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Unterhalten von WikiLeaks

Die Vorgänge um die neuen Veröffentlichungen von WikiLeaks erscheinen dubios. Ein klares Urteil ist kaum möglich. Der Unterhaltungswert steht jedoch außer Streit – ein Zeitvertreib von Michael Moser

Vielleicht liegt es an meinem schlichten Gemüt. Vielleicht auch einfach daran, dass ich gerade unter einer Attacke bösartiger Rhinoviren leide, die mich von quasi eh allem Wichtigen abhalten. Oder ich bin schlicht und einfach anspruchslos. Denn kein Medienereignis fand ich bis dato unterhaltender als die Querelen und Skurrilitäten die WikiLeaks mit Cablegate erreichte.

Wirklich erheiternd finde ich gar nicht einmal den Inhalt der bisher veröffentlichten Beiträge. Wenig spektulär, möchte man meinen. Saudi-Arabien ist dem Iran nicht besonders grün, dies dürfte interessierten politischen Beobachtern auch vor Cablegate bewusst gewesen sein. Auch der Umstand, dass österreichische Banken in der Vergangenheit eigenartige Geschäftsbeziehungen pflegten schockiert jetzt nicht über alle Maßen. Westerwelle als außenpolitisches Leichtgewicht? Surprise, surprise! Jetzt haben wir es eben schwarz auf weiß. Was sicher nicht übel ist.

Content? Langweilig!

Nein, die Inhalte der veröffentlichten Depeschen sind es nicht, die für Erheiterungsstürme sorgen. Eine Mischung aus „eh-schon-wissen“ und Tratschgeschichten, die man so auch aus dem Boulevard kennt. Umso erstaunlicher das Getöse, welches darum gemacht wird. Denn die letzten Tage boten alles, was ein ordentlicher Politthriller bieten sollte. Vielleicht mit ein Grund warum die Diskussion über Inhalte immer mehr der Diskussion über die Akteure weicht.

Vergewaltiger? Tollpatsch?

Julian Assange ist das Gesicht von WikiLeaks. Und er wird von Interpol wegen „Sex Crimes“ gesucht. Eine harte Anschuldigung, welche in deutschsprachigen Medien gerne als Vergewaltigung übersetzt wird – was natürlich dann doch abschreckend und rufschädigend wirkt.

Betrachtet man jedoch andere Quellen, so scheint es, dass er wegen eines geplatzten Kondoms zur Fahndung ausgeschrieben wird. Wir halten also fest, dass Assange mithilfe der Mitarbeiter von WikiLeaks die halbe Welt in Aufregung versetzen kann, den Umgang mit Kondomen aber nicht so richtig beherrscht. Assange ein Vergewaltiger, das Opfer von Rufmord oder schlicht ein Tollpatsch?

Versicherungswirtschaft

Jetzt könnte man meinen, der arme (oder fiese) Kerl wäre doch glatt ein Opfer. Aber machtlos ist natürlich kein „Held“. Und so gibt es – wiederum in Thrillermanier – eine Art Versicherung in Form eines verschlüsselten 1,4 GB-Files. Der Aktivierungscode wird übermittelt, sofern Assange oder den WikiLeaks-Mitarbeitern etwas passieren sollte. Was er enthält?

Ich tippe auf das Geheimnis des fünften Beatles und die Wahrheit über Waldheims Pferd. Vielleicht sind aber auch wirklich weltbewegende Geheimnisse enthalten.

Rabiate Reaktionen

Aber vielleicht schadet so eine Versicherung ja auch gar nicht. Denn gewisse Aussagen sind dann doch gelinde gesagt als rabiat (gut, das ist vielleicht nur ein Spinner) zu bezeichnen. Und wenn auf einmal von „Verräter“ und „Terrorist“ im Zuge von Cablegate die Rede ist, dann ist das schon sehr bedenklich. Ebenso wie die Blockierung der WikiLeaks-Homepage. Aber auch das gehört irgendwie zum Unterhaltungsfaktor der gesamten Geschichte.

Unterhaltung?

