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Was der Fall Strasser über Murdochs Paywall sagt

Wie die Paywall uns davon abhält, großartigen Journalismus zu sehen, zu würdigen und zu belohnen – Eine Beobachtung von Tom Schaffer

Undercover-JournalistInnen der Sunday Times filmten den ehemaligen österreichischen Innenminister und ÖVP-Europaparlamentarier Ernst Strasser bei einer sehr offenherzigen Diskussion über den Preis seiner Meinung im EU-Parlament. Da das ja mittlerweile in allen Medien ausführlich diskutiert wird, widme ich mich hier kurz einem Nebenaspekt der Causa: Der Bedeutung für Journalismus im Internet. Die Causa Strasser zeigt nämlich, was Rupert Murdochs Paywall mit tollem Journalismus anrichtet.

In erster Linie führt die Bezahlmauer der Sunday Times dazu, dass kaum jemand den Originalartikel aus der Zeitung liest. So bleibt die Information auf Abschriften in Gratis-Medien beschränkt. Was für den Text gilt, gilt auch für die Videos. Respektvolle Konkurrenzmedien werden sich zwar hüten, die zum Thema gehörenden Times-Videos selbst einzubinden, aber natürlich bleiben auch die nicht lange der englischen Zeitung vorbehalten. Innerhalb von Minuten tauchten Kopien davon auf anderen Videoplattformen auf.

Exklusivität ist Unsinn, Widerstand zwecklos

Die Exklusivität von journalistischem Content im Internet ist damit ein weiteres Mal als Hirngespinnst von alten Menschen entblöst, die die Internet-Infrastruktur nicht verstehen wollen (lieber würden diese gefährlichen Leute sie über politisch-wirtschaftlichen Einfluss ändern). Für das Funktionieren von Paywalls ist einzigartiger Inhalt eine wichtige Voraussetzung. Der Effekt der Paywall in der Wirklichkeit ist also: Jeder bekommt mit, was passiert ist, aber kaum jemand liest die Arbeit der Times zum Thema. Das muss journalistisch unbefriedigend sein, denn die großartige Arbeit der Times-JournalistInnen wird so nicht gewürdig. Auch dem Blatt selbst entgeht dadurch ein Prestigegewinn bei den LeserInnen.

Wirtschaftlich dürfte das Murdoch-Imperium bei solchen Fällen ebenfalls auf der Nase landen. Ich bezweifle, dass viele Menschen aufgrund dieses Berichtes ein Abo mit der Times abschließen. Und weil man anders ja nicht darauf zugreifen kann, entfallen auch die Werbeeinnahmen durch erhöhten Verkehr auf der Seite. Wäre diese Untersuchung zum Beispiel im Guardian erschienen, hätten alle Twitteranten, Facebooker und auch das ein oder andere österreichische Medium einen Link auf die britische Seite gesetzt. Zehntausende Menschen hätten draufgeklickt und so Geld in die Kassen der Times gespült – gäbe es dort einen Flattr-Button, hätten viele vielleicht sogar ein paar Dankes-Cents dortgelassen. Doch die Bezahlmauer und das im Printmedienmachen steckengebliebene Denken der Geschäftsführer verhindert das.

Die New York Times steigt auch um

Bei der Sunday Times ist all dies ein Experiment ohne Opfer für mich persönlich, hat die Einführung der Paywall doch nichts an meinem Medienverhalten verändert. Doch auch die New York Times, meine liebste amerikanische Nachrichtenseite, wird in den kommenden Wochen auf ein Bezahl-Modell umsteigen. Das System dort ist klüger und reagiert zumindest auf die Kritikpunkte, die ich hier genannt habe. UserInnen dürfen noch bis zu 20 Artikel im Monat lesen, bevor sie zahlen müssen. Das erhält die Möglichkeit, verlinkt und gelesen zu werden und so bei Exklusivgeschichten vom Besucherstrom zu profitieren.

Ob das System deshalb insgesamt angenommen wird, bleibt abzuwarten. Gut möglich, dass viele Menschen für aktuelle Nachrichten einfach zu anderen Medien surfen, und sich ihr Artikelguthaben für besonders interessante Geschichten aufsparen, die es nur bei der Times gibt. Die Frage ist dann nicht nur, ob die Zahl-Abos die permanenten Werbeausfälle kompensieren, sondern ob die Gesamteinnahmen gesteigert werden können. Ein Nullsummenspiel oder ein nur kleiner Zugewinn wäre eine Niederlage für die Geschäftemacher. Eine Paywall kostet Reichweite, Einfluss und widerspricht der Idee von frei zugänglicher Information. Abseits der damit einhergehenden Kosten ist das ein hoher Preis.

All die Energie und Mittel, die in diese Bezahlschranken gesteckt werden, wären in den Aufbau eines medienübergreifend-gemeinsamen, Flattr-artigen Services besser investiert.

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Fotocredits: twicepix, CC2.0 BY-SA

Von Tom Schaffer

ist Journalist, studiert Politikwissenschaft in Wien und ist der Gründer von zurPolitik.com, ballverliebt.eu und rebell.at.

43 Antworten auf „Was der Fall Strasser über Murdochs Paywall sagt“

ja, gebe dir recht. hab in dem strasserfall sehr gerne das eine pfund gezahlt, da so eine gute arbeit belohnt gehört.

die bezahlmauer ist ein relikt des 20 jhd. und wird hoffentlich bald der vergangenheit angehören.

