über sich zu sagen, zu erklären. Ich bin jetzt 47 und es war schon seit 25 Jahren abzusehen, dass wir keine Pension mehr bekommen wie noch die Pensionisten zur Zeit Kreiskys, höchstwahrscheinlich gar keine. Ihr seid also nicht die ersten, die vor derartigen Zukunftsszenarien stehen. Wir haben trotzdem geabreitet und unseren Obulus entrichtet, zähneknirschend, aber doch. Die Punks in den 80ern waren schon teilweise recht weise mit ihrem Slogan „No Future“, gebracht hats den meisten aber nichts, es haben nur diejenigen überlebt, die dann doch an ihre Zukunft geglaubt haben. Genauso ergings aber auch den 68ern, die euch heute als Anwälte verklagen oder als Ärzte aufschneiden.

Und wie gesagt, die neuen Medien ändern sehr viel in nächster Zeit, davon bin ich überzeugt, aber den Nährboden für diese neuen Medien hat MEINE Generation geschaffen, also löffelt diese Suppe gefälligst auch zum positiven aus! Weitermachen…

Tom, ich muss dir wirklich zu dieser Analyse gratulieren. Ich habe sie mir ausgedruckt und sogar laut vorgelesen und war einfach nur begeistert, wie passend und toll du deine Gedanken formuliertest.

Ich kann dir zu großen Teilen einfach nur kopfnickend zustimmen, auch wenn natürlich der Vorwurf des übertriebenen Pessimismus einfach kommen muss (vor allem von solch einem Optimisiten wie mir). Aber du kannst dir sicher sein, dass ich jedem Menschen, der wieder einmal über „unsere Generation“ zu schimpfen beginnt, diesen Text nahelegen werde.

So pessimistisch fand ich das gar nicht. Klingt vielleicht mehr danach als es gemeint ist. Aber schließlich bin ich ja zuversichtlich – sowohl für unsere Generation als auch die Lösung der Probleme die auf uns wartet.

Pessimistisch finde ich den Text auch nicht, noch nicht einmal besonders angriffig den älteren gegenüber. Ich, der ich mich angesprochen fühle, bin sogar sehr dankbar dafür, denke aber seit gestern über einen Text nach, der sozusagen konträr sein sollte, erst durch beide Blickwinkel kann es nämlich einen Diskurs und schlussendlich eventuell Verständnis geben.

@dieter

Der Eindruck der wirtschaftlichen
Perspektivlosigkeit ist etwas, was
eher angehende Akademiker betrifft,
die den Schmäh von der
Wissensgesellschaft geglaubt haben in
der nur mehr Kopfarbeit gefragt sein
würde.

Das kommt jetzt drauf an, was du darunter verstehst. Alles was Kreativität und Flexibilität benötigt, ist nicht ersetzbar. Das betrifft nicht nur Friseure, Bauarbeiter, Polizisten und Installateure, sondern auch Ärzte, Anwälte, Wissenschafter, Politiker und Journalisten, Programmierer und Ingenieure – Akademiker eben. Auch auf Autoren und Philosophen, Historiker und Soziologen, Psychologen und Entrepeneure aller Art wird die Gesellschaft nicht verzichten können.

Die Generation Praktikum ist da nur
der Anfang aber die gefühlte
wirtschaftliche Unsicherheit wird
nicht von jenen geteilt, die auf die
richtige Karte bei der Berufswahl
gesetzt haben. Die Sache wird von der
Medienwelt wohl hochgeschrieben, weil
das Milieu, in dem sich Journalisten
bewegen, betroffen ist.

Seh ich ganz anders. Journalisten werden gebraucht und werden immer gebraucht werden. Den Job des Vermittlers muss immer jemand machen. Es wird aber wahrscheinlich anspruchsvoller. Der Agenturmeldungs-Kopierer wird halt nicht mehr gebraucht, der Autor der recherchiert, aufdeckt und/oder erzählt, der mehr denn je. Dass hier von der Bedrohung einer Berufsgruppe ausgegangen wird ist nur ein Hinweis darauf, dass der Beruf oft antiquert als nüchterner Informationsverbreiter verstanden wird.

Was wir hier erleben ist eine Rationalisierung (es gab zu viele „Journalisten“ die zu wenig journalistische Arbeit gemacht haben) und Transformation des Umfelds (eher hin zur Ich-AG und zu kleinere Medien).

Die wirtschaftliche Unsicherheit betrifft im Moment so ziemlich alle, die nicht im öffentlichen Dienst stehen (und selbst die fürchten vielleicht den Staatsbankrott). Das bilden die Journalisten nicht ein. Das ist einerseits ein Auswuchs der Krise, andererseits aber auch Ergebnis tiefgreifender gesellschaftlicher Änderungen. Es wird freilich weniger Arbeit gebraucht werden.

Das kommt jetzt drauf an, was du darunter verstehst. Alles was Kreativität und Flexibilität benötigt, ist nicht ersetzbar. Das betrifft nicht nur Friseure, Bauarbeiter, Polizisten und Installateure, sondern auch Ärzte, Anwälte, Wissenschafter, Politiker und Journalisten, Programmierer und Ingenieure – Akademiker eben. Auch auf Autoren und Philosophen, Historiker und Soziologen, Psychologen und Entrepeneure aller Art wird die Gesellschaft nicht verzichten können.

