Öffentlich gab es in vergangenen Jahren selten ein gutes Wort über die Jugend. Die einen sahen sie als faule Computerhocker, die anderen kritisierten sie dafür, uninteressiert zu sein. Atem- und ratlos wurde bei Wahlen auf ihren Rechtsruck geblickt. Planlos schimpften Minister_innen wenn die Ergebnisse der PISA-Studie nicht passten: „Ihr denkt doch nur an Partys!“.

Es gibt zu wenige Unter-30-Jährige, als dass sie für Parteien wichtig wären. Deshalb werden ihre Wünsche ignoriert, ihre Angewohnheiten und Hobbys gar verteufelt. Die neue Lebenswelt der Jungen wird nicht akzeptiert und verbessert. Als „gute“ Jugendpolitik gilt, sie mit Alibislogans und Disco-Besuchen zu ködern.

Meist machen die Umstände nötig, dass sich in der Gesellschaft etwas tut. Irgendwann haben Ignorierte und Unverstandene genug. Wie man auch politisch denkt, die alternden und unterfinanzierten Bildungsstätten (als wichtiger Teil des Jugendlebens) sind unübersehbar. Wer einen Blick dorthin wirft, wird auch erkennen: Das ist eine Generation die Anhand dieser Probleme gerade ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede entdeckt. Sie entwickelt eigene Polit- und Protestkulturen und formuliert ihre Vorstellungen.

Probleme und Fragen ändern sich ständig, grundlegende gesellschaftliche Streitfragen selten. Und so gibt es auch unter den Jugendlichen von heute wieder Konservative und Progressive, Linke und Rechte, Pragmatiker_innen und Idealist_innen. Aber uninteressiert und faul gelten als Etiketten nicht mehr.

Dieser Text erscheint morgen in der U-Bahn-Zeitung „Morgen“ der Audimax-Besetzung

  • Danke, wie immer treffend formuliert. Ich bewundere deine Fähigkeit dich so kurz zu fassen. Vermutlich Übungssache…

  • lustig, dass du das sagst. es war nämlich gerade dieses mal nicht leicht. im gedruckten hat man ja nur eine limitierte zeichenzahl – dauerhaft so zu arbeiten würde mir gewaltig auf den geist gehen. 😉

    aber es ist natürlich übungssache und prinzipiell ist beim schreiben eine der wichtigsten fähigkeiten jene, den scheinbar „vollendeten“ text gnadenlos zu kürzen – da muss man sich selbst wehtun können.

    gelingt mir bei weitem nicht immer gut genug. der ausflug ins printmillieu ist so gesehen nicht nur übungssache sondern auch eine gute übung 😉

  • dieter

    Hmm. Die Funktion der verlotterten Jugend erfüllen heute ja die Migrantenkinder. Über die kann man auch anhand von objektiven Bildungsergebnissen und dergleichen schimpfen.

    In den 90ern gab es diese Werteverfallsdebatte, bei der niemand eigentlich so klar sagen konnte und wollte, was damit eigentlich für Werte gemeint sind, aber sich alle einig waren, dass es sich um ein reales Phänomen handle.

    Dem hingegen ist die „Jugend von heute“ meiner Meinung nach kein Thema mehr, das den gesellschaftlichen Diskurs stark vereinnahmt. Liegt wahrscheinlich daran, dass die Jugend von heute zahlenmäßig vernachlässigbar ist.

  • Dass es keine echte Debatte über die Jugend gibt, sondern immer nur stichelndes Bashing, ist ja noch viel schlimmer.

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