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Studiengebühren: Ja … nein danke

Bei kaum einem anderen Thema sind die Positionen in Österreich so verhärtet, wird mit solch einer Polemik argumentiert und dem ideologischen Gegenüber partout die schlechtesten Absichten unterstellt. Es geht um Studiengebühren, und will man noch ein wenig Öl ins Feuer gießen kann man den Umgang miteinander als Sinnbild politischer Diskussionskultur in diesem Land interpretieren.

Doch zuerst einmal möchte ich auf die Frage eingehen, wieso ich hier schon wieder über Studiengebühren schreibe. Auf diesem Blog ist das schon mehr als einmal getan worden. Ende letzten Jahres auch von mir, als ich mich für ein System nachgelagerter Studiengebühren nach australischem Vorbild eingesetzt habe. Mittlerweile sehe ich das schon wieder etwas anders (messe Argumenten anderes Gewicht bei und sehe vor allem Schuldenrucksack problematischer), habe aber zu Leiden meiner selbst noch keine endgültigen Schlüsse ziehen können. Was bietet sich da besser an, als hier wieder einmal laut nachzudenken, was angesichts der heute beginnenden ÖH-Wahlen, wo das Thema Studiengebühren keine unbedeutende Rolle spielt, auch langsam Zeit wird.

Aber nun genug der einleitenden Worte, lasst die Argumentationsfestspiele beginnen:

Studiengebühren würden den Universitäten mehr Geld bringen, das diese dringend brauchen. Ob deren Lage dadurch aber verbessert würde, hängt von der Reaktion der Politik ab. Ersetzt das durch Gebühren eingenommene  Geld nämlich einfach die bisher aus dem Budget kommenden Mitteln, ändert sich gar nichts. Das könnte man aber im Rahmen eines Kuhhandels zumindest temporär verhindern. Also pro.

Solange studieren in der EU nicht auch flächendeckend kostenfrei und auf ähnlichem Niveau ist, helfen Studiengebühren einen legitimen Beitrag von den sonst natürlich herzlich willkommenen ausländischen Studierenden zu erhalten. Bei aller Solidarität, warum sollte der österreichische Steuerzahler einem Ungarn das Studium finanzieren? Man könnte das aber über einen Automatismus, der über die EU laufen müsste, abfedern. Pro ausländischem Studenten zahlt dessen Heimatland einen bestimmten Beitrag. Bis das gewährleistet ist, gilt das Argument als pro.

Was nichts kostet, ist nichts wert. Wer das Studium nicht ernst nimmt, kann durch Studiengebühren als reiner Kostenfaktor eliminiert werden (wunderschön formuliert, ich weiß). Aber: Verringern Studiengebühren die Anzahl der Studierenden? Im Jahr 2000 verfügte Österreich über 227.948 Studierende, ein Jahr darauf waren es 182.805. Grund dafür, die eingeführten Studiengebühren. Einen Großteil davon dürften aber meiner Einschätzung nach Studierende sein, die lediglich passiv im universitären System waren. Die ihr Studium nicht ernst Nehmenden werden also kaum “verjagt”, was ich sowieso für umstritten halte und das Argument obsolet macht. Die “Bummelstudenten” sind zu einem großen Teil solche, die aus welchen Gründen auch immer genug Geld haben, soviel Zeit zu verschwenden. Man darf nämlich nicht vergessen, dass mit einem Studium hohe Opportunitätskosten verbunden sind, sprich man auf Gehalt bzw. Lohn verzichtet. Das Argument ist also nicht relevant.

Gebühren dürften anstatt des Verdrängungseffektes von Desinteressierten eher einen sozial selektiven Effekt haben, auch wenn ich das für irrational halte. Die wirklichen Kosten im Studium entstehen nämlich durch Wohnung und die wie oben beschrieben aufgewendete Zeit, in der ansonsten Geld verdient werden könnte. Wie die meisten von uns wissen ist der Mensch aber nicht immer ein durchwegs rationaler und daher sollte man diese Tatsache nicht außen vor lassen. Also contra.