PS: erinnere dich an unsere diskussion über apple und warum ich das damals schon für gefährlich hielt (und immer noch tue) 🙂

ich hielts im prinzip ja auch immer für gefährlich, behaupte nur nach wie vor, dass es apple damit nicht zu einem allgemeinen paradigmenwechsel schafft, weils ein nischenproduzent ist. 😉

Das Paradoxe in der Webwelt ist ja, dass es zu einer Konzentration kommen muss, um etwas zu bewirken bzw. zu erreichen. Wenn es hunderte facebook-Ableger gäbe, gäbe es nicht diesen Hype und würden sich die Medien nicht darauf einschießen. Youtube, amazon, iTunes und natürlich google sind die Key-Players. Yep. Es führt kein Weg vorbei, an diesem globalen Flattr-Service – wobei auch das wiederum eine Konzentration bedeutet. By the way, ich schätze, für konservative Web-User ist eine Paywall nichts Anstößiges.

also: die causa #strasser hat eindeutig gezeigt, dass murdochs paywall-system nicht funktionieren kann. zwei drei menschen zahlen 1 pfund für die geschichte, saugen das wesentliche runter, verteilen über twitter, youtube, etc.

das bringt niemandem was.
1. den journalisten nix, weil ihre story nur mehr in fetzen beim leser landet und sie außerdem nicht die aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen, weil kaum jemand die originalquelle anguckt. mehr geld kriegt der journalist auch nicht.

2. dem medium nix, weil über werbung oder zb. durch spenden viel mehr geld reinkäme.

3. den anderen medien auch nix, weil der weg zur originalquelle zeit kostet, die sich kein (internet)medium leisten kann. der pfund wäre egal, es geht um die mühsame zeitintensive contentbeschaffung.

ich hab heute übrigens mehrfach versucht über die sunday times die videos für derStandard.at einzukaufen. meine anfrage wurde per mail nicht beantwortet, über das fon war niemand von der syndication-abteilung erreichbar. aktueller stand: unbekannt hat die videos auf youtube geladen, die pösen von kurier und profil haben das eingebaut, die braven von derStandard.at haben auf die youtube-videos „nur“ verlinkt.

hätten die sunday times gleich alles offen gelassen, den embed-code zum einbau für alle anderen online-medien angeboten, vor den videos werbung reingeknallt, hätten sie jetzt mehr pfunde für ihre journalisten, die glücklich noch mehr korrupte MEPS abschießen könnten.

wenn murdoch will, dass es funkt, muss er:
1. einen stärkeren kopierschutz einbauen
2. twitter einkaufen und abschalten.

mein rat: let it be, alter sack.
lgr

Ich finde diese Meinung, alle Info müsse offen und gratis sein, als Internetjunkie ja prinzipiell unterstützenswert, allerdings ist mir im Verlauf der vergangenen Jahre auch immer mehr aufgefallen, dass diese Art der Informationsbeschaffung und -verbreitung durchaus auch problematisch ist. Ja, User umgehen zu bezahlenden Content, ist ja auch kein Problem, denn, wie Tom Schaffer richtig schreibt, andere Medien verbreiten dieselben Inhalte ohnehin und, im angesprochenen Fall Strasser, finden sich natürlich auch die Videos sehr bald im Netz. Wozu also bezahlen? Genau darin liegt aber auch die Gefahr, denn wenn auf Dauer mit gutem Journalismus nur mehr wenig bis kein Geld zu verdienen ist, so ist der Anreiz auch immer geringer, der Öffentlichkeit einen solchen (für offene Gesellschaften extrem wichtigen) Dienst anzubieten.

Ich habe dafür einige Beispiele, die ich bitte nicht als persönliche Kritik an irgendjemandem verstanden wissen will:
– Zunächst wäre da einmal der Online-Standard, bei dem ja auch der Autor obiger Zeilen arbeitet, soweit mir bekannt ist. Als Auslandsösterreicher lese ich den Standard seit Jahren, er ist sozusagen meine Hauptinformationsquelle für heimische Politik, doch ich meide auch die internationale Politik oder den Sportteil nicht. Was mir immer mehr auffällt, ist dass sich die Seite in den vergangenen Jahren immer mehr zu einer copy-past Einrichtung verwandelt, teilweise werden unterschiedliche Agenturmeldungen zusammengefügt, oft wiederholt sich die selbe Information in einem Artikel mehrfach. Man merkt, es wird of schlampig und schnell gearbeitet. Der Inhalt ist auch nicht so wichtig, es geht ja darum, möglichst viele Klicks zu generieren.
– Ähnliches findet sich auch immer mehr in Printmedien. Da ist einerseits der Trend zur Regionalisierung von Zeitungen, den überregionaler Journalismus ist teurer. Andererseits gibt es immer mehr Gratiszeitungen (als Beispiel heute in Wien), die ja auch nichts anderes machen, als Inhalte aus dem Web schnell aufzubereiten und durch Werbung Profit zu generieren. Investigativer Journalimus bleibt auch hier auf der Strecke.
– Der Trend zum Onlinejournalisten der die meiste Zeit vorm Computer sitzt, Info zusammenträgt und dann weitergibt ist aus meiner Sicht auch insofern bedenklich, als ja irgendjemand die Originalinformation einmal erzeugen muss. Die NYT ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass nicht einfach Meldungen übernommen werden, sondern so gut wie jeder Artikel (natürlich gib es Ausnahmen) selber vor Ort recherchiert wird. Die Onliner leben genau von diesem Qualitätsjournalismus, die Frage ist nun eben, wie kann man die Leute auch entsprechend finanzieren? Die NYT etwa kämpft seit Jahren ums Überleben, ein Mitgrund warum der Herausgeber wie schon vor einigen Jahren noch einmal versuchen möchte, mehr Geld durch den Verkauf der Onlineausgabe zu generieren.

