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Über Vollversammlungen und die Angst vor den Studierenden

Fast genau ein Jahr nach der Besetzung des Audimax laden die Universitäten zu Vollversammlungen. Doch die Angst vor den Studierenden scheint ungebrochen zu sein – ein Kopfschütteln von Jakob Arnim-Ellissen

Das Momentum in der österreichischen Universitätspolitik schien vorbei. Unibrennt konzentrierte sich auf die eigene Geschichtsschreibung, der Dialog Hochschulpartnerschaft endete mit „Handlungsempfehlungen“ und wir Studierende begannen das neue Semester mit gewohntem Anmeldungskrampf in überfüllten Hörsälen.

Dann erwachten plötzlich die RektorInnen. Nachdem sie das Potential der größten Studierendenbewegung der letzten Jahrzehnte ignoriert und die Unibrennt-Proteste gemeinsam mit dem Wissenschaftsministerium erfolgreich ausgehungert hatten, sahen sie nun plötzlich Zeit zum Handeln. In einer Pressekonferenz der Universitätenkonferenz kündigten sie einen „Protesttag“ am 19. Oktober mit Vollversammlungen an allen österreichischen Universitäten an.

300-Personen-Hörsaal für rund 95.000 Personen?

Vor etwas weniger als einem Jahr gingen zigtausende Studierende und Lehrende auf die Straße, der Protest beschränkte sich nicht auf einen Tag, sondern wurde über Wochen, ja Monate, aufrechterhalten. Die Rektoren (damals noch auschließlich männlich) standen an der Seitenlinie, äußerten im besten Fall Verständnis, beschwerten sich meist jedoch nur über die Form der Proteste.

Das Audimax, der größte Hörsaal der Universität Wien, war wochenlang jeden Tag zum Bersten gefüllt, die von Rektor Winckler einberufene Vollversammlung soll im 300 Personen fassenden Hörsaal U10 im Juridicum stattfinden. Laut univie.ac.at sind derzeit „rund 86.000 Studierende“ zugelassen und arbeiten „rund 8.900 MitarbeiterInnen“ für die Universität Wien. Ist das Vertrauen in die eigene Mobilisierungskraft so gering?

Zehn Tage vor den geplanten Vollversammlungen und über eine Woche nach der Uniko-Pressekonferenz finden sich nur auf den Internetauftritten der Universität Wien, der Universität für Bodenkultur, der Wirtschaftsuniversität Wien und der Angewandten Informationen zum Protesttag. Die anderen Universitäten hüllen sich (noch?) in Schweigen.

Mobilisierung durch Studierende

Die einzigen wirklich hörbaren Aufrufe zum Protesttag, kommen von den Studierenden selbst. ÖH und Unibrennt mobilisieren auf allen Kanälen, rufen zu den Vollversammlungen und zu anschließenden Protestmärschen auf. Die Organisation durch die Universitäten machen Planungen allerdings nicht leicht, die vier bereits angesetzten Vollversammlungen an Wiener Universitäten finden alle zu verschiedenen Zeiten statt.

In der Aussendung zur Pressekonferenz forderte die Uniko am 1. Oktober einen „Bildungsgipfel“, „eine Regelung der Zugangsfrage, die sofortige finanzielle Sanierung der Unis sowie Investitionen und einen Ausbau der Kapazitäten.“

Als die Studierenden im Herbst 2009 mit ähnlichen Forderungen in die Hörsäle gingen, wurden sie von den Rektoren gebeten diese doch wieder zu verlassen.

Die RektorInnen behaupten nun, sie wollen Druck auf die Regierung ausüben. Doch vielerorts scheint die Angst vor den Studierenden größer zu sein, als die Angst vor dem Kollaps der Universitäten.

Warum sonst, sollte die Vollversammlung der größten Universität Österreichs NICHT im größten Hörsaal der Universität stattfinden?

Angesetzte Vollversammlungen

BOKU: 14.00 Uhr vor dem Schwackhöfer-Haus (Demo: 15.30 Uhr)
Universität Wien: 15.30 Uhr im Juridicum Hörsaal U10
WU Wien: 10-12.00 Uhr im Festsaal
Angewandte: 15.00 Uhr in der Aula
TU Wien: 10-12.00 Uhr im AudiMax (Demo: 16.00 Uhr Getreidemarkt)

Nachtrag: Die TU hat ihrenTermin auch schon fixiert, am Montag sollen die Studierenden per E-Mail informiert werden.

Von Jakob Arnim-Ellissen

studiert Politikwissenschaft und versucht sich seit geraumer Zeit auch an Orientalistik. Er würde auch gern Arabisch und Französisch können.

19 Antworten auf „Über Vollversammlungen und die Angst vor den Studierenden“

Auch an der Uni Salzburg ist eine Vollversammlung für den 19. Oktober 2010 geplant.

„Uni-Vollversammlung

zum Thema

Was ist Österreich universitäre Bildung WERT?

am 19. Oktober 2010,

nach einem Protestzug beginnend um 17 Uhr in der Innenstadt (Mozartplatz),

um 18 Uhr, in das Audimax der Naturwissenschaftlichen Fakultät in Freisaal (Hellbrunner Straße 34)“

Ist es Zufall oder Absicht, dass bei der Terminwahl ausgerechnet ein Dienstag gewählt wurde, ein Wochentag also, der dieses Semester bereits mit zwei Feiertagen (Nationalfeiertag, Allerseelen) „belastet“ ist? Da können sich ProfessorInnen leicht rausreden mit einem: „Liebe Kolleginnen und Kollegen, würden mir dieses Semester nicht so viele Termine entfallen, würde ich sofort mit Ihnen zur Vollversammlung gehen.“

Na dann. Wer entscheidet denn, welche privilegierten 300 Personen in den Raum rein und damit tatsächlich an der Vollversammlung teilnehmen dürfen?