Diese Frage stammt aus dem ATV Am Punkt Spezial zur ÖH-Wahl vom 5.Mai und wirft einen berechtigten Punkt auf. Noch dazu kommen die Studierenden zu einem nicht unwesentlichen Teil aus sowieso wohlhabenderen Häusern. Betrachtet man diesen Aspekt kurzfristig, ergibt die Forderung nach Studiengebühren also durchaus Sinn. In the long run, we are all dead. Langfristig zahlen diejenigen, die finanziellen Nutzen aus ihrem Studium lukrieren (und das sind nicht die wenigsten), die aufgetretenen Kosten durch das progressive Steuersystem aber mehr als zurück. Also ist auch dieses Argument keines für Studiengebühren (über die Umwegrentabilität von tertiärer Bildung darf man mich aber gerne mit Links versorgen).

Eine breite gebildete Masse ist das Herz einer nachhaltig demokratischen Gesellschaft und wichtiges Kontrollorgan für die Politik. Bildung ist die Basis von Innovationen, technischen und vor allem gesesellschaftlichen Entwicklungsprozessen. Man kann also sagen: Wir alle haben Interesse daran, dass soviele Menschen wie möglich so gut gebildet wie möglich sind. Der Streitpunkt liegt hier darin, ob Studiengebühren Menschen denn vom Studieren abhalten. Mir fehlt dazu die Empirie. Viele sagen ja, Minister Töcherle hat anscheinend die Empirie und sagt nein. Ein Ausschnitt aus dem STANDARD-Chat vom 13. Mai:

Das ist meines Erachtens die alles entscheidende Frage. Werden Menschen durch Studiengebühren vom Studium abgehalten? Ist das der Fall, weg mit ihnen. Wenn nicht, dann aufgrund der ersten beiden Pro-Argumente (Geld, Beteiligung ausländischer Studierender): Studiengebühren, ja bitte.

Mir ist aber wichtig zu betonen, dass die zweite Option keine generelle Legitimation von Studiengebühren darstellt, weil die beiden dafür sprechenden Argumente durch die Politik obsolet gemacht werden könnten (und sollten) – also Studiengebühren nein danke. Ich bin also der Meinung, dass Studiengebühren im Prinzip die Daseinsberechtigung fehlt, sie den Status quo in Österreich trotz alldem und angesichts mangelnder Unterstüzung in der Bevölkerung, die die bildungsfeindliche Politik der Regierung erst ermöglicht, aber durchaus verbessern könnten.

Bild “Marker”: © birgitH / PIXELIO
Bild “Hochschule”: © Patrick Wieschollek / PIXELIO

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| 23. May 2011

18 Reaktionen bisher

    Petrarca sagt:

    Hi!

    Die Zahl der Erstinskriptionen gibt einen Hinweis auf die soziale Selektivität von Studiengebühren. Es ist nämlich nicht nur die Gesamtzahl, sondern auch die Zahl der AnfängerInnen bei der Einführung der Studiengebühren gesunken!

    LG
    Petrarca

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    !!! | 24. May 2011 | 10:32
    Se Bauchnabelzwerg sagt:

    Bei deinem letzten Artikel zum Thema musste ich den Kopf schütteln. Jetzt wiege ich ihn vorsichtig hin und her. Danke für die ausgiebigen Argumentationsfestspiele.

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    !!! | 26. May 2011 | 13:33
    Andreas Sator sagt:

    Ich krieg dich noch zum Nicken ;-)

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    26. May 2011 | 23:18
    Waxolunist sagt:

    @Petrarca

    Du musst natürlich wenn schon das Gesamtbild sehen:
    So ist zwar im Jahr der Einführung der SG die Zahl der Erstzugelassenen um 2450 gesunken, im Jahr darauf jedoch um 3250 gestiegen (so hoch wie seit dem nicht mehr und davor auch noch nie). In den Jahren 92, 96 und 97 ist die Zahl jedoch auch gesunken, womit eine Verringerung der Erstsemester gegenüber dem Vorjahr nur bedingt auf SG zurückführbar ist. Was war passiert?
    Eine Kampagne von rot und grün hat die Menschen verunsichert. Es wurde verschleiert, dass Studienbeihilfenempfänger keine SG bezahlen müssen. Erst nachdem diese Aufklärung stattfand, haben dann wieder viele zum Studieren angefangen. Eine weitere Zahl ist ausserdem interessant.

    So konnte in 5 Jahren vor der Einführung die Zahl der Erstzugelassenen um gerade mal 17% gesteigert werden, 5 Jahre nach den SG (2005) konnte die Zahl auf 33% gesteigert werden.