Ich sprach anfänglich von Unterhaltung und nichts anderes ist die derzeitige mediale Auseinandersetzung mit WikiLeaks. Man ist begierig auf neue Infos, liest eifrig ein Guardian-Leser-Interview. Dabei gäbe es viel ernstere Wege der Auseinandersetzung. Man könnte sich mit der Frage auseinandersetzen, wie transparent Regierungen sein müssten. Wie die internationale Gemeinschaft unser aller Zusammenleben gestaltet und wie sie es gestalten sollte. Diese Fragen gehen im derzeitigen Politthriller aber unter. Denn der Kampf des David gegen Goliath ist eben Emotion. Und Emotion unterhaltet.

Enthüllung

Aber natürlich gibt es auch hier noch ein kleines Detail über Julian Assange, welches von Medien meines Wissens noch nicht berichtet wurde. Denn ob der WikiLeaks-Frontman ein Vergewaltiger oder Tollpatsch ist, das klärt ein hoffentlich faires Gerichtsverfahren. Was jedoch mit ziemlicher Sicherheit feststeht: Bücher sollte man Julian Assange nicht leihen. Denn mit der Rückgabe scheint er es nicht sehr genau zu nehmen. Vielleicht eine glaubhafte Möglichkeit für die Ausstellung eines internationalen Haftbefehls?

Edit: Da die Geschehnisse um WikiLeaks mittlerweile stark auf der Popstarebene angelangt sind, gibts hier noch der Link zu einem umfassenden Porträt von Assange. Wer dann noch immer nicht genug hat, kann sich den früher geführten Blog von Assange angucken.

Foto: blatchOr, CC2.0-BY-NC-ND

Von Michael Moser

ist neben seinem Studium der Kommunikationswissenschaften in Salzburg seit einer halben Ewigkeit im Marketing tätig. Mag Piraten, das Fliegende Spaghettimonster und lange Lauftouren.

33 Antworten auf „Unterhalten von WikiLeaks“

Na ich weiß nicht, ob man das noch als harmlos hinstellen darf.

Wegen eines geplatzten Kondoms wird wohl nicht gleich die Interpol eingeschalten und der Ruf nach dem Tod von Assange von einzelnen US-Politikern ist auch nicht wirklich spaßig.

Wenn ich bedenke, dass Nazis und extreme Katholiken (kreuz.net) auf amerikanischen Servern sich herumtollen dürfen, wo Meinungsfreiheit hochgeschrieben wird, dann bin ich schlichtweg entsetzt, was gerade hier abläuft.

Danke für diesen interessanten Artikel und die damit verbundenen Links.
Wieder etwas gelernt.
Und das abschließende Statement ist gelungen.

Mal schauen, wie Österreich bei den restlichen Cables vom Fleck kommt…

Ich bin kein Journalist, aber soweit ich weiß, gelten für Journalisten gewisse Ethikregeln. Assange ist – auch wenn er das behauptet – kein Journalist und das einzige, was ihn interessiert, ist sein Ego. Man sieht das auch ganz gut in dem Interview des Guardian: er weigert sich die einzig wirklich kritische Frage zu beantworten – weil sie ihm angeblich zu lang ist.

Dabei ist die Frage, ob diese Dokumente – die, wie Du ja selber geschrieben hast (bisher?) im Prinzip nur das bestätigen, was jeder halbwegs politisch interessierte eh schon gewusst hat – es wirklich wert sind, das Vertrauen in der Diplomatie zu zerstören. Assange scheint sich mit solchen Fragen der Moral und Ethik aber überhaupt nie auseinander gesetzt zu haben.

Dass Assange offensichtlich einen pathologischen Hass auf die USA hat, hat er gerade wieder durch seine lächerliche Forderung des Rücktritts von Clinton bewiesen. Er dürfte in Zukunft aber weit größere Probleme als die Amerikaner haben. Putin ist gar nicht erfreut, dass er so bloß gestellt wurde (Notiz an Assange: in London kein Sushi essen). Dazu passend: http://www.thedailybeast.com/blogs-and-stories/2010-11-30/moscows-bid-to-blow-up-wikileaks-russians-play-by-different-rules/

Das mit dem „geplatzten Kondom“ stimmt einfach nicht. Auf der offiziellen schwedischen Website kann man klar nachlesen rape, sexual molestation and unlawful coercion: http://www.aklagare.se/In-English/

Man muss das eine und das andere bitte auseinanderhalten! Aber so zu tun, als gäbe es was wichtigeres als zwei Opfer, ist zynisch. Wenn er vergewaltigt hat, dann mögen Gerichte das klären. Und keine selbsternannte Internetjustiz, die einfach so mal ein Urteil bildet.