Ich lese gerne Blogs, Onlineinhalte von Zeitungen, bin auf Twitter, etc. und ich teile die Meinung von Tom Schaffer, dass diese Werkzeuge wichtige und mächtige Werkzeuge für die schnelle Verbreitung von Information sind. Wenn jedoch ein immer grösserer Teil der Journalisten nur mehr voneinander abschreibt, zusammenfügt und gegebenenfalls kommentiert, weil somit am schnellsten und günstigsten Geld zu verdienen ist, besteht die Gefahr, dass niemand mehr willens ist, neue Inhalte zu erzeugen. Wir brauchen Leute, die etwa in Libyen unterwegs sind, um nicht einfach die Propaganda der einen oder anderen Seite auf den Leim zu gehen. Oder auch solche, die einen Ernst Strasser auflaufen lassen. Man kann gegen Bezahlinhalte im Internet sein, aber wie kann man sicher stellen, dass diejenigen, die viel Zeit und Geld in eine Geschichte stecken, schlussendlich auch davon profitieren, und nicht die vielen anderen, die vor dem Computer sitzen und abschreiben? Einerseits geht das sicher über öffentliche Gelder (etwa BBC oder AJE), allerdings möchte ich eine NYT oder den Economist auch nicht missen.

*“Was mir immer mehr auffällt, ist dass sich die Seite in den vergangenen Jahren immer mehr zu einer copy-past Einrichtung verwandelt, teilweise werden unterschiedliche Agenturmeldungen zusammengefügt, oft wiederholt sich die selbe Information in einem Artikel mehrfach. Man merkt, es wird of schlampig und schnell gearbeitet. Der Inhalt ist auch nicht so wichtig, es geht ja darum, möglichst viele Klicks zu generieren.“*

Du hast vielleicht den Eindruck, aber wahr ist vielmehr das Gegenteil. In den letzten Jahren wurde immer mehr in Eigengeschichten und Qualitätssicherung investiert und die Redaktion dafür vergrößert. Der Anteil an Agenturmeldungen wird kontiuierlich zurückgedrängt.

*“Die Onliner leben genau von diesem Qualitätsjournalismus, die Frage ist nun eben, wie kann man die Leute auch entsprechend finanzieren? Die NYT etwa kämpft seit Jahren ums Überleben, ein Mitgrund warum der Herausgeber wie schon vor einigen Jahren noch einmal versuchen möchte, mehr Geld durch den Verkauf der Onlineausgabe zu generieren.“*

Die Gefahr für die NYT ist imo viel eher, dass dieser Versuch das Onlinemedium killt.

*“Wenn jedoch ein immer grösserer Teil der Journalisten nur mehr voneinander abschreibt, zusammenfügt und gegebenenfalls kommentiert, weil somit am schnellsten und günstigsten Geld zu verdienen ist, besteht die Gefahr, dass niemand mehr willens ist, neue Inhalte zu erzeugen.“*

Das ist aber eine sich selbst ausschließende Problematik. Wenn niemand mehr selbst schreibt, hat niemand was zum Abschreiben. Folglich muss irgendwer wieder losgehen und was produzieren.

*“Man kann gegen Bezahlinhalte im Internet sein, aber wie kann man sicher stellen, dass diejenigen, die viel Zeit und Geld in eine Geschichte stecken, schlussendlich auch davon profitieren, und nicht die vielen anderen, die vor dem Computer sitzen und abschreiben?“*

Wie ich schon sagte: Indem man intelligentere Mittel zum Geldverdienen findet. Etwa durch einen Micropayment-Dienst, der die Offenheit unterstützt und seine Funktionsweise anerkennt, statt sie zu bekämpfen. Oder durch Spenden, Stiftungen, Werbeeinnahmen und öffentliche Förderungen.

Kurz und knapp: Über die Art und Weise, wie sich Qualitäts-Journalismus schon immer finanziert hat. Was glaubst du, wie viel du beim Kauf einer Zeitung um zwei Euro für Journalismus ausgibst? Ob da wohl doch 10 Cent in der Redaktion landen, wenn Vertrieb, Produktionskosten, Verwaltung und Marketing erstmal bezahlt sind? 😉

Ich habe leider nicht die Zeit, einen längeren Kommentar zu verfassen und auf alle wesentlichen Aspekte einzugehen. Nur kurz eine Antwort:

Tom Schaffer schrieb: „Was glaubst du, wie viel du beim Kauf einer Zeitung um zwei Euro für Journalismus ausgibst? Ob da wohl doch 10 Cent in der Redaktion landen, wenn Vertrieb, Produktionskosten, Verwaltung und Marketing erstmal bezahlt sind?“

Ja, bei einer Qualitätszeitung fließen mehr als 10 Cent in die Redaktion. Genau das ist der Unterschied zwischen Heute und beispielsweise der New York Times. Hier etwa ein Interview mit Bill Keller, dem Chefredakteur der NYT: http://brodnig.org/2010/12/01/rupert-murdoch-will-uns-umbringen%E2%80%9C/

hi Florian,
danke fürs feedback. ad copy paste bei derStandard.at: ich kann dir versichern, dass das schon viel ärger war und dass wir im vergleich zu früheren jahren viel mehr eigengeschichten haben. möglich wurde das in diesem fall durch werbung, die immer mehr geld gebracht hat, was einen ausbau der redaktion möglich machte.

für online würde ich mir in österreich konkret eine staatliche presseförderung wünschen. das würde schon helfen, denk ich. damit würden zumindest im onlinebereich mehr möglichkeiten für investigativen journalismus geschaffen werden.

