
Ein Bericht über den Tod einer jungen Braut auf der Heimfahrt von ihrer Hochzeitsfeier. Der Lenker – der Vater des Bräutigams – dürfte kurz eingeschlafen sein. An sich schon tragisch genug. Der letzte Satz des Artikels gibt aber nochmals zu denken:
„Die Eltern des Bräutigams stammen aus Kroatien.“
Was soll das denn? Was genau soll ich mit dieser Information anfangen?
10 Antworten auf „Unnötig.“
Ich nehme an, Du hast eine These über die implizite Motivation des Autors, warum er diese – für die Geschichte nicht wesentliche Info – miteinfließen hat lassen… insofern wäre es wünschenswert, diese These auch explizit zu machen, sprich: Warum ist die Info, dass die Eltern des Bräutigams aus Kroatien stammen, unnötig, und warum ist es dir einen Blogeintrag wert, darauf hinzuweisen?
Die Frage meine ich weder rhetorisch noch bös. Mir persönlich leuchtet es noch ein, wenn man beispielsweise bei einem Amoklauf Kritik daran übt, dass der Autor die Religion des Täters nennt und damit Gefahr läuft, Kausalität zwischen Tat und Religion anzudeuten.
Aber bei einem Autounfall? Der Autor wird schlicht die Infos, die er zur Verfügung hatte, in den Artikel eingebaut haben. Natürlich sind manche Infos davon nicht „relevant“, aber wenn wir alles weglassen, was nicht eigentlich zur Meldung gehört, dann steht dort nur: Mensch bei Unfall verstorben.“ Die Tatsache, dass ein Mann und eine Frau geheiratet haben, ist ja eigentlich auch unnötig und bringt nur die unnötige Info, dass es sich um ein heterosexuelles Paar gehandelt hat; die Info, dass die Beiden in Salzburg geheiratet haben, ist auch unnötig; die Info, dass die Beiden geheiratet haben, ist auch unnötig, etc.)
Ich glaube, es wird klar, warum ich den Impetus von Dir nicht ganz nachvollziehen kann?
Findest du es dann auch nicht problematisch, dass die Kronen Zeitung bei jedem Artikel dazu schreibt, aus welchem Land der Einbrecher oder sonst jemand kommt?
Ist völlig ok, dass du meinen Beitrag hinterfragst. Für mich hat der letzte Satz suggeriert, dass dieser Vorfall irgendetwas mit der Nationalität der Eltern zu tun hätte. Was purer Schwachsinn ist. Leider aber nur allzu oft in Medien-Berichten so konstruiert wird.
Und wenn das nur meine Interpretation ist – auch gut. Aber der Sinn eines und auch dieses Blog-Beitrags ist ja, über so etwas zu diskutieren. Ich find’s bedenklich, solche Infos in solchen (stets nur negativen) Zusammenhängen zu bringen. Warum steht nicht auch immer explizit dort, dass irgendjemand Österreicher ist/war?
das hat der Autor dazu geschrieben, weil er sonst in unzähligen, hasserfüllten, Postings der Zensur bezichtigt worden wäre.
Übrigens hat sich der Text des Artikels geändert. Skandal!!! Zensur!!! Und Hut- und Kragenweite des Fahrers habens auch nicht angegeben.
jap, find ich sehr problematisch. war heute in der heute genau dasselbe – „das paar das aus kroatien stammt“…
ich hab mich dasselbe gefragt.
Also, Petra, man sieht anhand der anderen Postings: Du hast mit Deiner Einschätzung allen Anschein nach die Mehrheit der Leser hinter Dir.
Leider legt niemand seinen Standpunkt argumentativ dar.
Ich bleibe daher bei meiner These: Wenn jemand im Kontext eines Verbrechens (!) die Nationalität des Täters nennt, unterstelle ich – je nach meinem prinzipiellen Urteil über die Quelle – ausländerfeindliche Ressentiments. (Beispiel: Wenn die „Krone“ bei einem Amoklauf erwähnt, dass der Täter Türke war, weiß ich, woher der Wind weht. Wenn ein guter Freund, von dem ich weiß, dass er sein Salz wert ist, mir dieselbe Geschichte erzählt à la „Im Nachbarhaus hat ein Türke seine Frau ermordet“, unterstelle ich ihm jedoch keineswegs derartige Ressentiments, sondern dann nehme ich diese Info eben als das auf, was sie ist: als eine Info der Geschichte, die nicht notwendig ist, die aber Teil der Geschichte ist.
Das macht ihr wohl genauso, oder geht ihr bei jeder Nennung der Nationalität von Rassismus aus? Wohl eher nicht.
Beim Artikel auf orf.at hätte ich dem Autor keine ausländerfeindliche Ressentiments unterstellt, weil es sich nicht um ein Verbrechen handelt, sondern um einen Unfall. Wichtiger Unterschied.
Solltet Ihr aber mit Eurer These Recht haben, nämlich dass der Schreibende mit dieser Zusatzinfo seine Ressentiments zum Ausdruck bringen wollte, dann wünsche ich dem Autor freilich die Pest an den Hals.
Ich unterstelle hier wie da keinen bewussten Rassismus. Wohl empfinde ich die Erwähnung aber als unnötig für das Verständnis der Geschichte und vermute zumindest ein unreflektiertes bzw seltsames verhältnis zum Thema Nation. Es gibt bewusst oder umbewusst einen Grund dafür, warum der Erzähler die Information für erwähnenswert hält.