    Bessere Studienbedingungen durch SG führten zu mehr Studenten.

    Viele Studenten haben mit Einführung aufgehört. Insgesamt waren es 38500. Bei einer so hohen Zahl waren viele dabei die einfach nur inskribiert waren so wie heute um gewisse Vergünstigungen zu geniessen. Das sind Allgemeinkosten.

    Zudem bedeuten keine SG eine höhere soziale Selektion. Als Beispiel seien hier notenabhängige Stipendien genannt, da durch eine zu hohe Zahl der Studenten Professoren hinausprüfen und somit tendenziell schlechtere Noten verteilen. Ebenso geht mit dem Fehlen von SG eine grössere Verteilung von unten nach oben einher.

    Ein gutes SG-Modell verschlechtert nicht die Chancengleichheit.

    Jedoch für Argumente und Zahlen die mich widerlegen bin ich offen. Bisher habe ich diese noch nie erhalten.

    LG

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    !!! | 27. May 2011 | 11:27
    Andreas Sator sagt:

    @Waxolunist:

    Aber auch all deine Argumente für Studiengebühren sind auf fehlende Geldmittel seitens der Politik zurückzuführen.

    Es stellt sich allgemein die Frage: Warum sollte ich etwas derart Wünschenswertes wie universitäre Bildung “besteuern”? (Mir ist klar, dass trotz Studiengebühren massiv subventioniert werden würde, aber es läuft darauf hinaus)

    Mich aber nicht falsch verstehen. Vom Status quo würde ich mir durchaus eine Verbesserung erwarten. Betrachtet man die Thematik aber losgelöst von der aktuell finanziell-prekären Lage, finde ich keine Gründe, die Studiengebühren legitimieren.

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    27. May 2011 | 12:00
    Tom Schaffer sagt:

    “Es wurde verschleiert, dass Studienbeihilfenempfänger keine SG bezahlen müssen.” … du meinst die rot-grüne-opposition hat der armen schwarzblauen regierung die erfolge verschleiert?

    “Bessere Studienbedingungen durch SG führten zu mehr Studenten.” … da musst ich jetzt erstmal laut lachen. der grund dafür ist aber nicht lustig – ich hab studiengebühren gezahlt und ich hab die beschissenen studienbedingungen zu dieser zeit miterlebt. es gibt keinen prinzipiellen unterschied zu der zeit während der studiengebühren und der zeit danach.

    viel mehr als meine persönliche erfahrung führt aber ein ganz anderer fakt dein argument aufs glatteis: es KANN NICHT zu besseren studienbedingungen geführt haben, denn die regierung hat die mehreinnahmen durch die studiengebühren den unis im budget wieder gekürzt.

    Und selbst, wenn sie das nicht getan hätte, muss man hinterfragen ob die studiengebühreneinnahmen von ihrer schieren menge überhaupt zu einer qualitätsverbesserung hätten führen können. wenn man sich überlegt, dass von den angeblichen 44 mio die zum beispiel die uni wien daraus generierte große teile in alles andere als die lehre gingen, bleibt da pro student nicht mehr viel übrig, was die lehre verbessern hätte können.

    die höher gestiegene zahl der erstsemestrigen in österreich hat vielleicht eher damit zu tun, dass wir weitere EU-grenzöffnungen hatten, und die deutschen (die ja bekanntlich eine ähnliche sprache sprechen wie österreicher) den numerus clausus eingeführt haben. wir haben also schon mehr studierende – aber halt weniger aus österreich.

    “Zudem bedeuten keine SG eine höhere soziale Selektion.” … purer ökonomischer unsinn. kosten sind eine soziale selektion per definition. wenn etwas mehr kostet, können sich reiche das logischerweise immer eher leisten als arme. das gilt nur dann nicht, wenn tatsächlich nur reiche die gebühren zahlen würden – das wiederum ist aber nur mit einem äußerst flexiblen und sensiblen bürokratischen system möglich, das wir hier nicht vorfinden und das von den kosten her auch einen guten teil der mehreinnahmen wieder wegschmatzt.