Danke für diesen guten Artikel. Damit hast du klar gesagt, was viele vielleicht unterbewusst denken, aber gar nicht weiter weiter verfolgen. Denn, dass die Offenbarungen lächerlicher Quatsch sind und man nun bloß einen Grund sucht, um Assange den Garaus zu machen.
Ich finde diese ganze Sache auf jeden Fall sehr spannend, wäre ein hervorragender Stoff für einen Roman geworden.

@Michael: Ob Assange Journalist ist oder nicht ist mir ehrlich gesagt egal und es tut auch nichts zur Sache. Ob es ethisch ist oder nicht Dokumente zu veröffentlichen kommt halt auf die jeweilige Betrachtung an.

Der Schaden für die Diplomatie entsteht in erster Linie aufgrund von Fehlhandlungen der Diplomatie selbst. Wenn Diplomaten ihre Stellung mißbrauchen oder zum Mißbrauch ermutigt werden, dann entsteht ein Schaden durch eine Handlung. Dem Boten – der diese Handlungen der Öffentlichkeit wie in Form von Wikileaks zur Verfügung stellt – dafür zu bestrafen halte ich für falsch.

Bsp: Der Seppl schießt ein Fenster ein. Der Franzl verrät ihn. Der Franzl ist deswegen vllt. ein Arsch, das ändert aber nichts daran, dass es der Seppl war, der das Fenster eingeschossen hat.

Die Forderung des Rücktritts von Clinton ist realpolitisch sicher utopisch. Lächerlich ist sie jedoch nicht, setzt man sie im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Auftrag an Diplomaten quasi zu spionieren. Das ist afaik (auch wenn die Trennschärfe sicher oft verschwimmt) keine Aufgabe der Diplomatie.

Die Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Diplomatie) versteht unter Diplomatie:

„Diplomatie ist die Kunst und Praxis im Führen von Verhandlungen zwischen bevollmächtigten Repräsentanten verschiedener Gruppen oder Nationen (Diplomaten). Der Begriff bezieht sich meist auf die internationale Diplomatie, also die Pflege zwischenstaatlicher und überstaatlicher Beziehungen durch Absprachen über Angelegenheiten wie Friedenssicherung, Kultur, Wirtschaft, Handel und Konflikte. Internationale Verträge werden in der Regel von Diplomaten ausgehandelt; dabei handeln diese im Auftrag und im Interesse ihrer Regierungen.“

Spionage finde ich in dieser Definition nicht.

Edit: Das manche Journalisten (http://en.wikipedia.org/wiki/Jeffrey_T._Kuhner) ethisch nicht immer einwandfrei unterwegs sind, kannst du auch in folgendem Link nachvollziehen: http://www.washingtontimes.com/news/2010/dec/2/assassinate-assange/

@Michael: Es ist Unsinn zu behaupten, Assange habe sich nie Gedanken um die Ethik und Moral seines Handelns gemacht, nur weil er andere Schlussfolgerungen gezogen hat. Er hält radikale Transparenz für eine Sache die wichtig und langfristig wertvoller als das Bewahren des heute Geheimen ist. Ich bin nicht sicher, ob das immer wahr ist und wahrscheinlich würde ich diverse Dinge anders entscheiden – aber es ist ein legitimer Standpunkt. Und nach alldem was ich über Assange (der ja nicht allein ist) gelesen habe, ist der philosophisch gut begründet und ihm nicht mal eben so beim Saufen eingefallen.

Eine Aussage wie „Die Dokumente beweisen nur, was eh jeder vermutet“ ist mir auch nicht durchdacht genug. Einerseits kaufe ich die Mär schonmal nicht, dass da nichts Neues und Interessantes drinsteht (und zwar fernab von den Tratsch und Eitelkeiten, die oft hervorgehoben werden). Es ist kein Zufall, dass sich Politologen und die besten Medien dieser Welt ausführlich mit diesem Material befassen. Und andererseits gibt es einen substantiellen Unterschied zwischen Bewiesenem und Angenommenen. Wikileaks schafft undementierbare Beweise.