@Ingrid

ist zwar ein sehr interessantes interview, aber wo steht da, wieviel geld in der redaktion ankommt vom verkaufspreis? Die NYT kostet aktuell 2 dollar bzw 1,5 euro am tag – im abo weniger. sie hat knapp über 1 mio verkaufte auflage. wie willst du mir erzählen, dass da nach abzug aller anderen kosten (layout, material, arbeitsmittel, druck, vertrieb, marketing, verwaltung, CEOs…) noch ein signifikanter, unersetzbarer teil des verkaufspreises zur finanzierung einer über 1200 köpfe starken redaktion beiträgt?

Das bestreitet keiner. Du redest am Thema vorbei. Wie kommst du auf die Idee, dass eine Zeitung die 1,5 Euro kostet (also soviel wie der Standard) diese enormen Kosten über den Preis deckt? Das ist die Antwort, die du geben musst, wenn du behauptest, der Preis wäre unverzichtbar.

Nein, ich rede nicht am Thema vorbei. Qualitätszeitungen finanzieren sich – im Gegensatz zur Gratiszeitung Heute – natürlich auch über den Verkauf der Printausgabe.

Eine normale Printzeitung finanziert sich über zwei Quellen: Verkauf und Werbung (in Österreich kommt noch die dritte Quelle, die Presseförderung, hinzu). Natürlich wird sehr viel des Geldes für den Druck und den Versand ausgegeben. Aber wenn ich als Printjournalistin mein Gehalt aufs Konto überwiesen bekomme, dann liegt das auch daran, dass Menschen die Zeitung gekauft haben. Ohne diese Einnahmen würde zum Beispiel der Falter nicht existieren.

@ingrid was ware schlimmer für den falter: wegfall der verkaufseinnahmen, wegfall der förderungen (graz) oder wegfall des visa-magazins?
ich tippe eher auf die letzteren punkte.

Ingrid, du argumentierst ständig für die Finanzierung eines Printmediums, nicht des Journalismus. Dass du als Printjournalistin beim Falter nichts verdienen würdest, wenn er in der aktuellen Auflage nichts kosten würde, das bestreitet ja keiner.

Autsch. Da wird aber sehr viel simplifiziert, um ordentlich zuspitzen zu können. „Ich bezweifle, dass viele Menschen aufgrund dieses Berichtes ein Abo mit der Times abschließen.“, das glaubt niemand. Aber sogrund vieler solcher Berichte machen das die Rezipienten schon. Das macht nämlich die Qualität eines Mediums aus. Und die will finanziert werden. Bei aller Einmahnung von Offenheit und Verlinkbarkeit muss doch auch auf die normative Kraft der Wirtschaftslichkeit hingewiesen werden. Und hier gibt es aus der Online-Welt nur wenige gute, ausfinanzierte Beispiele aus dem Bereich Qualitätsjournalismus. Und auch in diesem Beitrag werden keine genannt. Schade. Wirtschaftslichkeit ist ein Eckpfeiler journalistischer Unabhänigkeit. In diesem Sinne zu experimentieren ist legitim. Und auch damit zu reüssieren oder auf die Nase zu fallen. Ich denke, wir brauchen diese Versuche, um zu erkennen, was Online Sinn macht. In diesem Sinne läßt sich der Medien-Fall Strasser auch als Dienst für Qualiätsjournalismus lesen.

„für online würde ich mir in österreich konkret eine staatliche presseförderung wünschen. das würde schon helfen, denk ich.“ das kann doch nicht die meinung eines journalisten sein, geld von jenen haben zu vollen, über die kritisch berichtet werden soll. das gleicht einer fantasielosen selbstaufgabe.

Natürlich rede ich über Print, weil sehr viel Recherche dort stattfindet – insbesondere der teure investigative Journalismus. Es gibt schon ein paar tolle Ausnahmen, wie investigative Berichterstattung im Netz funktionieren kann. Allgemein muss man aber feststellen, dass sehr viele Onlinemedien Verluste machen, dass Onlinejournalisten oft nur Copy-Paste anwenden, weil ihnen die Zeit für Recherche fehlt. Der Standard ist da eine positive Ausnahme, dort gibt es auch eigene Recherchen und die Online-Ausgabe ist profitabel. Gratuliere Euch dazu!

Trotzdem ist die Frage noch immer ungeklärt, wie Qualitätsjournalismus im Web finanziert werden kann. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass die Zeitung eines Tages digital erscheinen wird (anstatt in Print). Nur der Weg dahin ist die große Herausforderung. Es ist zu einfach, nur über die Herausgeber zu schimpfen, die sich an ihrem bestehenden Geschäftsmodell online festkrallen wollen. Sie krallen sich daran fest, weil sie Angst haben – und weil sie noch nicht wissen, wie ein neues Geschäftsmodell im Netz aussehen könnte.