    “Als Beispiel seien hier notenabhängige Stipendien genannt, da durch eine zu hohe Zahl der Studenten Professoren hinausprüfen und somit tendenziell schlechtere Noten verteilen.” … grad sagst du noch, dass seit den studiengebühren viel mehr leute studieren, gleichzeitig bedeuten studiengebühren aber auch, dass weniger studierende da sind, und die professoren weniger knockoutprüfungen machen müssen? widerspruchsalarm.

    “Ebenso geht mit dem Fehlen von SG eine grössere Verteilung von unten nach oben einher.” … was nicht am fehlen von SG liegt, sondern an der zusätzlichen mangelnden unterstützung.

    “Jedoch für Argumente und Zahlen die mich widerlegen bin ich offen. Bisher habe ich diese noch nie erhalten.” … schwer vorstellbar, wenn du dich ja schon selbst widerlegst.

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    27. May 2011 | 12:16
    Tom Schaffer sagt:
    27. May 2011 | 12:48
    Waxolunist sagt:

    @Andreas
    Gebühren sind keine Steuern, jedoch ein nicht kostendeckender Eigenbeitrag zum Studium.
    Auf die Frage nach dem Warum gibt es zahlreiche Gründe und nicht alle sind auf Geld zurückzuführen. Das SG eine Legitimation haben, dafür habe ich Gründe genannt.

    @Tom
    Ad 1: Das ist eine provokante Frage und trägt nicht zur Diskussion bei.
    Ad 2: Ich habe ebenfalls SG bezahlt. Jedoch wenn pro Kopf mehr Budget zur Verfügung steht dann verbessert sich im Allgemeinen die Lage. Es gab auch weniger Studenten und die Studiendauer hat sich in der Zeit verringert.
    Zu den Zahlen dazu siehe Statistik Austria. So haben sich die Pro-Kopfausgaben in den Jahren 1995-2000 von 10130€ auf 10830€ gesteigert, mit der Einführung der SG auf 14940€. Bis 2008 stiegen diese Ausgaben dann weiters auf 17400€ (Ausländer und Inländer zusammengerechnet).
    Ad 3: Stimmt nicht. Dies wurde mit dem UG2002 geändert.
    Ad 4: Das ist eine Kritik an der Uni Wien, jedoch nicht an SG im Allgemeinen.
    Ad 5: Ähnliche Zahlen ergeben sich, wenn man nur die Inländer heranzieht.
    Ad 6: Du scheinst die Studienbeihilfen und Stipendien völlig zu negieren, als gäbe es diese nicht. Die Studienbeihilfenbehörder ist wirklich kompetent und sehr flexibel. Eine wirklich vorbildliche Behörde.
    Ad 7: Das Argument gilt natürlich für Zugangsbeschränkungen im Allgemeinen (was nicht heisst dass ich Zugangsbeschränkungen ungeschränkt zustimme). Jedoch wenn mehr Studenten vorhanden sind und erst ausgesiebt werden muss, wer wirklich studieren möchte, gibt es im Allgemeinen schlechtere Noten, wenn z.B. der Notenschnitt über ein Weiterstudieren entscheidet. Ergo können manche Stipendien nicht in Anspruch genommen werden. Die Studiengebühren fördern eine bessere Wahl des Studiums und eine bessere Verteilung innerhalb der Studiengänge. Es gibt weniger Studienwechsel.
    Ad 8: Studierende profitieren am meisten vom Studium -> kleiner Beitrag dazu. Eine ausschließlich durch allgemeine Steuermittel finanziertes Studium führt hingegen zu einer Umverteilung von unten nach oben: Die Nicht-Studierenden finanzieren damit zur Gänze die Ausbildung der künftigen Akademiker.
    Ad 9: Du gehst auf meine vorgelegten Zahlen und Argumente in keinster Weise ein. Schade.

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    !!! | 27. May 2011 | 13:35
    Tom Schaffer sagt:

    es is ein bisserl schwierig den “ad x” zu folgen, wenn du vorher unnummerierters unzitiert plötzlich nummerierst. drum werd ich dir eher allgemein antworten und zahlen liefern.

    “Ad 1: Das ist eine provokante Frage und trägt nicht zur Diskussion bei.”
    Erst Unsinn von irgendwelcher Verschleierung in eine Diskussion beibringen und dann weinerlich sein, wenn man dabei erwischt wird, geht aber nicht. Aber wir können diesen Punkt gerne dabei belassen.