@Marco:
„Das mit dem “geplatzten Kondom” stimmt einfach nicht. Auf der offiziellen schwedischen Website kann man klar nachlesen rape, sexual molestation and unlawful coercion: http://www.aklagare.se/In-English/

Wie ich im Beitrag schon geschrieben habe: Ob sich Assange des Verbrechens der Vergewaltigung schuldig gemacht hat, klärt ein hoffentlich faires Gerichtsverfahren. Die Vorgänge die zur Anschuldigung führten – die ich selbst ja auch nur aus verschiedenen Webcontent her kenne – erscheinen mir dubios. Und ob es zwei Opfer gibt klärt auch ein hoffentlich faires Gerichtsverfahren. Es ist also kein Grund gegeben, mir Zynismus zu unterstellen.

Auf der offiziellen schwedischen Website finde ich btw. auch nicht mehr als „rape, sexual molestation and unlawful coercion“ was ungefähr so aussagekräftig wie eine Überschrift ist.

„In Zeiten, da Täuschung und Lüge allgegenwärtig sind, ist das Aussprechen der Wahrheit ein revolutionärer Akt!“

@Mig: Die Vermischung von Diplomatie und Spionage ist absolut üblich. Das ist nichts schockierendes und schon gar kein Rücktrittsgrund (mach vermutlich sogar Österreich so).

@Mig, @Tom: Ich bin ja dem Neokonservativem nicht vollkommen abgeneigt. Und ich finde es schon auch Toll, dass jetzt diese ganzen Dinge ans Licht kommen. Sachen, die ich zwar schon immer (irgendwie) gewusst habe, aber die jetzt von Wikileaks „geadelt“ werden. Also das über den Iran, die „Beziehungen“ der arabischen Staaten mit dem Iran, wie Russland Georgien destabilisierte, die kriminellen Strukturen in der russischen Politik, usw..

Gleichzeitig ist mir aber auch klar, dass das so nicht geht. Das Beispiel mit dem Seppl und dem Franzl ist deswegen auch so daneben – Russland ist nicht der Seppl, dem man der Polizei anzeigen oder einfach ignorieren kann. Die USA müssen sich um gute Beziehungen mit Russland bemühen, auch wenn Russland das eine oder andere „Fenster einschmeisst“. Man muss nicht (so wie Assange angeblich) hyperintelligent sein um zu erkennen, dass sich keine guten Beziehungen zwischen den USA und Russland (bzw. anderen „problematischen“ Staaten) aufbauen lassen, wenn die Einschätzungen und Vorgänge der Diplomatie laufend öffentlich gemacht werden. Noch viel mehr gilt das bei Versuchen der Konfliktlösung, wo es oft nur darum geht, die Egos von irgendwelchen Despoten zu beruhigen und nur ja niemanden das Gesicht verlieren zu lassen.

Ich bezweifle einfach, dass Assange sich jemals Gedanken darüber gemacht hat, was die Veröffentlichung für einen Schaden anrichtet. Und ich bin verwundert, dass teile der Linken jetzt Assange applaudieren, während sie sich während der Bush-Jahre dauernd über den mangelnden Einsatz der Diplomatie von amerikanischer Seite her beklagt haben. So dürften z.B. Obamas versuche, die unter Bush abgekühlten Beziehungen zwischen den USA und Russland zu verbessern (mit dem berühmten Reset-Knopf) erst mal hinfällig sein. Und wars das jetzt wirklich Wert?

Sind PolitikerInnen wirklich so blauäugig?

Ich meine, hat Putin bis jetzt tatsächlich geglaubt, dass ihn die USA anders einschätzt als in diesen Cables steht? Und die Beziehungen zwischen USA und Rußland sind jetzt schwer gestört, weil er furchtbar gekränkt ist und nicht mehr mitspielen will?

Sind Beziehungen zwischen Staaten wirklich abhängiger von guten Manieren als das Sonntagsessen bei der Oma?

„So dürften z.B. Obamas versuche, die unter Bush abgekühlten Beziehungen zwischen den USA und Russland zu verbessern (mit dem berühmten Reset-Knopf) erst mal hinfällig sein.“
Woran siehst du das? Bis jetzt gibt es doch gar keinen „Schaden“ durch diese Veröffentlichungen.

Stimme Jakob zu. Ich kann den vielbeschworenen irreparablen Schaden an der Diplomatie bisher beim besten Willen nicht erkennen. Obamas Pläne und Errungenschaften in der internationalen Politik basieren nicht auf diplomatischer Höflichkeit sondern auf einer anders gepolten Außenpolitik.