Am Besten wäre wohl den Raum so mit Studierenden vollzustopfen, dass für das Rektorat dann leider kein Platz mehr ist. Vielleicht überlegen sie es sich dann und ziehen doch in einen größeren Raum um.

Wer zuerst kommt, malt zuerst. Aber im Ernst: Das Audimax wäre angesichts der infrage kommenden Personen genauso lächerlich, es hätte allenfalls symbolischen Wert. Wenn schon, müsste das Austria Center o.ä. her.

Ich denke, dass das Rektorat sehr gut weiß, dass es die Studenten jetzt braucht (hoffe ich zumindest).

Im Audimax könnten doppelt so viele Menschen an der Vollversammlung teilnehmen. Fände ich nicht wirklich lächerlich. Ein noch größerer Raum wäre natürlich noch besser.

Wenn das Rektorat weiß, dass es die Studierenden braucht, dann könnte es außerdem mal eine Einladung rausschicken. Um die Audimax-Besetzung zu verurteilen hat das ja damals auch funktioniert.

Stimmt schon, aber bei etwa 7600 Mitarbeitern und 76 000 Studenten… ist vielleicht naiv, aber ich mag erst an eine „böse“ Absicht glauben, wenn sie sich klar erkennen lässt.

Die Studenten sind entschuldigt und eingeladen, das kann man auf der Seite der Universität nachlesen – sicher, eine email wäre „schön“ gewesen, und wichtig für das gemeinsame Auftreten.

Eine Email wäre nicht nur „schön“ gewesen, sondern mMn das absolute Minimum. Wenn ich bei meinem Fußballverein eine Vollversammlung einberufe, dann MUSS ich alle Mitglieder per Post informieren.

Die meisten Studierenden schauen doch gar nicht auf die Homepage. Wozu auch, Vorlesungsverzeichnis, Institutshomepage, Webmail, etc. steuern wir doch alle direkt an.

Außerdem hat die Uni erst vor ein paar Tagen schöne bunte Plakate aufgehängt, um auf eine Umfrage hinzuweisen, die bald mal irgendwo starten soll (studentspace.univie.ac.at). Das Geld wäre besser in Vollversammlungsplakate investiert gewesen.

Winckler wurde wohl von seinen KollegInnen in der Uniko zu diesem Aktionstag überredet, hat aber selbst zu viel Angst davor, kurz vor seinem Abgang, noch einmal Schlagzeilen zu machen. Schade eigentlich.

Nein, das absolute Minimum ist die Einbindung der ÖH, der gewählten Vertretung. Und dass keiner davon weiß, weil keine email versandt wurde, lässt sich meiner Einschätzung nach nicht halten, das Thema ist in den Medien, es wird diskutiert, die ÖH ist informiert, die Lehrenden,… (ich selbst habe meine Unimailadresse in Laufe meines Studiums etwa zweimal geöffnet, sie war völlig entbehrlich).

Ich kann Deine Verstimmung schon nachvollziehen, man hat die ja Mitarbeiter auch informiert aber a) nützt ein Streit im Vorfeld keiner der beiden Parteien, und b) würde ich einmal die Versammlung abwarten, da wird sich zeigen wie gespielt wird (soviel Vertrauensvorschuss ist doch nicht zu viel verlangt, oder?).

Es geht hier allerdings nicht um einen Vorschuss, die Uniproteste sind vor einem Jahr ausgebrochen. Die Beschwerden über die mangelnde Information und Einbindung für Studierende sind noch älter. Dass keine Einladung ausgeschickt wurde ist definitiv eine Provokation – zu welchem Zweck hab ich noch nicht durchschaut.

Der Studienassistent in einer meiner Vorlesungen hat heute die Anwesenden gefragt wie das „mit dem Unistreik“ heute ist. Weiss nicht wie viel da tatsächlich informiert wurde.

Bei einer Vollversammlung ist das Minimum eben nicht die gewählte Vertretung. Dazu brauchts keine Vollversammlung.

Warte, ich habe Einbindung geschrieben, soviel Zeit muss sein. Wenn die ÖH jemanden vertritt, dann wird sie diejenigen hoffentlich auch informieren (Das soll jetzt das Rektorat nicht völlig entbinden, aber die ÖH trägt für die Information der Studenten schon auch Verantwortung).

abgesehen davon, dass die versammlung eh für sich spricht. das rektorat hats im vergangenen jahr geschafft emails gegen die unibrennt-bewegung rauszuschicken, es hätte es auch schaffen müssen, eine einladung zu versenden.

„Das rektorat hats im vergangenen jahr geschafft emails gegen die unibrennt-bewegung rauszuschicken, es hätte es auch schaffen müssen, eine einladung zu versenden.“

Haben wir oben schon diskutiert. Leider habe ich noch keine Zeit gefunden mir den stream anzusehen.

Die ÖH hat diese Verantwortung auch wahrgenommen und breit mobilisiert. Gemeinsam mit Unibrennt.

Was ich von der Vorstellung des Rektorats bei der Vollversammlung halte kann man in meinem neuesten Beitrag nachlesen.

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