Auch Programmierer werden laut David Autor bereits alt. Viele Ingenieure sicher auch, weil es einfach immer bessere Werkzeuge gibt (Programmbibliotheken, CAD, PCB-Sowftware), mit denen immer weniger Experten das gleiche schaffen.

Historiker, Soziologen wird es immer geben, genauso wie es auch immer Schuster und Bauern geben wird. (Bei den Psychologen gibt es, wie ich gehört habe, Übersättigung, einfach wegen dem hohen Angebot.)

Aber hier verstärkt das Internet das long tail Phänomen, genauso wie es die Schallplatte früher in Bezug auf Musiker tat. Der Markt für durchschnittliche Unterhaltungsmusiker ist stark geschrumpft, seit man sich Ausnamemusiker wie Caruso auf Schallplatte, selbst nach seinem Tod anhören kann.
Ein hervorragender Historiker, Ökonom, Soziologe erreicht durch das Internet einen viel größeren Zuhörerkreis, wodurch viele Durchschnittliche verschmäht werden.
Mal sehen, wie sich open courseware entwickelt. Ich habe mir so eine Physik-Vorlesung vom MIT und zwei VWL-Vorlesungen von Berkley und Yale reingezogen. Und ich bin nicht eingeschlafen.
Würde mich wundern, wenn sich die mittelalterliche Struktur der Universitäten halten kann. (Mit Professoren, die gleichzeitig lehren, prüfen und forschen)

Seh ich ganz anders. Journalisten werden gebraucht und werden immer gebraucht werden. Den Job des Vermittlers muss immer jemand machen. Es wird aber wahrscheinlich anspruchsvoller. Der Agenturmeldungs-Kopierer wird halt nicht mehr gebraucht, der Autor der recherchiert, aufdeckt und/oder erzählt, der mehr denn je. Dass hier von der Bedrohung einer Berufsgruppe ausgegangen wird ist nur ein Hinweis darauf, dass der Beruf oft antiquert als nüchterner Informationsverbreiter verstanden wird.
Was wir hier erleben ist eine Rationalisierung (es gab zu viele “Journalisten” die zu wenig journalistische Arbeit gemacht haben) und Transformation des Umfelds (eher hin zur Ich-AG und zu kleinere Medien).
Die wirtschaftliche Unsicherheit betrifft im Moment so ziemlich alle, die nicht im öffentlichen Dienst stehen (und selbst die fürchten vielleicht den Staatsbankrott). Das bilden die Journalisten nicht ein. Das ist einerseits ein Auswuchs der Krise, andererseits aber auch Ergebnis tiefgreifender gesellschaftlicher Änderungen. Es wird freilich weniger Arbeit gebraucht werden.

Ich meinte mit „Milieu, in dem sich Journalisten bewegen“ nicht unbedingt die Journalisten selbst, sondern auch ihren Bekanntenkreis. Ich erinnere mich da an einen Artikel im Wirtschaftsblatt, in dem eine Journalistin (Name vergessen) für forcierte Einwanderung von Schweißern und sonstigen Facharbeitern argumentierte. Als Argument wurde genannt, dass Schweißer ein höheres Einstiegsgehalt bekämen, als viele ihrer Akademikerkollegen. Diese unerhörte, kosmische Ungerechtigkeit müsse bereinigt werden. So erkennt man auch, dass die Neoliberalen in diesem Blatt in Wahrheit Neokonservative sind und Hayek nicht verstanden haben. 😆

Aber du hast ja beschrieben, wie die Informationstechnologie auch Journalisten betrifft. Da kommt viel zusammen. Werbung funktioniert über das Internet direkter und effektiver. Herausragende Journalisten können mehr Leser erreichen.

Aber da wird es viele Umwälzungen und einen verstärkten Verdrängungswettbewerb geben. Die Journalisten haben ihre eigene Situation bereits begriffen. Nur das generelle Phänomen Praktikum wird meiner Meinung nach noch nicht erkannt und irgendwie zum Neoliberalismus, Globalisierung, Arbeitsmarktderegulierung zugeordnet.
Als hätten sich die Unternehmen plötzlich miteinander verschworen und beschlossen, Praktikanten einfach nicht mehr zu bezahlen.
Dabei ist es durchaus verständlich, dass ein Unternehmer bei einer Überzahl an Leuten, die unbedingt ehrenamtlich arbeiten wollen, freilich nicht nein sagt. Wer aber betrügerisch mit der Karotte einer Fixanstellung lockt handelt klarerweise unmoralisch.

Nur das generelle Phänomen Praktikum
wird meiner Meinung nach noch nicht
erkannt und irgendwie zum
Neoliberalismus, Globalisierung,
Arbeitsmarktderegulierung zugeordnet.
… Dabei ist es durchaus
verständlich, dass ein Unternehmer bei
einer Überzahl an Leuten, die
unbedingt ehrenamtlich arbeiten
wollen, freilich nicht nein sagt.

Verständlich aus rein ökonomischer Sich schon. Der moralischen Verantwortung gegenüber seinen Arbeitern wird er damit nicht gerecht. Das ist ein abgeschwächtes Sklaventum und mir einfach aus diesem Grund heraus nicht verständlich. Damit spreche ich jetzt vor allem Unternehmen an, die insgesamt gut laufen und auf solche Praktikanten zurückgreifen. Es gibt natürlich die Grauzone, wo man sich einen Praktikanten nicht leisten könnte und der halt trotzdem reinschnuppern will. Der sollte dann aber gut behandelt werden.