Kein Staat gibt auch nur irgendein gewichtiges Interesse auf, nur weil er lieb gefragt wird.

Die Vorstellung, dass es keine Auswirkungen haben wird, wenn ein amerikanischer Verteidigungsminister erklärt, dass Russland eine Oligarchie der Sicherheitskräfte ist, ist absurd. Was die konkreten Auswirkungen sein werden, werden wie in den nächsten Monaten z.T. sehen. Anderes wird im Hintergrund ablaufen.

Man muss aber nur Wikileaks lesen, um zu begreifen, wie eitel manche Staatsmänner sind und was eine kleine Unfreundlichkeit für extreme Auswirkungen haben kann. Gaddafi ließ einen Monat lang Behälter mit 5,2kg waffenfähigem und instabilem Uran fast unbewacht herumstehen, nur weil er in New York nicht in seinem Zelt schlafen durfte. http://www.guardian.co.uk/world/2010/dec/03/wikileaks-cables-libya-enriched-uranium

„Die Vorstellung, dass es keine Auswirkungen haben wird, wenn ein amerikanischer Verteidigungsminister erklärt, dass Russland eine Oligarchie der Sicherheitskräfte ist, ist absurd.“

Find ich keineswegs absurd. Wobei ich nicht „keine Auswirkungen“ behaupte, sondern dass die Diplomatie daran nicht zerbrechen wird.

„Man muss aber nur Wikileaks lesen, um zu begreifen,…“

ist jetzt aber kein sehr produktives argument für dich oder?

Ich seh das ähnlich wie Tom und Jakob. „Keine Auswirkungen“ ist vllt. etwas untertrieben, aber die tatsächlichen Auswirkungen halten sich in Grenzen. In vielen Fällen ist es einfach so, dass Sachverhalte – die quasi eh die Spatzen von den Dächern gepfiffen wurden – halt endlich auch „schwarz auf weiß“ nachzulesen sind, wodurch sie halt noch eine Stufe realer werden. Das ist sicherlich ein Ärgernis, wenn man nicht an Transparenz interessiert ist oder einen Schein wahren will, aber deswegen brechen keine bilateralen Krisen auf. Der Einfluß von Cablegate wird imo einfach übertrieben.

Ein wichtiger Kitt der Diplomatie sind (und waren auch immer) wirtschaftliche Verschränkungen zwischen den Ländern. Dieser Kitt bleibt auch bestehen, wenn es zu – für manche sicher peinlich-ärgerlichen – Veröffentlichungen kommt.

Aber alles in allem halte ich es für nicht wahrscheinlich, dass sich Politiker derart in ihrem Ego verletzt fühlen das ihr persönliches Schmollen die Weltpolitik maßgeblich beeinflusst. Es gibt wichtigere Interessen als verletzten Stolz.

Wenn man so will: Es wird keine Duelle aufgrund verletzter Ehre geben – diese Zeiten sind vorbei 😉

„Man muss aber nur Wikileaks lesen, um zu begreifen, wie eitel manche Staatsmänner sind und was eine kleine Unfreundlichkeit für extreme Auswirkungen haben kann. Gaddafi ließ einen Monat lang Behälter mit 5,2kg waffenfähigem und instabilem Uran fast unbewacht herumstehen, nur weil er in New York nicht in seinem Zelt schlafen durfte.“

Also sollte man Gaddafi eine Blanko-Camping-Erlaubnis ausstellen?

@Tom: Warum soll das kein produktives Argument für mich sein? Ich hab doch geschrieben, dass es sehr interessant ist, und dass ich mich durch die Wikileaks Dokumente in Vielem bestätigt sehe. Der Neokonservative in mir wünscht sich sowieso, dass das das nicht nur alles veröffentlicht wird, sondern dass Obama/Clinton/Gates höchst persönlich vors Mikrofon tritt und dem Putin mal ordentlich seine Meinung geigt. Der Teil von mir verabscheut dieses ganze diplomatische herumeiern. Das gute Mine zum bösen Spiel in der UNO und anderen internationalen Organisationen.

Aber es ist mir halt auch klar, dass wir so auf keinen grünen Zweig kommen und dass dieses Spiel schon auch einen Sinn hat.