Du sagst, der Falter könnte auch online überleben. Vielleicht könnte er das. Wahrscheinlich wird er das eines Tages, glaube ich. Aber es ist verdammt gewagt, zum derzeitigen Zeitpunkt zu behaupten, online ist die Finanzierung von gutem Journalismus total easy.

@Ingrid
*“Sie krallen sich daran fest, weil sie Angst haben – und weil sie noch nicht wissen, wie ein neues Geschäftsmodell im Netz aussehen könnte.“*

Das werden diese Leute auch nicht mehr herausfinden in ihrem Leben. Weil sie mehr Angst als Ideen haben.

*“Aber es ist verdammt gewagt, zum derzeitigen Zeitpunkt zu behaupten, online ist die Finanzierung von gutem Journalismus total easy.“*

Total easy is gar nix. Total easy is das anscheinend auch offline nicht, sonst bräuchte der Falter nicht 300.000 Euro Förderung um ein Zwei-Kopf-Außenbüro in Graz unterhalten zu können. Mit 300.000 Euro Förderung könnt ich dieses Blog ganz schön aufblasen, das sag ich dir schon. 😉

@Alvy

*“das kann doch nicht die meinung eines journalisten sein, geld von jenen haben zu vollen, über die kritisch berichtet werden soll.“*

Eh nicht. Öffentliche Förderungen kommen von Steuerzahlern, nicht vom Politikern. Aber wenn du die ablehnst, musst Print-Journalismus in Österreich allgemein dichtmachen. Kein einziges Medium würde hier dann erscheinen.

Diesen Sätzen von Alvy Singer kann ich mich nur anschließen:

„Wirtschaftslichkeit ist ein Eckpfeiler journalistischer Unabhänigkeit. In diesem Sinne zu experimentieren ist legitim. Und auch damit zu reüssieren oder auf die Nase zu fallen. Ich denke, wir brauchen diese Versuche, um zu erkennen, was Online Sinn macht.“

Presseförderung ist aber als Mittel und in der Vergabe umstritten. Und zwar völlig zu Recht. Dieses Mittel ist nichts vorauf wir als zukunfsweisendes Modell stolz sein können. Vielmehr ist es äusserst sonderbar, dass bei uns nur wenige bis keine Medien wirtschaftslich unabhänig agieren können.
„Öffentliche Förderungen kommen von Steuerzahlern, nicht vom Politikern. “ jajaja. Das ist den Parteien und Politikern ins Stammbuch zu schreiben. Und zwar immer wieder.

Das Andreas Unterberger Modell scheint ja zu funktionieren und zwar mit einer semi-permeablen Paywall.

quelle? die times ist von über 21 millionen auf 2,7 millionen unique clients geschrumpft. wie man die wegfallende werbeerlöse von 19 millionen unique clients mit laut eigenen angaben 100.000 zahlenden kunden (davon 50.000 leute mit monatsabo (das nicht einmal 30 pence pro Tag kostet)) kompensieren will, musst du erstmall schlüssig beweisen. selbst wenn man an 19 mio clients nur 3 impressionen mit 3 werbeflächen mit einem tkp von 3 euro ausliefern kann, bringt das bereits mehr ein als die 50.000 abonennten.

wenn die strategie für tragfähigen onlinejournalismus ist, dass man erstmal 90% der eigenen leser nicht mehr weiter informieren will, verläuft sich die idee ein bisserl im dünnpfiff…

Mag sein, dass ich da falsch liege, aber: Hat nicht der Spiegel mit Wikileaks die höchste je verkaufte Nummer gehabt? Und die Artikel waren alle gratis und online erhältlich. Trotzdem habens die Leute gekauft. Glaube nicht, dass wesentlich mehr Menschen das gekauft hätten, wenns paywall-mäßig „geschützt“ worden wäre (jaja, wir werdens nie erfahren usw.)

Ich empfehle zur Debatte das Video Wolfgang Blau – Die sieben Mythen der Debatte um Qualiätsjournalismus

„Wolfgang Blau (Chefredakteur Zeit Online) bei der Anhörung des Bundestagsausschusses Kultur und Medien am 23. Februar 2011 in Berlin“

Das ganze stammt aus einem ExpertInnen-Gespräch im Bundestag. http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2011/33462205_kw08_pa_kultur_medien/index.html

@Yilmaz Gülüm: Die kompletten Wikileaks Titelstory war vor der Printversion online für jedeN verfügbar und die Leute haben es trotzdem gekauft …

Die Paywall der Times ist ein laufendes Experiment – auch wenn man der Idee gegenüber abgeneigt ist, muss man diese Zahlen doch etwas näher ansehen. Um einen Journalisten der BBC zu zitieren:

„Now, once you try to work out what the size of the Times online audience was before the paywall went up you enter the murky world of web statistics. So by one measure, which looks at traffic to a website, the Times used to have a global audience of more than 20 million a month. But Nielsen, which uses a panel to measure web audiences much as it does with television viewers, reckons the true figure in the UK was 3.1 million.