Und das nicht zu regulieren (indem man ungehaltene Anstellungsversprechen unter Strafe stellt bzw. unbezahlte Praktika vielleicht verbietet (Vorschlag aus der Hüfte geschossen)) ist schon etwas, das man als neoliberal bezeichnen darf. Da läuft was schief und wird trotzdem einfach nicht angetastet, weils ja eben aus der Marktsituation heraus entsteht und deshalb „verständlich“ ist. 😉

@Hansi|k:

Netter Text, liest sich ja wie ein Märchen, lässt aber vor allem am Schluss aus, dass meine Generation mit Nazis und schon gar nicht mit Neonazis rein gar nichts am Hut hatte. Das ist jetzt ein Problem, dass ihr euch heutzutage selber macht, oder auf die Altpolitiker reinfallt, egal. Vielleicht ist genau das aber auch ein Beispiel, wie dumm es ist, Themen und Problem nur einzeln anzugehen statt im gesamten Kontext?

Es gibt natürlich die Grauzone, wo man sich einen Praktikanten nicht leisten könnte und der halt trotzdem reinschnuppern will. Der sollte dann aber gut behandelt werden.

Das ist keine Grauzone, sondern für kostenlose Arbeitskraft gibt es praktisch unendliches Angebot von der Arbeitgeberseite. Das wird höchstens durch verfügbare Räumlichkeiten eingeschränkt.

Und das nicht zu regulieren (indem man ungehaltene Anstellungsversprechen unter Strafe stellt bzw. unbezahlte Praktika vielleicht verbietet (Vorschlag aus der Hüfte geschossen)) ist schon etwas, das man als neoliberal bezeichnen darf. Da läuft was schief und wird trotzdem einfach nicht angetastet, weils ja eben aus der Marktsituation heraus entsteht und deshalb “verständlich” ist.

Ich bezweifle, dass es im Manchesterliberalismus Lehrlinge gab, die für ihre Lehrherren gratis arbeiteten. Ein Voluntariat muss man sich erstmal leisten können. Die Generation Praktikum ist auch ein Wohlstandsphänomen. In der New York Times habe ich neulich gelesen, dass die Oberschicht in Manhatten jetzt sogar schon prestigereiche Unternehmen dafür bezahlt, ihre Kinder als Praktikanten aufzunehmen.

Kollektivverträge gäbe es ja in vielen Bereichen. Nur da, wo kein Kläger, da kein Richter.

Wenn man gegen unbezahlte Praktika staatlich vorgehen würde, dann würden die Praktikumsstellen vermutlich größtenteils verschwinden. Das würde dann vielen Betroffenen auch klar machen, dass eine Nachfrage für gewisse Arbeiten zu einem vernünftigen Lohn einfach nicht besteht

Die meisten Leute verstehen das Arbeitsplatzangebot als statische Größe und nicht als wechselwirkende Funktion von Angebot, Nachfrage und Lohnniveau. Wenn es mehr ökonomisches Verständnis in der Meinungselite und der Bevölkerung gäbe, dann gäbe es das Phänomen Generation Praktikum gar nicht, oder nur kurzfristig, weil es dann schon alle geschnallt hätten.

Leider haben auch die angeblich wirtschaftskompetenten Konservativen (nicht nur in Österreich) eher ein statusbasiertes Verständnis vom Arbeitsmarkt. Dass ein Akademiker ein gutes Gehalt und eine gute Stelle verdient gehört sich einfach. (Ich erinnere mein Beispiel aus dem Wirtschaftsblatt)

Falls dem nicht der Fall ist, wird die entsprechende Studienrichtung zum angeblich leichten Orchideenstudium degradiert. Anlässlich der Schließung und des Protests der Softwaresparte bei Siemens staunte ich nicht schlecht, als Kommentatoren auf diepresse.com die Entlassenen als Proleten bezeichneten.

@dieter:

So gesehen hat unsere Generation leichtfertig dafür gesorgt, dass es zuviele Menschen gibt, oder nicht? Wäre ein weiterer Krieg die Lösung gewesen oder war es falsch, die Arbeiter sozusagen zu verdoppeln, indem wir beide Geschlechter auf den Markt werfen?

@dieter:
So gesehen hat unsere Generation leichtfertig dafür gesorgt, dass es zuviele Menschen gibt, oder nicht? Wäre ein weiterer Krieg die Lösung gewesen oder war es falsch, die Arbeiter sozusagen zu verdoppeln, indem wir beide Geschlechter auf den Markt werfen?

Ähm, nein. Produziert kann nur werden, wenn auch konsumiert wird. Wenn beide Geschlechter arbeiten, haben alle einen höheren materiellen Wohlstand.

Ich glaube auch nicht an die These, dass quasi die Feministinnen je nach positiver/negativer Sichtweise die armen Frauen auf den Markt geworfen hätten/befreit hätten. Frauen waren historisch immer am Wertschöpfungsprozess beteiligt. In den 50ern/60ern betrachtete man das Hausfrauendasein, noch dazu erleichtert durch Haushaltsgeräte und Wegwerfwindeln als große, moderne Befreiung der Frauen. Das endete aber in Fadesse, Isolation, Machtlosigkeit, also sind die Töchter der Hausfrauen dann doch wieder arbeiten gegangen. Das ist jedenfalls meine banale, nichtideologische Interpretation der Entwicklung.