Natürlich kann ich nicht wissen, was genau passiert, wenn man die Höflichkeiten beiseite lässt. Aber eure Theorie, dass es nicht wirklich so viel ausmachen wird, ist einfach nur absurd. Vor ein paar Wochen mussten sich die USA (wie vorher schon die Schweiz) im UNO-Menschenrechtsbeirat von Ländern wie Lybien und Pakistan über Menschen- und Frauenrechte belehren lassen. Wenn die Formsachen für internationale Beziehungen nicht weiter relevant wären, dann hätte sich das die USA wohl kaum gefallen lassen und sich dort nicht dem entsprechenden diplomatischen Protokoll unterworfen.

@Jakob: Das war doch nur ein Beispiel um zu veranschaulichen, wie empfindlich solche Beziehungen sind und dass schon geringeres als diese Veröffentlichungen zu unvorhersehbaren Konsequenzen führt.

@Mig: Für westliche Staaten stimmt das schon, aber für den Rest nicht.

Ich habs an anderer Stelle schon geschrieben: Information unverdünnt und pur der Weltöffentlichkeit zur Verfügung stellen klingt nach einem Akt der Demokratie und der Freiheit. Gerade nach Jahrhunderten der Propaganda, Zensur, Bespitzelung, etc. Und mit Sicherheit ist an dieser Position auch etwas dran, aber: Man stiehlt sich damit auch ein Stück weit aus der Verantwortung. Nicht erst seit der Speech Act Theory wissen wir: Informationen sind Handlungen; Informationen können wehtun; können – um es mal pathetisch zu sagen – töten. Insofern wird durch die Debatte ein guter, alter Wert wieder in Erinnerung gerufen, den Wikileaks etwas vernachlässigt, will mir scheinen: die redaktionelle Bearbeitung von Informationen. Ich weiß, in manchen Köpfen wird das mit „Subjektivität“ gleichgesetzt, denn Auswahl geschieht nicht streng objektiv, und darauf muss man antworten: Ja, dem ist so, und das ist nicht schlimm, denn wer glaubt, dass das wahllose und umfassende Raufladen von Informationen uns dem alten, naiven Traum des Journalismus, die Welt so abzubilden und zu beschreiben wie sie tatsächlich ist, näher bringen wird… der irrt.

Assanges Theorie besteht ja darin, dass maximale Transparenz unterm Strich den bösen Regimen mehr schaden würde, als den guten und somit netto das Gute befördern würde.

Vermutlich hat er seine Theorien mit Hacker-Nerds besprochen und sich nicht einem breiteren, kritischen Diskurs gestellt, um diese Theorie auf Probleme abzuklopfen.

Die erste Frage, die sich stellt, ist, was das Gute ist. Aus der Sicht gläubiger Muslime sind die autokratischen Herrscher vieler islamischer Staaten, die lieber auf das eigene Wohl schauen, nichts riskieren wollen und daher die Wogen eher glätten, Verräter. Auch Putin wird vom russischen Volk häufig unterstellt, zu weich zu sein und sich zu viel vom Westen gefallen zu lassen.

Assange glaubt wohl wie der Großteil der westlichen, fukuyamaistischen Intelligenz an den Spruch aus Full Metal Jacket: „We are here to help the Vietnamese, because inside every gook there is an American trying to get out.“ oder, besser abgewandelt, dass alle Menschen in ihrem Herzen westliche Liberaldemokraten sein wollen, die nur durch Manipulation und Unterdrückung abgehalten werden.

Die Veröffentlichungen zeigen auch, dass wir bereits längst in einer multipolaren Welt leben und eigentlich zu einem gewissen Grad immer schon gelebt haben. Unipolarismus und amerikanische Hegemonie sind lediglich Zuspitzungen, die viele überschätzen.

Nicht von ungefähr fallen nun Verschwörungstheoretiker wie Webster Tarpley und andere über Assange her und unterstellen ihm von der CIA gesteuerte Desinformation zu betreiben, weil die Veröffentlichungen eben nicht das Bild der alles durchdringenden und steuernden Weltherrschaft bestätigen.

Ich würde hier noch gerne eine Frage in den Raum werfen (ich habe sie bereits an einem anderen Ort gestellt, aber keine Antwort erhalten):

Angenommen, alpendonau.info oder Wikileaks (und würde das einen Unterschied machen?) würde die Einsatzberichte des Innenministeriums betreffend der Bekämpfung von Rechtsradikalismus veröffentlichen. Wer von euch würde dieses Vorgehen verteidigen? Wer würde fordern, dass die für die Veröffentlichung zuständigen Personen zur Rechenschaft gezogen werden?

