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Fußgängerzonen sind nicht schlecht für die Geschäfte

Die New York Times vergleicht im Umwelt-Teil ihrer Online-Ausgabe die Autoverkehrspolitik in Städten der USA und Europas. Was die Autorin damit meint, dass Wien (jüngst) große Straßenflächen für Autos gesperrt hätte, weiß ich zwar nicht genau (als einziges mir bekanntes Großprojekt der letzten und kommenden Jahre ist ja die Mariahilferstraße noch lange nicht umgebaut), ansonsten ist der Text aber ein interessanter Aufriss der Unterschiede.

Die These der Journalistin: In den USA wird zumeist die Optimierung des Autoverkehrs versucht und Folgeschäden (wie die Gesundheitsbelastung) akzeptiert. Währenddessen erschweren die (normalerweise lange vor der Erfindung des Autos gegründeten) europäische Städte die Nutzung, und attraktivieren den öffentlichen Raum für Radfahrer und Fußgänger. Weil in solchen Debatten ja immer wieder vor angeblichen Schäden für die Wirtschaft gewarnt wird, fand ich eine Passage über die Erfahrungen in Zürich besonders interessant.

„Ladenbesitzer in Zürich hatten Angst, dass die Schließung [der Straßen für Autos] dem Geschäft schaden würde. Diese Furcht erwies sich als unbegründet, sagte Herr Fellmann [Anm. Chef-Verkehrsplaner der Stadt], weil dort das Fußgängeraufkommen um 30 bis 40 Prozent stieg, wo Autos ausgesperrt wurden.“ [Übersetzung v. mir]

Von Tom Schaffer

ist Journalist, studiert Politikwissenschaft in Wien und ist der Gründer von zurPolitik.com, ballverliebt.eu und rebell.at.

4 Antworten auf „Fußgängerzonen sind nicht schlecht für die Geschäfte“

Die Amis neigen dazu, Europa zu generalisieren bzw. mit sehr selektiven Beispielen zu konstruieren. Neokonservative im Negativen, Progressive im Positiven. Mit der Realität hat das beiderseits selten etwas zu tun. Man versucht die jeweils eigene Position zu stützen, indem man „Europa“ dem ideologischen Gegner entweder als abschreckendes Beispiel oder als leuchtendes Vorbild vor die Nase hält.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Autorin den Graben und den Stephansplatz meint. Kaum ein Tourist begibt sich in die stadtplanerische Hölle des 21., 22. und 23. Bezirks, bzw. den nach 1950 erweiterten Stadtgebieten Wiens. Vermutlich dürfte sie nicht einmal sonderlich viel in den Gründerzeitgebieten gewesen sein, die ja schon großzügiger und rationaler für Pferdegespanne ausgelegt sind.
Schon gar nicht dürfte sie das totale Desaster in NÖ und im wachsenden Speckgürtel und die zugehörige Politik Prölls analysiert haben. Die marginal bessere Politik der Wiener SPÖ basiert, wie im Artikel auch angedeutet, wohl einzig auf den Notwendigkeiten der alten Bausubstanz.
(In der Schweiz gibt es kaum Fläche zwischen den Bergen, was deren Politik gut erklärt.)

Für die Autorin dürfte Innere Stadt/Salzburg/Zürich = Wien = Österreich = Europa gelten. Diesen Eindruck bekommt man immer wieder, wenn amerikanische Reisende von ihren Erfahrungen im gelobten Land berichten.

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Die Frage des Benzinpreises halte ich für völlig überschätzt. Nur beim Pendler fällt dieser ins Gewicht und selbst bei denen machen die sonstigen Kosten des Autos den Löwenanteil aus. Die Preisschwankungen des letzten Jahrzehnts hatten in den USA als auch in Europa kaum einen Effekt auf den Verkehr. Der Öl-Preis muss wohl noch um einiges steigen, bevor wir einen Effekt sehen.

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Europa zehrt aus der Vergangenheit und selbst jene, die sich mit der Frage beschäftigen, konzentrieren sich oftmals auf Ticketpreise oder marginale Umbauten, also die Verwaltung der bestehenden Substanz, aber nicht auf neue Stadtplanung.

Dafür gibt es in den USA die New Urbanism Bewegung. Das sind Stadtplaner und Architekten, die den Schatz der vergessenen stadtplanerischen Erfahrung wieder beleben wollen und in den USA einige Projekte realisieren konnten. (Ein großes Hindernis sind dabei gesetzliche Vorschriften, die klassischen Städte- und Siedlungsbau vielfach verunmöglichen.)

http://de.wikipedia.org/wiki/New_Urbanism

Interessante Bewegung, aber was mir nicht wirklich ersichtlich ist: Wie sollen solche neuen Städte die Probleme der heutigen Großstädte zu lösen, wenn sie es nicht schaffen sollten, den Trend zur Urbanisierung umzukehren und Massenabwanderung aus den Großstädten zu erreichen? In diesen Großstädten gehts ja ganz zwangsläufig nicht anders, als den begrenzten Platz neu zu verwalten.

Die bauen ja nicht unbedingt neue Städte, sondern urbane, gut gemischte Stadtteile dort, wo sonst sowieso nur weiterer, inkohärenter Sprawl gebaut würde. Eben als alternatives Angebot. Sowas müsste man bei uns im Speckgürtel und in den Außenbezirken machen.

Diese Stadtteile verkaufen sich auch hervorragend. Das Problem ist ein politisches. Es braucht Ausnahmegenehmigungen, um überhaupt klassisch bauen zu dürfen und die Finanzierung ist schwierig, weil die Steuerbegünstigungen im Immobilienmarkt Zersiedelung fördern und keine gemischten Einheiten.

Vortrag von Andres Duany, dem Gründer der Bewegung:
http://www.youtube.com/watch?v=rwd4Lq0Xvgc

James Howard Kunstler ist der interessanteste Intellektuelle im anti-Sprawl pro Urbanism-Bereich. (Wenn man seine Weltuntergangsphantasien ignoriert)
TED-Talk: http://www.youtube.com/watch?v=Q1ZeXnmDZMQ

Er hat auch einen Podcast. In den ersten Folgen bespricht er viel interessantes (Die späteren Folgen sind eher repetitiv:)
http://kunstlercast.com/shows/2008.html

Die Folgen „Zoning“, „Urban Planing“ „Starchitects“, „#53: Incomprehensible Buildings“, „Children of the Burbs“ sind meiner Erinnerung nach empfehlenswert.

Irgendwo kritisert er auch den österreichischen Heiligen der Architektur Adolf Loos und dessen pathologische Ornament-Phobie.

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Und wo ich schon am brain-dumpen bin:

Genialer Artikel „The Architect as Totalitarian“ vom brillianten Gesellschaftskritiker Theodore Dalrymple:
http://www.city-journal.org/2009/19_4_otbie-le-corbusier.html

Was verstehst du unter gut gemischten Stadtteilen? Die im Sinne des „New Urbanism“ realisierten Projekte in Amerika (z.B. Seaside, Celebration) sind gated communities für die weiße obere Mittelschicht bzw. Oberschicht…

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