Aber, die oben beschriebenen Entwicklungen spielen sich, wie David Autor empirisch erwiesen hat, im ganzen Westen so ab. Das ist einfach eine technologische Revolution, wie es schon unzählige zuvor gegeben hat. Nur waren bisherige solche Revolutionen offensichtlicher. Als die Baumwollpflückmaschine in 1940ern erfunden wurde, waren plötzlich alle Afroamerikaner arbeitslos und mussten sich was neues suchen. Als die Containerschiffahrt eingeführt wurde, brauchte man nur mehr eine Handvoll Hafenarbeiter.

Die Software-Revolution läuft seit drei Jahrzehnten. Anfangs brachte sie gar keine Produktivitätssteigerungen. Seither schreitet sie tw. sehr subtil voran, verändert Arbeitsprozesse usw. Deshalb steht das wohl auch nicht so im öffentlichen Bewusstsein. Alle reden noch immer von den Robotern, die die Industriearbeiter ersetzen. Dass auch Kopfarbeit betroffen ist, hat sich noch nicht so herumgesprochen. Liegt wohl auch am Selbstverständnis des Menschen als intelligentes Wesen.

Ich hatte bisher auch nur eine Vermutung darüber, was da langfristig abläuft. Aber Ökonomen wie David Autor, die die tradierte Meinung ihrer Kollegen empirisch belegt angreifen, geben mir die Zuversicht, dass ich nicht phantasiere.

Jobs wird es immer geben, nur ändert sich die Struktur des Arbeitsmarktes. Diesmal wohl auf schwer vorhersehbare Weise.

Ich bezweifle, dass es im Manchesterliberalismus Lehrlinge gab, die für ihre Lehrherren gratis arbeiteten. Ein Voluntariat muss man sich erstmal leisten können. Die Generation Praktikum ist auch ein Wohlstandsphänomen.

Die Argumentation versteh ich ehrlich gesagt nicht. Für jeden Reichen der sich einen Praktikantenplatz erkauft, gibt es zehn Arme die das Ganze nur in der Hoffnung auf bessere Chancen tun. Viele könen sich das Praktikum ja eben nicht leisten, sehen aber keinen anderen Weg. Es gibt Leute, die sich dafür verschulden. Dass es heute nicht mehr dasselbe ist wie im Manchesterliberalismus liegt wohl daran, dass es heute auch bei unqualifizierter Arbeit eine Knappheit an Stellen gibt. Um sicherer zu sein muss man also nach Qualifikation streben. In die Kohlemine konnte man früher immer gehen.

Und die die sich das Praktikum leisten können, machen es ja auch nicht WEIL sie schon wohlhabend sind, sondern weil sie das zukünftig auch unabhängig von ihren Eltern sein wollen.

Die Praktikanten zum Grund für die unbezahlte Ausbeutung bei vielen Gratispraktika zu machen, ist imo eine Opfer-Täter-Umkehr.

Es gibt zwei Arten von Praktika. Eines, wo man einem jungen Menschen die Möglichkeit gibt sich Dinge anzusehen, ein bisschen zu probieren und ein bisschen zu schnuppern. Und die andere Art, wo man sich quasi einen vollwertigen Hilfsarbeiter zum Null- bis Niedrigstlohntarif anheuert. Erstere seh ich als legitim, auch unbezahlt (nicht jedoch erkauft). Zweitere sollte verboten sein.

Ändert am Ende aber nichts daran: Auf ein Problem wissentlich nicht zu reagieren, weil man denkt der Markt würde es von selbst regeln, ist (neo)liberal.

Jobs wird es immer geben, nur ändert sich die Struktur des Arbeitsmarktes. Diesmal wohl auf schwer vorhersehbare Weise.

Ich denke nicht, dass es irgendwann einfacher oder schwieriger war, das vorherzusehen. Die Regel ist einfach: Automatisierbares schwindet. Ob durch PC oder Roboter ersetzt ist egal.

DANKE! Einfach nur gut!
(Wobei ich denen, die sich politisch engagieren nicht grundsätzlich unterstellen würde, dass sie sich selbst was davon versprechen. Habe selbst die Erfahrung gemacht, dass dort zum Teil sehr nette, engagierte und intelligente junge Leute sind, die einen kleinen Beitrag leisten wollen.)
Und noch kurz was zum Thema Generationenkonflikt: Den gibt es nicht. Klar sind Forderungen nach dem eigens erfundenen Pensionistenpreisindex eine Chuzpe – aber ich kennen keinen in meiner Generation, der seiner Oma die 20€ mehr neidig ist. Schon deshalb, weil ja gerade Pensionisten wahnsinnig viel für ihre Enkel leisten (eben auch finanziell.)
Lust zum „Viva la revolucion!“-Geschrei bekomme ich nur, wenn ich fettgefressene Alte in unverdienten Chefsesseln, die sie über Seilschaften erworben haben, sehe, die über die ach so ahnunglose und nichtsnutzige Jugend von heute lästern höre…

Ich bezweifle, dass es im Manchesterliberalismus Lehrlinge gab, die für ihre Lehrherren gratis arbeiteten. Ein Voluntariat muss man sich erstmal leisten können. Die Generation Praktikum ist auch ein Wohlstandsphänomen.