    Es gibt einige sehr eindeutige Zahlen. Die Pro-Kopf-Ausgaben hängen natürlich auch von den Köpfen ab.

    Österreichische Studierende
    vor der Einführung der SG 197.000
    bei der Einführung 155.000
    im Jahr der Teil-Abschaffung 176.000
    im Jahr nach der Teil-Abschaffung 200.000

    Ausländische Studierende
    vor der Einführung der SG 30.000
    bei der Einführung 27.000
    im Jahr der Teil-Abschaffung 47.000
    im Jahr nach der Teil-Abschaffung 54.000

    Dazu, dass das Studieren sehr wohl sozial selektiver geworden ist:
    Anteil regelmäßig und permanent erwerbstätiger, inländischer Studierender:
    1999: 29,9%
    2006: 46,7%

    Gleichzeitig wurde durch die Einführung des Bachelors die Toleranzschwelle für Studienbeihilfen und Familienbeihilfen um ein Semester gegenüber den Diplomstudien verkürzt. Das heißt Studierende mussten mehr arbeiten, mussten aber für Beihilfen schneller fertig werden (was angesichts von dummen Voraussetzungsketten zudem erschwert wurde, aber das ist natürlich ein anderes Thema)

    Pro Kopf-Ausgaben verschleiern außerdem, wofür das Geld ausgegeben wird. Für die Universitäten stiegen die Ausgaben von 2000 bis 2008 zwar von 2 auf 3 Milliarden. 300 Millionen davon stecken aber allein im “Sachaufwand”. 200 Millionen sind “Investitionen”. Lediglich 500 Millionen im “Personalaufwand” – den für die Lehre wichtigsten Teil, aber eben auch für die Forschung und die Verwaltung. Durch die “Autonomie” der 2004er-Novelle wurden Verwaltungsaufgaben vom Bund an die Universitäten abgegeben. Zu bedenken ist außerdem die Inflation, ich weiß nicht ob die Statistik Austria-Daten in diesem Fall überhaupt bereinigt sind.

    Mir fehlen da jetzt spontan die abschließenden Daten, wie viel also schlussendlich in die Lehre der zahlenmäßig um 10% reduzierten heimischen Studierenden fließen konnte. Vielleichst kannst du da weiterhelfen – denn das ist das entscheidende für die Studienbedingungen.

    150 Millionen Euro im Jahr brachten die Studiengebühren am Höhepunkt (wieder: das ging alles andere voll in die Lehre). Das ist nicht nichts, aber das ist bei Gemessen an den Gesamtbildungsausgaben ein Tropfen auf den heißen Stein, für eine einzelne Person war das Geld aber durchaus von Bedeutung.

    “Du scheinst die Studienbeihilfen und Stipendien völlig zu negieren”
    Anteil der Studierenden die Studienbeihilfe beziehen:
    1999: 20%
    2002: 23%
    2006: 18,5%
    Ist a. eine sehr schlechte Quote und hat sich b irgendwie auch nicht sonderlich verbessert.

    “Die Studienbeihilfenbehörder ist wirklich kompetent und sehr flexibel. Eine wirklich vorbildliche Behörde.” – also ich arbeite um mir das studieren leisten zu können. im prinzip von beginn weg (für die ersten 2 semester hatte ich mir was angespart, da reichten ferialjobs). meine eltern sind nicht reich und ich habe einen studierenden etwas jüngeren bruder. meiner erinnerung nach war die höchste studienbeihilfe die ich je bezogen habe dramatische 32€ im monat hoch. zwischendurch musste mein bruder das studium wechseln, da hab ich dann gleich gar nix gekriegt und SG gezahlt, weil sich “die finanzielle situation” meiner familie angeblich geändert hat. ich kenne leute die von ihren eltern nix kriegen (können) und trotzdem auch keine sbh sehen. also entschuldige mein französisch, aber mit dieser lobhudelei dieser behörde kannst mich sonstwo. wobei die behörden für die gesetze natürlich auch nix können.

    “Studierende profitieren am meisten vom Studium -> kleiner Beitrag dazu”
    Ich bin sehr dafür, das später einfach über ein gerechtes Steuersystem zu handlen, statt im Vorfeld soziale Hürden einzuziehen. Sollte ich mit meinem Abschluss einmal mehr Geld verdienen, bin ich gerne bereit mehr Geld ins System einzuzahlen.