So if we assume that much lower figure is accurate then the Times has suffered a drop in its online audience of more than 90%. But those who remain will be more valuable to advertisers – a study by Nielsen found they were reading more of the paper and tended to be better off than the passing trade which used to skip through the free website.“ (Quelle: http://www.bbc.co.uk/blogs/thereporters/rorycellanjones/2010/11/times_subscribers_news_from_behind_the_paywall.html)

Ich bin selbst auch skeptisch, was die Paywall der Times betrifft. Aber wie schon mehrfach gesagt: Die Enthüllungen im Fall Strasser beweisen in meinen Augen, warum guter Journalismus uns ein bisschen Geld wert sein soll. Es waren eben ausgerechnet Journalisten der Sunday Times, die die Geschäfte des ehemaligen Innenministers aufdeckten.

Ich hätte den Artikel sicher gelesen, weiterempfohlen und geflattrt, hätte die Möglichkeit bestanden.

Die Frage ist eben nicht, ob und Qualitätsjournalismus etwas wert sein sollte oder nicht. Mir wird sowas immer was wert sein. Für den Journalismus geht es darum, wie man die meistmöglichen Menschen bestmöglich informiert und wie man das finanziert.

Die Times hat den ersten Punkt auf jeden Fall nicht mehr berücksichtigt. Den zweiten hat sie blendend erfüllt – aber nur für die übriggebliebenen LeserInnen. Und dass sie beim dritten Punk besser aussteigt, muss mir erstmal wer beweisen, denn ich bezweifle es massiv.

Du hättest den Artikel gelesen und geflattrt, hätte die Möglichkeit bestanden. De facto bestand die Möglichkeit, ein lächerliches Pfund auszugeben und es zu lesen. Ich weiß schon, dass der Kern deiner These ist, dass die Leute eben nicht diese eine Pfund ausgeben.

Ich glaube, wir reden seit Stunden aneinander vorbei, weil es dir darum geht, wie blödsinnig es ist, dass die Sunday Times diesen einen Pfund verlangt. Und mir geht es darum, wie tragisch es ist, dass wir darüber diskutieren müssen, ob man für eine großartige Recherche ein lächerliches Pfund zahlt.

*“Ich weiß schon, dass der Kern deiner These ist, dass die Leute eben nicht diese eine Pfund ausgeben.“*

Sie zahlen sicher nicht 1,5€ bevor sie wissen, ob es überhaupt um „großartige Recherche“ geht. Und dann noch zusätzlich der Times meine persönlichen Daten und meine Werbecookies zu überlassen? Fuck it.

Du betrachtest den Vorfall generell zu isoliert auf den einen Strasser-Artikel. Wenn ich nämlich drei tolle Stücke Journalismus am Tag lesen möchte (was einen ziemlich schlechten Tag im Web darstellen würde), dann wird so ein „lächerliches Pfund“ ganz schnell zum Problem. Das passt nicht einmal ansatzweise mit der Realität des Internets zusammenpasst, wie wir es kennen und wie ichs weiter haben will.

Wenn jeder Medienmacher auf dieses gierige Hirnlos-Paywall-Modell setzen würde, dann würden wir im Internet plötzlich dazu genötigt, für den Klick auf drei Artikel (bei höchstwahrscheinlich drei unterschiedlichen Medien) mehr zu zahlen als heute für ein ganzes Monatsmagazin, das geschrieben, gelayoutet, gedruckt, beworben, verladen und uns von einem echten Menschen zut Tür geliefert wird. Das ist schlichtweg absurder Mist. (wieder: noch mehr unter Berücksichtigung, dass ich VORHER nicht wissen kann, ob das Zeug was wert ist)

Es geht NICHT darum, dass ich großartigen Journalismus nicht auch finanziell belohnen möchte und das auch anderen empfehlen würde. Das will ich ausdrücklich, weshalb ich unheimlich gern einen flattr-Button dort und an vielen anderen Stellen hätte um diese Idee zu popularisieren. Dann zahl ich gern dort soviel ein, wie heute für ein Zeitungsabo, und verteil das unter den tollen Sachen. Dann sollen BloggerInnen, JournalistInnen und andere MedienmacherInnen mit aller Großartigkeit um meine Klicks zu meinem persönlichen Medienabo rittern.

Es geht im Endeffekt darum, dass das worüber wir hier sprechen, kein „lächerliches“ sondern ein „gefährlich beschissenes“ Pfund ist.

ich finde die Debatte echt spannend. und würde gerne wissen, wie die Diskutanten ihr Geld verdienen.
in der Vorstellung der einen soll sich Journalismus, nochdazu qualitativ hochwertiger, durch Spenden von erfreuten Lesern finanzieren. aha. und wenn der Artikel nicht die Meinung des Lesers widerspiegelt, dann gibt’s kein Geld?
wer von euch will, dass seine Existenz (also Arbeitgeber, Job, Kohle) vom Goodwill anderer abhängt?
ein Friseur, den ich nur zahle, wenn mir die frisur gefällt, wird sich schön bedanken. und bei qualitätsjournalismus soll das die Zukunft sein?
Bravo.

Ich arbeite als freier Journalist für derStandard.at. Der finanziert sich schon ganz ohne Spenden erfolgreich über Werbung.

Spenden wären meiner Einschätzung nach ein mögliches, zusätzliches Standbein zur Finanzierung von Qualitätsjournalismus im Internet. Die Betonung liegt auf „zusätzlich“. Die weiteren Standbeine habe ich schon genannt: Werbung, Stiftungen, Förderungen und andere.