Die Argumentation versteh ich ehrlich gesagt nicht. Für jeden Reichen der sich einen Praktikantenplatz erkauft, gibt es zehn Arme die das Ganze nur in der Hoffnung auf bessere Chancen tun. Viele könen sich das Praktikum ja eben nicht leisten, sehen aber keinen anderen Weg. Es gibt Leute, die sich dafür verschulden. Dass es heute nicht mehr dasselbe ist wie im Manchesterliberalismus liegt wohl daran, dass es heute auch bei unqualifizierter Arbeit eine Knappheit an Stellen gibt. Um sicherer zu sein muss man also nach Qualifikation streben. In die Kohlemine konnte man früher immer gehen.
Und die die sich das Praktikum leisten können, machen es ja auch nicht WEIL sie schon wohlhabend sind, sondern weil sie das zukünftig auch unabhängig von ihren Eltern sein wollen.
Die Praktikanten zum Grund für die unbezahlte Ausbeutung bei vielen Gratispraktika zu machen, ist imo eine Opfer-Täter-Umkehr.

Versteh mich nicht falsch. Wenn ich von einem Wohlstandsphänomen schreibe, dann meine ich nicht, dass sich die Praktikanten einen Lenz machen würden oder sie nicht an der Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation interessiert wären. Ganz im Gegenteil.

Nur ist die Praktikumsschiene für viele eben eine fatale Sackgasse. Diese Sackgasse wäre in früheren Zeiten erst gar nicht beschritten worden, weil man nach zwei Schritten mangels Einkommen verhungert wäre.

Es gibt zwei Arten von Praktika. Eines, wo man einem jungen Menschen die Möglichkeit gibt sich Dinge anzusehen, ein bisschen zu probieren und ein bisschen zu schnuppern. Und die andere Art, wo man sich quasi einen vollwertigen Hilfsarbeiter zum Null- bis Niedrigstlohntarif anheuert. Erstere seh ich als legitim, auch unbezahlt (nicht jedoch erkauft). Zweitere sollte verboten sein.

Ich sehe nicht, wie man da objektiv den Unterschied feststellen will. Und die erste Form von Praktikum gab es vor 10 Jahren noch nicht. Wäre mir jedenfalls nicht Erinnerung, dass damals irgendwer gratis gearbeitet hätte.

Ändert am Ende aber nichts daran: Auf ein Problem wissentlich nicht zu reagieren, weil man denkt der Markt würde es von selbst regeln, ist (neo)liberal.

Der Markt kann sich nicht ohne Verbreitung von Informationen und Aufklärung regeln, schließlich ist der Markt nur ein abstrakter Begriff für eine Art menschlicher Interaktion. An der Informationslage hapert es. Über das Thema wird ja auch nur sehr nebulös berichtet. Welche Berufe sind nun betroffen, inwiefern, usw? Diese Fragen wären auch vor einem Eingriff in den Markt erst einmal zu klären. Und wenn sie ausführlich geklärt und thematisiert würden, würde sich das Problem meiner Meinung nach von selbst lösen, ganz ohne Eingriffe und Bürokratie. Wäre ja mal einen Versuch wert.

Und weiters, frage ich mich, wie du dir einen Eingriff vorstellst. Wie hindert man Menschen daran, für andere tw. heute schon unter Umgehung von Gesetzen gratis zu arbeiten? Noch dazu, wo Voluntarismus in vielen Bereichen ja etwas positives ist?

Jobs wird es immer geben, nur ändert sich die Struktur des Arbeitsmarktes. Diesmal wohl auf schwer vorhersehbare Weise.

Ich denke nicht, dass es irgendwann einfacher oder schwieriger war, das vorherzusehen. Die Regel ist einfach: Automatisierbares schwindet. Ob durch PC oder Roboter ersetzt ist egal.

Wer hätte dem mittleren Management vorhersagen können, dass es sich auf dem absteigenden Ast befindet? Es gibt ja keine Manager-Roboter, sondern lediglich E-Mail zum effizienteren Informationsaustausch. Dass zwischen dem neumodischen lean management und der elektronischen Post ein Zusammenhang bestehen dürfte, darauf sind die Ökonomen erst neulich draufgekommen.

Ein Berufsbild besteht ja aus vielen Teilaufgaben. Früher mussten viele Ingenieure viel konstruieren, zeichnen usw. Wenn das 90% des Arbeitsaufwandes ausmachte und durch Software ersetzt wird, dann verschwindet das Berufsbild nicht.

dieser artikel ist der beste denn ich bis jetzt über das thema young generation, pisa, vorurteile, zukunft,usw. gelesen habe! ich habe mir jetzt natürlich auch noch die unzähligen kommentare durchgelesen und liebe die diskussionen hier…ALSO;danke, tom, du sprichst vielen aus der seele…GREAT BLOG!!!!
liebe grüße, L*

Wer auf wissenschaftlicher Basis positive Argumente für die Netgeneration präsentieren möchte, sollte folgendes Buch lesen: Grown Up Digital: How the Net Generation is Changing Your World von Don Tapscott. Sehr empfehlenswert!