Michael, das ist ein schlechtes Beispiel, nachdem der Rechtsradikalismus in Österreich offenbar aus ein paar Hanseln besteht, die im stillen Kämmerlein Schmähschriften publizieren, die das Ziel haben, ihre Leserschaft, die sich vermutlich ausschließlich aus Antifas zusammensetzt, zu verunglimpfen.

Wie wäre es mit einer Geiselnahme von westlichen Journalisten als Szenario?

@dieter: Ich seh nicht, wie das nützliche Informationen bereitstellen könnte. Auch Wikileaks bereinigt die Dokumente da wo es geht, um Menschen nicht in Gefahr zu bringen. Und wie ich schon mehrmals angedeutet hätte: Ich würde wahrscheinlich in einigen Fällen anders als Wikileaks entscheiden.

Würde die österreichische Justiz fragwürdige Methoden bei der Bekämpfung von Rechtsradikalismus anwenden, dann wäre das hingegen durchaus etwas, was bekannt werden sollte. Nur weil ich eine politische Gruppe verachte, kann ich für sie trotzdem nicht den Rechtsstaat außer Kraft setzen. Das ist der Gag an grundlegenden, universellen Rechten, dass sie nicht willkürlich gelten dürfen. Dass das emotional bei verachteten Gruppen nicht ganz einfach ist, ist logisch.

Wikileaks mit aplendonau.info zu vergleichen ist aber imo höchst fragwürdig und eine intellektuelle Schweinerei, weil schon die politischen Ziele absolut unterschiedlicher Natur sind. Alpendonau ist eine der Verfassung entgegengerichtete Organisation mit menschenfeindlicher Programmatik. Wikileaks strebt nach Verbesserung dieser Grundordnung.

“ —— “
@dieter: Ich seh nicht, wie das nützliche Informationen bereitstellen könnte. Auch Wikileaks bereinigt die Dokumente da wo es geht, um Menschen nicht in Gefahr zu bringen. Und wie ich schon mehrmals angedeutet hätte: Ich würde wahrscheinlich in einigen Fällen anders als Wikileaks entscheiden.
“ —— “

Ich verstehe nicht, worauf du dich beziehst. Hast du mich mit einem anderen Poster verwechselt?

Eigentlich sollte Michael das Beispiel mit der Geiselnahme weiter entwickeln.

Geldflüsse, Kontaktpersonen, Geheimnisverräter, Deals mit den Geiselnehmern, usw.

Und Assange kann unmöglich wissen, welche Informationen jemanden verraten könnten.

Ich steh wohl auch auf der Leitung.

@dieter: Wikileaks ist nicht Assange. Da steht ein Team dahinter, das sich um diese Dinge kümmert. Und nicht zuletzt schließt Wikipedia ja auch Medien mit ein und sichtet/prüft mit denen das Material und sucht auch selbst noch zusätzlich das Gespräch mit den Besitzern des Materials bezüglich möglicher Gefährdungen – die USA habens in dem Fall übrigens abgelehnt. Mehr als sorgfältig zu arbeiten geht natürlich nicht.

@Tom: Das hat nichts damit zu tun, ob Methoden fragwürdig sind oder nicht. Der Großteil der von Wikileaks veröffentlichten Dokumente enthält überhaupt nichts über fragwürdige Methoden. Obwohl die veröffentlichten Dokumente von Wikileaks interessant sind, entsteht der amerikanischen Außenpolitik dadurch ein Schaden. Wobei nicht absehbar ist, wie groß oder klein dieser sein wird.

Die USA ist eine Demokratie und ein Rechtsstaat. Dazu gehört auch die Kontrollfunktion der Medien. Aber bisher hat das so ausgeschaut, dass z.B. eine Zeitung über fragwürdige Methoden des Militärs berichtet hat. Das jetzt ist aber was vollkommen Anderes – hier wird einfach Massenhaft vertrauliches Material veröffentlicht. Welches Material vertraulich ist und wann dieses veröffentlicht werden darf/muss wird durch Gesetze geregelt, die demokratisch verfasst wurden.