Zu deiner Skepsis bei Spenden: Das ist freilich nicht von der Hand zu weisen, aber ich warne davor, zuviel Angst vor Dummheit und Ignoranz zu haben. Meistens unterschätzt man die Menschen damit. Meiner Erfahrung nach schätzen Menschen durchaus Qualität, auch bei Dingen die sie vielleicht nicht gerne hören.

Im Prinzip ändert sich in dieser Hinsicht nicht viel. Mit Texten, die niemand schätzt, hast du noch nie Geld verdient und wirst es auch nie. In einer pluralistischen Gesellschaft ists aber unwahrscheinlich, dass man niemanden findet, der Dinge ähnlich sieht.

Ein Friseur bietet ein anderes Produkt als ein Journalist an, vor allem kein virtuelles. Ich kann mich gekränkt einkugeln, der alten Welt des Papiers nachweinen und trotz des offensichtlichen Unterschieds solche hinkenden Vergleiche anstellen, oder ich kann damit leben und umgehen.

ich sprach nicht von texten, die niemand schätzt, sondern von texten, die eher randthemen behandeln. die können qualitativ bester journalismus sein, viel geflattr wird sich damit nicht machen lassen (vgl. content engines, wo tws. angedacht sein soll, die journalisten nach clicks auf ihre texte zu bezahlen).
soll guter journalismus sich künftig also (noch mehr) am mainstream orientieren (weil sich damit geld verdienen lässt)? ist das die aufklärung in der postmoderne? dann haben wir die moderne tatsächlich hinter uns gelassen.

nein, ich glaube nicht, dass du dieser meinung bist. und ja, nicht alles was hinkt, ist ein vergleich. aber stell den vergleich statt mit friseuren mit rechtsanwälten an, die verkaufen laut deiner definition wohl auch „virtuelle“ güter. besser verständlich? 😉

ein bisschen sentimental darf man schon sein, wenn das gute alte papier in die jahre kommt. einkugeln ist sicher der falsche weg, stimmt. aber: nicht jede entwicklung, die das internet bringt (gratis info über alles für alle immer und überall), muss man beklatschen.
derstandard hat rechtzeitig aufs richtige pferd gesetzt und sich online eine stellung erarbeitet, die bemerkenswert ist. gratulation. aber nur weil ein medium das geschafft hat, darf man nicht dem irrglauben erliegen, dass dies für alle medien so machbar ist. ist es nämlich nicht. und für die meinungspluralität ist es sicher wünschenswert, wenn die ohnehin schon ausgedünnte medienlandschaft nicht noch weiter schrumpft.

*“soll guter journalismus sich künftig also (noch mehr) am mainstream orientieren“* – mir muss das an randthemen orientierte, finanziell erfolgreiche superqualitätsmagazin entgangen sein, das du bisher anscheinend gefunden hast. 😉

es war immer so, dass qualitätsjournalismus querfinanziert wurde, weil er für sich selbst viel zu teuer ist.

viel gefährlicher für den qualitätsjournalismus als das internet, sind deshalb leute die medien nur als herkömmliches investitionsprodukt mit möglichst hoher rendite betrachten. eben solche, die mit dem auge auf den profit gerichtet lieber für 50.000 leute schreiben, als für jeden den es interessiert.

das internet mit seinen enorm niedrigen publikationshürden, offenen werbeplattformen und einfachen spendenmöglichkeiten macht uns potentiell so unabhängig von diesen leuten wie nie zuvor. vor diesen entwicklungen sollten nicht die journalisten, sondern die heuschrecken angst haben. journalisten werden weiterhin gebraucht, sie müssen nur ihr berufsbild adaptieren.

dass deshalb alles eitel wonne und supereinfach ist, ist klarerweise nicht gesagt. die lage ist kompliziert, verlangt auch das nehmen von risiken. in der verklärung der vergangenheit, ist aber niemandem geholfen.

die paywall ist in jeder hinsicht der verzweifelte schritt zurück.

Ich würde gerne zwei Sachen ergänzen:

a) ein paar neue Online-Abonnenten sind schon ein toller Erfolg. Die meisten Paywalls dienen heute eh nur dazu, den Print-Abonnenten das Gefühl zu geben, sie würden wertvollen Online Content kostenlos dazukriegen 😉

b) Der Imagegewinn ist nicht auf das Internet beschränkt. Die Videos kamen bestimmt auch im Fernsehen mit der Einblendung der Quelle. Der Imagegewinn dort dürfte auch enorm gewesen sein. Ich weiss nicht, ob die Times das Internet wirklich bräuchte …

(Ansonsten stimme ich aber voll zu. Paywalls sind Kacke und die Zeitungsverlage hätten schon lange ein gemeinsames Zahlsystem machen sollen. Aber freiwilliges Payment wird nicht funktionieren. Die Menschen sind Lauschepper! Die labern auch alle über wie viel Prozent mehr sie für Null-Atomstrom zahlen würden. Dabei kann man das schon lange kaufen und es kostet weniger als die meisten vorgeben maximal mehr bezahlen zu wollen. Die Leute machen trotzdem nichts. Zwischen Ankündigung und Tat ist leider eine große Entfernung)

ich verstehe nicht, warum du so polemisierst. weder bin ich ein freund von paywalls, noch glaube ich, dass darin die zukunft liegt. aber ich hege halt zweifel, ob – siehe egghat – menschen für dinge, die sie gratis serviert bekommen, freiwillig zahlen, weil es moralisch vielleicht angebracht wäre. sie kaufen mehrheitlich keinen ökostrom, obwohl sie in umfragen mehrheitlich dafür wären. manche wählen fpö, geben bei den umfragen aber an, dies nicht zu tun (frag mal wolfgang bachmayer, der kann dir ein lied davon singen, was sozial nicht alles in umfragen erwünscht wäre, aber dann doch nicht so umgesetzt wird). sie sind mehrheitlich für fair trade produkte und dennoch ist hofer eine erfolgsgeschichte.