Ganz ehrlich ohne jetzt die vielen Comments lesen zu wollen möchte ich nur das eine anbringen: die Debatte über „die Jungen“, „die Jugend“ oder was immer hat sich auch zu meiner wirklich jungen Zeit praktisch 100% ident angehört, mit ein paar ausgetauschten Vokabeln. Nichts neues für mich, bis auf den Reminder für mich selbst, dass ich sicher nie zu denen gehören will, die sich den diversen Tiraden über „die Jungen“ anschliessen, nur weil sie einige Dinge nicht verstehen. Fürs Nichtverstehen muss man übrigens gar nicht „stehenbleiben“, auch eine etwas andere Lebenswelt und andere Prioritäten in einem anderen Lebensabschnitt reichen völlig. (Das ganze gilt übrigens auch umgekehrt. Die Jungen verstehen vielfach die Älteren oder Alten nicht, eben weil sie tendentiell andere Wichtigkeiten haben.) Die Frage ist halt, was man an das Nichtverstehen knüpft. Toleranz und eine Art implizites Vertrauen darauf, dass das was man nicht versteht für andere schon einen Sinn ergeben wird oder eben eher ein kopfschüttelndes „die spinnen ja“ (aka wtf).

toller Beitrag! habe mich mehrmals darin wiedergefunden! pessimistisch finde ich ihn keinesfalls, viel eher ehrlich und spontan!
trotzdem, eine Aussage ist bei mir hängen geblieben:

„Die Frauengleichberechtigung müssen wir nicht erarbeiten, sie ist unsere Realität.“ – ich bin zwar keine wirkliche Feministin, aber da war eindeutig eine rosarote Brille im Spiel…

@Tom Denke, da hat Daniela schon recht. Ich bin auch keine Feministin – aber von Gleichberechtigung sind wir schon noch ein Stück entfernt. Gerade in der Realität. Das sehe ich in meinem Umfeld spätestens dann, wenn Frauen sich für verantwortungsvolle Jobs bewerben und gesagt kriegen, man nähme keine Frau in den 30ern, weil die ja sicher bald in Karenz geht. Oder wenn es darum geht, dass der „Kindsvater“ einen Teil der Karenz übernimmt. Oder beim Wiedereinstieg in den Job (teilzeit oder vollzeit) plötzlich alle verantwortungsvollen Aufgaben wegfallen, weil eine Mutter ja nicht mehr zuverlässig genug ist…..

@Linzerschnitte: Das sind aber auch wirklich keine unerheblichen Risken für Unternehmer, es kommt aber auch noch dazu, dass Frauen vielfach die unnötigsten Dinge lernen oder studieren. Wie heute anderwertig schon geschrieben, kann man nicht grundsätzlich sagen, dass Frauen um xy% weniger verdienen, wenn man nicht dazu sagt, dass Automechaniker eben mehr verdienen als Friseusen.

Das hat aber, glaube ich, gar nichts mehr zu tun mit der Emanzipation an sich, denn die ist schon weit übers urspüngliche Ziel hinausgeschossen

Das Friseusen-Automechaniker-Ding ist auch so ein Vorzeige-Beispiel, was sich noch alles ändern muss. Aber ich bzw. niemand kann erwarten, dass sich grundlegende gesellschaftliche Dinge in 1 – 2 Generationen ändern können. Das mit dem Unternehmerrisiko seh ich nicht so. Ich kenne genug Frauen, die nach 3 – 6 Monaten wieder zurück im job sind. Und da kann es dem unternehmer genauso passieren, dass auch mal ein Vater für 3 – 6 Monate in karenz geht. (In Österreich ist das natürlich sehr unwahrscheinlich, das sieht man an den Zahlen.) Was der unternehmer dann vielleicht zuwenig kalkuliert – ein Mann wird statistisch gesehen häufiger/länger in Krankenstand gehen und vielleicht auch mal in Bildungskarenz. Also eher eine Vorurteil denn ein ernstzunehmendes Unternehmerrisiko.

@linzerschnitte du beschreibst da einen zustand, der mit meiner generation nichts zu tun hat. leute in unserem alter haben prinzipiell nicht die positionen, um über anstellungen und gehälter zu bestimmen.

betrachte ich z.B. meinen beruf als journalist, ist die gleichstellung der frau in meinem alter einfach (mehr als) realität. journalisten unter 30 sind in österreich zu 60% weiblich.

ich will natürlich nicht behaupten, dass leute zwischen 20 und 30 keine sexisten mehr sein können. und natürlich gibts noch geschlechterunterschiede. ich denke aber einfach, dass die diskriminierung der frau in dieser altersgruppe kein flächendeckendes, gesellschaftsbestimmendes phänomen mehr ist. junge menschen wachsen heute meist in einem umfeld auf, in dem gleichberechtigung normalität ist. frauen wachsen nicht mehr mit dem bild auf, sich einen mann suchen zu müssen. weniger gehalt für dieselbe arbeit zu bekommen erscheint heute allen absurf.

PS: Ich kenne Männer die in Karenz gehen und würde es auch selbst tun.

@Tom Ich will jetzt keine Nicht-Gleichberechtigung herreden, wo keine ist. Aber 60 Prozent Jung-Journalistinnen find ich nicht unbedingt signifikant. Eher, dass es in Österreich keine weiblichen Chefredakteurinnen bei „relevanten“ Medien gibt.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob unser beider Blickwinkel nicht ein bisschen zu urban ist. Meine Schwester, die nur sehr knapp nicht mehr in die Altersgruppe 20 – 30 fällt, ist geschieden und alleinerziehend in einer Kleinstadt in Oberösterreich. Und ich weiß, dass Gleichberechtigung nicht zur Normalitiät in ihrem Lebensumfeld gehört.

