Wie sehr mich dieser Post stört, habe ich heute erst beim zweiten Drüberlesen gemerkt. Die Verantwortlichen für den Zeit im Bild-Facebook-Account kommentieren die Kritik des US-Außenministeriums an wachsender Islam-, Juden- und anderer Minderheitenfeindlichkeit in Europa folgendermaßen:

Es stimmt schon: Die USA haben selbst zahlreiche Baustellen in Sachen Antidiskriminierung und Menschenrechten. Für diese Probleme werden sie auch zurecht regelmäßig von innen und außen kritisiert. Nichts desto trotz sind die Vereinigten Staaten wohl doch noch ein bisschen mehr als nur „das Land von Guantanamo & Co“.
Viel wichtiger ist allerdings: Wenn die US-Kritik an europäischen Tendenzen richtig ist (und das ist sie zum Teil), kann man sich solche Ablenkungsmanövern getrost sonstwohin stecken. Dieser „Wir lassen uns von außen nichts dreinreden“-Beißreflex löst weder die Probleme in Guantanamo noch in Europa.
3 Antworten auf „Zeit im Bild bedient auf Facebook Beißreflexe“
Wenn die USA mit Guantanamo, Geheimgefängnissen, Todesstrafe und legaler Folter Menschenrechtsverletzungen kritisiert, ist das so, als würde der Papst das Abtreibungsverbot in Polen kritisieren. Die USA haben weder moralisch das Recht, hier weltweit Zeugnisse zur Menschenrechtssituation auszustellen, noch die Kompetenz, zu beurteilen, was eine Menschenrechtsverletzung ist und was nicht. Und das gilt gerade, da sie in ihrem eigenen Land Menschenrechtsverletzungen und rechtsstaatliche Prinzipien ignorieren. Und genau deswegen ist die Kritik, ist die sogenannte „Expertise“ der USA völlig irrelevant.
Guantanamo wird ohnehin aufgelöst – und das köntne schneller gehen wenn ÖSterreich ein paar Häftlinge aufnehmen würde….
Und Gerhard, nachdem du es offenbar nicht verstanden hast: Kritik an Islamfeindlichkeit etc in Österreich ist wohl nicht unberechtigt. Zu sagen „ihr seids aber auch nicht besser“ löst das Problem icht. Dadurch das „wir“ es am Ende auch nicht besser machen haben wir genausowenig moralisch das Recht, die Kritik aus moralischen Gründen zurückzuweisen.
@Loub Es ist etwas mühsam die Argumente aus dem Artikel zu wiederholen, nur weil du sie unbeachtet beiseite lässt.
Natürlich haben die USA die Kompetenz zu beurteilen was eine Menschenrechtsverletzung darstellt. Die aktuelle Regierung – von der die Kritik stammt – ist übrigens unter anderem dabei Guantanamo und Geheimgefängnisse zu schließen, ist gegen die Todesstrafe und hat die Folterverbote verschärft. Damit versucht sie sich auch die angeschlagene moralische Integrität zurück zu holen.
Ich kenne all diese und andere Probleme in den USA selbstverständlich und kritisiere sie so wie du (und das legitim obwohl „unser“ Land sich weigert Polzisten zu suspendieren die schwarze Lehrer verprügeln). Es ändert aber nichts daran, dass in Europa massiv beschissene Tendenzen zu erkennen sind, die man nicht mit „ABER BEI EUCH IS ALLES VIEL BÖSER“ überlagern darf.
was soll das bringen.
Mittlerweile werden in Europa regelmäßig ehemalige Konzentrationslager beschmiert oder von Neonazis besucht, in Mitteleuropa werden Minarette verboten, Flüchtlinge werden in vielen europäischen Ländern wie Scheisse behandelt (damit meine ich Öst. übrigens nicht primär sonder z.B. Afrikaner in Italien), andere Minderheiten werden bedroht (sieh dir z.B. die Situation der Roma in Ungarn an) und während Politiker von signifikanten Parteien über „Asyljuden aus Amerika“ schimpfen und eine Präsidentschaftskandidatin in Österreich ein eher seltsames Verhältnis zur Geschichte unseres Landes hat, feiern ihre nationalistische Populistenkollegen auch in ganz Europa Wahlerfolge.
Wir haben eben Probleme. Dass die USA das erkennen ist ein Beweis dafür, dass sie bei aller Problematik die von dir abgestrittene nötige Kompetenz haben. Genauso wie wir die Kompetenz haben, umgekehrt die USA zu kritisieren.
Kindische Befindlichkeiten und nationalistische Anpatzereien helfen weder den USA noch uns, die massiven Probleme zu lösen.