    “Die Nicht-Studierenden finanzieren damit zur Gänze die Ausbildung der künftigen Akademiker.” Wieder widersprichst du dir selbst, indem zuerst die Akademiker so super profitieren, später aber angeblich nix einzahlen. Es stimmt schon: Studierende zahlen noch nicht so viel ein, volkswirtschaftlich gesehen zahlen sie später aber so viel mehr ins Gesamtsystem ein, dass diese Polemik nicht zu halten ist, dass die Armen die Studierenden finanzieren. Zum Zeitpunkt des Studiums sind die meisten Studierenden noch selbst einkommens- und vermögensarm.

    Aber ich hab auch nichts dagegen, wenn dieser Beitrag von später noch erhöht wird, indem Spitzengehälter (inklusive Einkommen aus anderen Quellen als Löhnen) höher besteuert werden.

    Ich finde der Studienzugang und die Studienkosten sind nicht der Ort, wo man treffsicher für soziale Gerechtigkeit sorgen kann. Dazu ist das allgemeine Steuerwesen wesentlich besser geeignet.

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    27. May 2011 | 15:28
    Waxolunist sagt:

    Ich habe einfach deine Absätze durchnummeriert. Weinerlich bin ich nicht. Keine Sorge.
    Die Anzahl der Studenten als Mass für soziale Selektion ist leider nur wenig aussagekräftig. Zumindest kenne ich einige Studenten, die nach ihrem Abschluss einfach weiter jedes Jahr inskribierten, weil es ja nichts kostet.

    Wenn viele Studenten arbeiten, heisst das eigentlich nur dass das Leben teurer geworden ist und nicht, dass die SG unbezahlbar sind.

    Ich persönlich komme aus keiner reichen Familie und mir zahlte die Behörde 400€ pro Monat + die SG. Dazu kam die Familienbeihilfe. Ich habe Kollegen, die bekamen SB in ähnlicher Höhe. Hier hats also funktioniert.
    Das das Einkommen der Eltern als Berechnungsgrundlage herangezogen wird, finde ich logisch (Ausnahme Selbsterhalterstipendium). Ein weiterer Ausbau des Beihilfensystems widerspricht auch nicht der Forderung nach SG.

    Spitzengehälter werden heute schon hoch besteuert.

    Wenn 150 Mio erreicht werden können und die Unis die nächsten 2 Jahre 300 Mio brauchen (Aussage Thomas Wallerberger), dann ist das schon die Hälfte.

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    !!! | 27. May 2011 | 15:47
    Tom Schaffer sagt:

    “Zumindest kenne ich einige Studenten, die nach ihrem Abschluss einfach weiter jedes Jahr inskribierten, weil es ja nichts kostet.”
    das ist keine hinreichende erklärung für den anstieg österreichischer studierender nach der teilabschaffung, weil man im moment bei längerer studiendauer und für nachfolestudien SG zahlt. allgemein wird der karteileichenverlust überschätzt. allgemein wird auch nicht drüber geredet, dass es durchaus wünschenswert sein kann, wenn leute auch nach dem abschluss noch bildungseinrichtungen aufsuchen und vielleicht sogar nebenbei noch weitere abschlüsse machen. ;)

    “Wenn viele Studenten arbeiten, heisst das eigentlich nur dass das Leben teurer geworden ist und nicht, dass die SG unbezahlbar sind.”
    Sind die 750€ im Jahr, die Studiengebühren kosten kein Teil des Lebens? Kann man die irgendwie anders als per Abzug vom eigenen Konto begleichen? 750€ sind für Leute die hauptsächlich eigentlich studieren sollten eine Menge Geld. Durchaus soviel wie 2-3 Monatmieten.

    “Spitzengehälter werden heute schon hoch besteuert.”
    der zusatz den ich hingeschrieben habe ist entscheidend. spitzenlöhne werden einigermaßen hoch besteuert und damit vor allem der mittelstand. spitzengehälter werden großteils über andere quellen ausbezahlt und deutlich geringer bestuert. das österreichische steuersystem ist, wenn man es völlig durchrechnet, mittelschichtsbelastend. die oberschicht steigt fantastisch aus.