PS: Ich kenne viele Männer, die sagen, sie würden in karenz gehen, aber nur einen, der’s getan hat.

Alexandra Föderl-Schmidt Chefredakteurin beim Standard? Eva Dichand als Herausgeberin bei heute? Monika Lindner als Generalintendantin beim ORF? Und nochmal: Das passiert alles BEVOR meine Generation in diese Ämter kommen kann. Die Zahl der Jungjournalistinnen ist sehr wohl ein Indikator dafür, wie es zumindest bei diesem Berufsbild in Sachen Chancengleichheit bei meiner Generation aussieht.

Und natürlich ist das ein urbaner Blickwinkel. Wenn ich über meine Generation spreche, spreche ich über die Welt die ich kenne, nicht die, die ich irgendwo anders vermute. Als gebürtiger Kapfenberger und in Wien Lebender ist das die Einschätzung die ich treffe. Unsere Generation hat kein wirkliches Geschlechterproblem.

Okay, die föderl-schmidt hab ich wohl vergessen/verdrängt:)
Eva „Schwiegertochter“ Dichand hat einen direkten Sprung vom Auktionshaus Dorotheum zur Herausgeberin gemacht – Erbfolge ist ein legitimer aber nicht unbedingt ein hier erwähnenswerter karriereweg. Moni Lindner war Generalintendantin, aber eben nicht Chefredakteurin.Aber da will ich mal nicht kleinlich sein:)
Wenn du sagst, deine Generation hat kein Geschlechterproblem, dann soll es so sein. Ich sage halt, meine Generation hat ein Geschlechterproblem. Was ein Jahr so für einen Unterschied macht…:)

Aber woran machst du das fest? Wo werden Frauen unseres Alters benachteiligt, wo ist der Alltagssexismus der ihnen von Gleichaltrigen entgegenschwingt? Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendjemand in meinem Alter mal ernsthaft (abseits von Sticheleien) die Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung von Frauen in Zweifel gezogen hat.

warum bei Euch der generationskonflikt fehlt? weil Ihr noch zuhause bei muttern wohnt … was meine generation schon so tolles gemacht hat? wir haben Euch erbumst! ad hoc: überhaupt ist bei Euch eine phänomenale asexualität auffallend.
(zwinker; sorry, für diese gesichtchen aus klammern und kommas bin ich zu alt)

@tom: Ich bin lieber stolzer Sexist, der den Damen die Tür aufhält, in den Mantel hilft, das Essen und die Kinokarten bezahlt, sich dafür aber auch verwöhnen zu lassen und gewisse Dinge auch einzufordern, als ein metrosexuelles Weichei mit Ganzkörperrasur rein aus der Angst heraus, am Komasaufwochenende keine der besoffenen Schlampen abzukriegen und sich wieder für ein paar Tage in seine Singlebehausung zurückziehen zu müssen 😉

Auch das unterscheidet unsere beiden Generationen….

@linzerschnitte: ohne die ergebnisse der erwähnten befragung per se anzweifeln zu wollen gebe ich mich doch meinem wunschdenken hin, dass es vielleich doch nicht ganz so schlimm ist und frage mich, wieviele der übrigen 60% der befragten männer die frage „können sie sich eine partnerschaft vorstellen, in der die Aufgaben gleichberechtigt verteilt sind?“ gefühlsmässig missinterpretiert haben als „können sie sich eine Partnerschaft vorstellen, in der alle Aufgaben völlig gleich verteilt sind?“ – also etwas was in fast keiner realen partnerschaft für die partner einen sinn ergibt.

wie immer sind umfragen mit viel vorsicht und einer (sehr) grossen portion skepsis zu geniessen. schon nuancen in der fragestellung bringen die ergebnisse uU völlig zum kippen.

@martin natürlich sind Umfragen mit vorsicht zugenießen; ich habe ein Fach der sozialwissenschaften studiert und oft genug den Satz gehört: Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Und du hast auch Recht – es macht auch keinen sinn, alle Aufgaben völlig gleich zu verteilen. Wobei es mir das wohlgemerkt nicht um hausarbeiten geht.

Ich fand aber die Aussage des Soziolgen Becks sehr treffend formuliert: »verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre«.

Und ich vermute, dass diese Aussage auf genausoviele Männer wie Frauen zutrifft. Ich stelle eben oft fest, dass Frauen automatisch in die Familienpflicht genommen werden und das gar nicht großartig hinterfragen. Damit meine ich nicht nur Kinderbetreuung sondern auch Pflege von älteren Familienmitgliedern und mehr.
Und natürlich gibt es jetzt schon eine Menge „Superpapas“, die ihren Kinder einen völlig neuen Stellenwert in ihrem Leben einräumen – aber bis eine Vielzahl von Männern bereit sein wird, ihr Erwerbsleben für die Kinder längerfristig zu unterbrechen und damit einen ernsthafen „Wettbewerbsnachteil“ im Job in Kauf zu nehmen, wird es noch dauern. Aber das soll an niemanden ein Vorwurf sein, denn das ist eine gesellschaftliche Entwicklung, die nicht von heute auf morgen oder innerhalb so weniger Generation passieren kann. Ich denke nur, von einer realen Gleichberechtigung (im nicht nur auf die Gesetze bezogenen Sinne) sind wir schon noch ein Stück entfernt – und es ist eben ein Unterschied, sich verbal dazu zu bekennen oder diesen Lippenbekenntnissen auch die entsprechenden Taten folgen zu lassen.