nicht falsch verstehen, das ist kein plädoyer für paywalls.
leider funktioniert es aber auch nicht, journalismus über banner-werbung (u.ä.) zu finanzieren. und weißt du, warum ich das weiß? weil es sonst schon alle machen würden.
das ist ja das verzwickte: es gibt keine ultimative lösung.
der qualitätsjournalismus kommt zunehmend unter druck. es gibt immer mehr freie, fixe freie und journalisten, die im werbe-kv und sonst wo geparkt sind. grund: damit journalismus billiger wird, als er jetzt schon ist. der qualität ist es aber sicher nicht zuträglich, wenn junge freie journalisten unseren politikern auf den zahn fühlen müssen – erstens fehlt ihnen die erfahrung (kann man nur durch übung bekommen, touche), zweitens müssen sie als freie immer darauf achten, weiterhin ihre netzwerke zu pflegen – sind also doppelt abhängig: sie müssen geschichten bringen, damit sie beim medium bleiben, und bekommen von den personen die geschichten, denen sie eigentlich kritisch gegenüber stehen müssten (vgl. ROHRER, Anneliese (2007): Die Welt des George W. Schüssel. In: HOFER, Thomas/TÓTH, Barbara (Hg.) (2007): Wahl 2006 – Kanzler, Kampagnen, Kapriolen. Analysen zur Nationalratswahl. Wien: Lit Verlag). und damit kann sich unsere „self governing society“ (vgl. filzmaier) nicht mehr auf die unabhängigkeit des journalismus verlassen, was wiederum demokratiegefährdend ist.
verzwickt. verzwickt. leider.

[…] nach Ersatz. Ein Fehler, wie sich aktuell zeigt. Nachdem das hervorragende Blogangebot „zurpolitik.com“ bereits ausführlich alles dargelegt hat, was ich eigentlich sagen wollte, kann ich mich auf […]

“ == “
sie sind mehrheitlich für fair trade produkte und dennoch ist hofer eine erfolgsgeschichte
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Kleine Randbemerkung: Ich mache ja ungern gratis PR, aber bei Hofer gibt es auch Fairtrade-Kaffee, sowie Fruchtsäfte und ich glaube auch Schokolade. Darüber hinaus sind die Angestellten mW besser bezahlt. Günstig ist Hofer, weil er Werbung und Marken umgeht und nur ein kleines Sortiment führt.

Zum Spenden sind wir bereit, wenn wir uns mit der Mission bzw. dem jeweiligen Anliegen identifizieren können und wenn es nicht profitorientiert ist. Ich könnte mir nicht vorstellen, Rupert Murdoch etwas zu spenden.

Es kann sein, dass sich die Zeitungen wieder dorthin entwickeln, wo sie schon einmal waren, nämlich als klar parteiische Parteiorgane oder Organe einer gewissen Weltanschauung.

dieter & hofer: ja, eh, jetzt. 😉 ich fürchte, den gebrüdern albrecht geht es dabei weniger um engagement für bioprodukte als um unternehmerischen erfolg. schön, wenn sich das manchmal trifft, die regel ist es leider nicht.

und nochmal, ich finds toll und super und klass, dass ihr alle für artikel spendet. schade ist,
1. dass das nicht alle so machen, die diese güter konsumieren.
2. dass damit eine wichtige einrichtung der demokratie, wenn man es zugespitzt ausdrückt, auf almosen angewiesen ist.

Die Zuspitzung lass ich aber nicht ganz zu: Spenden sind in dieser Form keine Almosen, sondern Belohnungen. Leiste was gutes, dann kriegst ein Stück von meinem ganz persönlichen Medienabo. Sei mir wichtig, und ich unterstütze dich. Das ist im Grunde nur eine andere Bezahlmentalität, bei der man sich zuerst von der Leistung vergewissert.

Almosen gibt es hingegen nicht für Leistungen, sondern aus Mitleid.

*“leider funktioniert es aber auch nicht, journalismus über banner-werbung (u.ä.) zu finanzieren.“*

Wieso soll das nicht funktionieren? Es funktioniert doch erwiesenermaßen. Es gibt erfolgreiche Medien, die sich nicht hysterisch gegen die Veränderung gestemmt haben, sondern mutig darauf eingestellt – auch gegen die Widerstände der Bewahrer. Und obwohl wahrscheinlich auch denen noch viele gute Ideen kommen könnten und sie noch zahlreiche Probleme lösen müssen, profitieren die jetzt eben von ihrer Weitsicht. Jene, die noch heute dem vorgestern nachromantisieren, die haben selbstverständlich ein Problem.

Und nochwas: Es gingen schon bevor das Internet und seine „Gratiskultur“ aufkam reihenweise Medien Pleite. Deswegen hätte aber niemand je behauptet „Kioskverkauf (u.ä.) funktioniert nicht“.

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