    “Wenn 150 Mio erreicht werden können und die Unis die nächsten 2 Jahre 300 Mio brauchen (Aussage Thomas Wallerberger)”
    Abgesehen davon, dass die 150 Millionen wie gesagt nicht real sind: Die Unis brauchen dieses Geld, weil die österreichischen Bildungsausgaben im internationalen Vergleich erbärmlich sind. Und da allein liegt der Hund begraben.

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    27. May 2011 | 15:58
    Tom Schaffer sagt:

    Wenn wir von Studiengebühren (150 Mio) sprechen, sprechen wir, wenn ich mich jetzt nicht verrechnet habe von Einnahmen die weniger als 0,002% der österreichischen Staatsausgaben (141 Mia.) betreffen. Die Frage ist: Ist das wirklich das Risiko wert, dass es den egalitären Zugang zu Bildung gefährden könnte?

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    27. May 2011 | 16:04
    Waxolunist sagt:

    Ob Menschen nach einem Studium noch Bildungseinrichtungen aufsuchen ist deren Sache und ob hier ausschliesslich die Allgemeinheit dafür aufkommen muss ist eine andere Frage.
    Wieviel bist du bereit für ein Studium zu bezahlen? Gar nichts?
    Ab einer gewissen Höhe zahlt man 50% Steuern. Wo man hier fantastisch aussteigt weiss ich leider nicht. Bitte vermische nicht Steuern mit Sozialversicherung.
    Dass die österreichischen Bildungsausgaben “im internationalen Vergleich erbärmlich sind”, kann leider nicht belegt werden. Ganz im Gegenteil. Sie sind sogar überdurchschnittlich:

    http://news.orf.at/stories/2013187/

    “Die Ausgaben pro Schüler bzw. Student betrugen 2007 von der Volks- bis zur Hochschule 10.974 Dollar (kaufkraftbereinigt) pro Jahr – ein Wert, der deutlich über dem OECD-Schnitt von 8.216 Dollar liegt.

    Übertroffen wird das nur von den USA (14.269 Dollar), der Schweiz (13.031) und Norwegen (11.967)”.

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    !!! | 27. May 2011 | 16:16
    Waxolunist sagt:

    Der egalitäre Zugang zu Bildung wird durch SG nicht gefährdet. Das konnte bisher nicht belegt werden. So weit mir bekannt ist, hat sich die soziale Durchmischung sogar verschlechtert (siehe Aussage Töchterle ganz oben).

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    !!! | 27. May 2011 | 16:19
    Tom Schaffer sagt:

    “Wieviel bist du bereit für ein Studium zu bezahlen? Gar nichts?”
    Mein Studium kostet bereits gutes Geld. Ich bezahle zudem mit Lebenszeit und später (hoffentlich) mit Steuern. Ich nehme in den Jahren meines Studiums in Kauf, weniger Geld als Gleichaltrige zu haben. Und ich werde mich gesellschaftlich anders einbringen können, als ich das ohne Studium gekonnt hätte. Ein Monatsgehalt weniger im Jahr ist für mich aber ein Problem- ein ganz reales, aktuelles.

    “Ab einer gewissen Höhe zahlt man 50% Steuern. Wo man hier fantastisch aussteigt weiss ich leider nicht.”
    Nochmal: Du kannst nicht einfach nur stur auf die Lohnsteuer schauen und dann glauben, es sei alles eh total progressiv. Faktisch ist das östereichische Steuerwesen nicht progressiv sondern hat als Kurve dargestellt einen fetten Bauch auf der Mittelschicht.

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    27. May 2011 | 18:41
    Waxolunist sagt:

    Nun, dass du über Jahre hin weniger Lohn in Kauf nimmst ist deine Sache. Es ist deine eigene Entscheidung, dass du studierst.

    Sollte dir der Staat noch Geld zahlen dafür dass du studierst?

    Und auch wenn es mir leid tut, dass du derzeit Geldprobleme hast, es ist nicht die Schuld der Allgemeinheit. Die Verantwortung dafür liegt ganz bei dir. Das nennt sich Eigenverantwortung.

    Und 150 Mio sind eine ganze Menge. Rede diese Summe nicht klein.

    Das Steuersystem ist progressiv. Du verwechselt anscheinend Versicherungsbeiträge mit Steuern.

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    !!! | 30. May 2011 | 17:50

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