Und diese entsprechenden Taten passieren halt oft erst in der heiklen Phase von 30-40, wo der Einstieg ins Berufsleben mal gelungen ist und das Thema Familie – nein/Ja/Wenn ja, wie? – aufkommt. Und ich denke, dass auch die jetzt 20 -30 jährigen in 5 – 10 Jahren immer noch mit diesen Problemen konfrontiert werden und sich dann rausstellen wird, dass man an der realen Gleichberechtigung noch arbeiten muss.

[…] – Hilfe, die Welt will was von uns Martin Blumenau – Die acht Thesen der Meredith Haaf Tom Schaffer – Über meine und andere Generationen sprechen (mit ein bisschen Wut) Rafael Reisenhofer – Von wegen Veröden Ingrid Brodnig – Rebelliert halt selbst, ihr […]

DANKE!!!

Hab Dein Blog aus Zufall im weiten WWW gefunden, und direkt der Artikel.. KLASSE! Du sprichst mir aus der Seele.
Überall hört man, was wir alles falsch machen, was wir alles tun sollen, was wir lassen sollen. Keine Generation vor uns stand vor dem Problem, in etwas hineinzuwachsen was davor noch keiner erforscht hat. Keiner kann uns das Internet erklären, keiner weiß, wohin Social Media führt. Aber es ist unser Medium. Wir sind Web 2.0. Wir sind wer! Stimmt, es gibt gerade wenig politische Aussichten… das politische „Spektrum“? Einheitsbrei. Die Piratenpartei ist das, was die Grünen zu ihrer Gründungszeit waren, mit dem Unterschied, dass die Piraten auf Anhieb mehr Stimmen hatten, als die Grünen damals.

Generation Praktikum, Playstation, Internet – alles Erklärungsversuche von der Generation unserer Eltern, die versuchen, uns zu verstehen und es doch nicht tun. Wir sollen in Schubladen gesteckt werden, in die wir nicht einkategorisiert werden können.

Wir sind wir, und etwas Neues. Ich freue mich darauf, mit Leuten wie Dir, Tom, und allen anderen unserer Generation etwas zu erreichen und zu zeigen, dass wir mehr sind, als „Generation Wohlstand, der alles in den Arsch geschoben wird“.

Danke für den Artikel, macht Mut!
Viele Grüße aus Frankfurt,
Benjamin Panther

Die Kommentare sind geschlossen.

matbetVaycasino Güncel GirişbetasusÇırak İzlekavbet1xbetmatbetjojobetErosMacTV ile canlı maç izle! Selçuksports, Taraftarium24, Justin TV alternatifi. HD kalitede kesintisiz canlı maç izle. Süper Lig, Premier Lig,holiganbetdeneme bonusudeneme bonusuextrabetpusulabetjojobet girişelexbetholiganbetjojobet marsbahisholiganbetholiganbet girişlunabetaresbetjojobetjojobet girişjokerbetjojobetjojobetgrandpashabetholiganbetphishingjojobetbetmatikcasibomromabetdeneme bonusu veren sitelerdeneme bonusu veren sitelerdeneme bonusu veren sitelerdeneme bonusu veren sitelerdeneme bonusu veren siteler 2026mislibetcasibombetsmoveCratosroyalbetJojobetmeritbetbeygirbethiltonbetmegabahismegabahisbetasusjojobet giriştaraftarium24casibom girişparobet girişparobetRealbahismeritbetjojobetjojobetjojobet girişcasibomimajbetpusulabetcratosroyalbetimajbetdeneme bonusu veren yeni sitelerdinamobet girişMavibetbetwildkulisbetdinamobetyakabetimajbetganobetjojobetjojobet girişJojobetjojobetbetvolebetcioultrabetpiabellacasinojojobetmeritbetsilvercrestgolf.comgrandpashabetgrandpashabetmilanobetbetsmovebetciojojobetGalabet girişGalabetfatih escortNakitbahisbetofficebetnisbetlikebetkolikbetboxbahiscasinoatlasbetgrandpashabetromabetbetasusjojobet grandpashabet güncel girişslot sitelericasibomiptv satın algrandpashabetgrandpashabetSuperbet girişSlotday girişBetsalvadorCasibomSlotday girişgrandpashabetmarsbahishiltonbetroyalbetholiganbetjustin tv1xbet1xbetcasibomcasibom girişholiganbetcasino sitelerideneme bonusuaresbetjojobetmaxwinpinbahis girişmatbetdumplingnoodle.comcratosroyalbetcratosroyalbetbetwoonspincoimajbet girişpusulabet girişpusulabet güncel girişcratosroyalbet girişpusulabetimajbetroyalbetjojobet girişmarsbahiscasibomcasibom girişdeneme bonusubahis sitelerivaycasino girişmarsbahis girişjojobet girişdeneme bonusu veren siteler 2026jojobetcasibomcasibom giriş