Es kann nicht sein, dass eine Person (Assange) oder Organisation (Wikileaks) nach eigenen Gutdünken diese Gesetze aussetzen darf. Es muss eine objektive Möglichkeit geben, missbräuchlichen Geheimnisverrat (also z.B. wie in meinem Beispiel das Veröffentlichen von Informationen über die Verfolgung von Straftätern oder politischen Extremisten) und notwendige Kontrolle der demokratischen Institutionen durch die Medien zu Trennen. Und dazu gibt es Gesetze und ob diese Gesetze gebrochen wurden wird vor einem Gericht geklärt. Deswegen bin ich auch dafür, dass Assagne vor ein amerikanisches Gericht gestellt wird und dort abgeklärt wird, ob er ein Gesetz verletzt hat oder nicht (was laut Rechtsexperten keineswegs sicher ist).

@dieter: Es stimmt natürlich, dass Rechtsextremisten in Österreich (im Moment) keine größere Gefahr darstellen. In meinem ursprünglichen Beispiel hatte ich noch dazu geschrieben, dass man sich eine Situation mit politischen Morden usw. vorstellen soll.

Es geht einfach darum sich eine Situation vorzustellen, wo eigentlich jeder der Ansicht sein sollte, dass es ein gewisses Maß an staatlicher Geheimhaltung geben muss. Und dann denke ich muss man auch zum Schluss kommen, dass es eine gesetzliche Kontrolle darüber braucht, was veröffentlicht werden darf und was nicht.

„Deswegen bin ich auch dafür, dass Assagne vor ein amerikanisches Gericht gestellt wird und dort abgeklärt wird, ob er ein Gesetz verletzt hat oder nicht (was laut Rechtsexperten keineswegs sicher ist).“

Dazu brauche ich kein Gericht, denn das hat er nicht. Aber die Informanten haben welche gebrochen.

@Tom: Das ist nicht so klar. Wikileaks wurde von den USA aufgefordert die gestohlenen Daten zurückzugeben und dazu wären sie laut Spionagegesetz auch verpflichtet. So wie ich das verstehe gibt es aber unklar, wie das auf digitale Inhalte anzuwenden ist.

Eine Gute Zusammenfassung über die Anschuldigung wegen „Molestation“ ist hier zu lesen: http://www.dailymail.co.uk/news/article-1336291/Wikileaks-Julian-Assanges-2-night-stands-spark-worldwide-hunt.html?ito=feeds-newsxml

Kurzfassung: Das mit dem geplatzten Kondom ist z.T. richtig. Es handelt sich einmal um ein geplatztes Kondom und einmal darum, dass Assagne sich trotz ausdrücklichen Wunsch weigerte ein Kondom zu verwenden. Nachdem die beiden Frauen miteinander gesprochen hatten, bekamen sie es anscheinend mit der Angst zu tun und sie gingen zur Polizei und fragten nach, ob es möglich ist Assagne zu einem HIV-Test zu zwingen. Die Polizistin, die den Fall aufnahm kam aber zum Schluss, dass ein Verbrechen vorliegt.

Einschränkend kommt aber hinzu, dass es sich bei zumindest einer der Klägerinnen um eine Art „Super-Feministin“ handelt, die außerdem auf ihrer Webseite Tips gab, wie man sich an untreuen Liebhabern rächt – inklusive „Steps to Legal Revenge“.

Wie auch immer: An Assagnes Anschuldigung, es handle sich um eine Art CIA-Verschwörung dürften wohl nichts dran sein.

Von Wikileaks wurde ein Dokument über ein Treffen zwischen Vertreten der USA, der EU und der Opposition von Simbabwe. Dabei hat Simbabwes Oppositionsführer Tsvangirai die Aufrechterhaltung von Sanktionen zur Schwächung des Diktators Mugabe befürwortet. Gegen Tsvangirai läuft jetzt eine Anklage wegen Hochverrat und für Mugabe ist das natürlich alles recht praktisch.

http://www.theatlantic.com/international/archive/10/12/how-wikileaks-just-set-back-democracy-in-zimbabwe/68598/

Das tragische daran ist, dass das Alles keine hinterhältige Verschwörung von Geheimdiensten ist. Sondern es ist die Tat einer Gruppe von naiven Idioten, die nicht verstehen, welche furchtbaren Konsequenzen ihr Handeln hat (Assagne ist nicht naiv, sondern ein Egomane).

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