Im speziellen Fall vermute ich eher die etwas unbeholfenen Gehversuche eines Praktikanten all seine Fakten unterzubringen, so liest sich für mich auch die spätere überarbeitete Meldung („das Krankenhauspersonal musste die traurige Nachricht überbringen“ hat ja auch Null Newswert).
@Dyrnberg: Ich gebe dir recht und gehe noch weiter.
Wenn schon, dann könnte man die Geschichte an sich für unnötig erklären. Aber wenn man schon einen Chronik-Teil hat und über menschliche Schicksale schreibt, dann passt die Nennung der Volkszugehörigkeit durchaus mit ins Bild, weil die eigenen kulturellen Wurzeln für die meisten Menschen nunmal überaus bedeutsam sind und einen wesentlichen Teil der Identität darstellen.
@Tom: Ein seltsames und, wie ich meine, neurotisches verkrampftes Verhältnis zum Thema Nation habt lediglich ihr hier. Die Existenz dieses Threads belegt das hinreichend. Das betrifft auch das mutwillige Weglassen und meistens unfreiwillig komische Verschleiern der Identität mutmaßlicher Täter.
Mein Verhältnis zum Thema Nation ist gänzlich gelassen und tendentiell ablehnend. 😉
Was die Nationalität in der Meldung „Der Vater ist am Steuer eingeschlafen. Die junge Braut starb. Der Lenker ist Kroate.“ nun so überaus bedeutsam für die kulturelle Identität dieser Familie oder das Verständnis der Geschichte macht, wäre eine Frage die du klären solltest. Eine Meldung sollte sich auf das Wesentliche reduzieren, also muss diese Information irgendwie wesentlich sein – mir fällt nur einfach nicht ein warum.
Wobei in diesem konkreten Fall eh nur Gestörte daraus irgendwelche rassistischen Schlüsse ziehen können.
Wie Dyrnberg schon sagte, die Sache bei Verbrechen ist problematischer. Und da geht es mir nicht ums „Verschleiern“ oder eine Art von Zensur, sondern darum das Medien einen Fokus auf bestimmte Teile der Realität lenken und Menschen daraus erfahrungsgemäß ihre Schlüsse ziehen. Und deshalb sollte man sich auf relevantes beschränken.
Die Nationalität ausländischer Menschen wird hierbei deutlich überbetont und damit eine völlig verzerrte Wahrnehmung der Realität geschaffen. Es gibt im Sprachgebrauch seltsamerweise keine „Österreicherbanden“, wohl aber die dubiosen „Ostbanden“. Es wird auch nie betont, dass ein Drogendealer Österreicher wäre, wohl aber stetig, wenn einer aus Nigeria kommt.
Das wirkt auch weiter. Denn wenn beim nächsten Drogendealer im Bericht nichts dabei steht, denkt der geneigte Leser gar nicht mehr automatisch, dass es um Österreicher geht, sondern stellt sich einen Schwarzen vor.
Skepsis ist gerade im tendentiell ausländerfeindlichen, österreichischen Medienwesen angebracht. Das bedeutet: Hintergfragen warum sowas erwähnt wird ist absolut legitim. Jedoch: Die Unterstellung eines einschlägigen Motivs ist ein nächster Schritt, zu dem es noch ein paar weitere Umstände braucht.
Anders gefragt: Wieso steht in der Zeitung nie „Der Täter (48) hatte einen Hauptschulabschluss“. Für die Identität und Lebensumstände spielt der Bildungsgrad für gewöhnlich eine große Rolle – vermutlich eine deutlich größere als der Reisepass.
@Tom:
Was für wen wesentlich ist, ist Geschmackssache.
Wenn es um Aufklärung und objektive Information ginge, könnte man das mit öden Berichten des Innenministeriums und faden Statistiken tun und nicht über x-beliebige Räuber-und-Gendarm Geschichten. Und die besagten Berichte bestätigen darüber hinaus meist das Klischee, nämlich z.B., dass der Handel mit harten Drogen in Wien fest in nigerianischer Hand ist.
Der Chronik-Teil erfüllt eine andere Funktion, nämlich den der Unterhaltung. Der Grund für die mutwillige Verschleierung nicht-österreichischer Abstammung in der eher linken Qualitätspresse liegt meiner Meinung nach einfach darin, dass ein Teil der Leserschaft und der Journalisten Minderheiten ungern in der Täterrolle sehen. Das verdirbt einfach das tägliche Kriminalgschicht’l zum Frühstückskaffee.
Petras Überreaktion passt in das Bild meiner Interpretation. Der Stein des Anstoßes war ja offenbar ein hastiger, nur kurzfristig online gestellter Copy-Paste Job. Die Wörtchen „stammen aus Kroatien“ reichten offenbar schon, um sie zu verstören.
„Wieso steht in der Zeitung nie “Der Täter (48) hatte einen Hauptschulabschluss”. Für die Identität und Lebensumstände spielt der Bildungsgrad für gewöhnlich eine große Rolle – vermutlich eine deutlich größere als der Reisepass.“
Ich habe alle Folgen der Sopranos gesehen. An die Nennung von Bildungsabschlüssen kann ich mich nicht erinnern. Andererseits wären Mafia-Filme ohne den süditalienischen Hintergrund ziemlich öd.