Auch wenn „Die Presse“ seit 1848 frei ist, die Freude zur Innovation ist geblieben – vor allem, wenn es um die eigenen wirtschaftlichen Belange geht. Da wird schon mal eine Sonntagsausgabe gestartet, die von derselben Redaktion gestaltet wird, welche schon die Montags- bis Samstagsausgaben verantwortet – gratis.
Nun ist es nicht neu, dass PraktikantInnen von Medienhäusern in Dienstverhältnisse gezwängt werden, die knapp an der Rechtswidrigkeit vorbeischrammen. Dieser Grundkonsens zieht sich quer durch die Medienlandschaft (wenn auch Ausnahmen die Regel bestätigen).
Zwölf Wochen, 1500 Euro
Die Presse ist auch hier besonders innovativ: Die PraktikantInnen bekommen nicht nur nichts bezahlt (was schon frech genug wäre), sie dürfen auch noch für die Lehrredaktion bezahlen. 1500 Euro kostet der Spaß, der insgesamt zwölf Wochen dauert. Dafür erhält man eine „profunde journalistische Grundausbildung, die noch in der Lernphase praxisbezogen vertieft wird“.
Diese journalistische Grundausbildung besteht aus einem „Intensivtraining“, welches drei Wochen dauert. Hier kann es vorkommen, dass man auch mal 60 Stunden in der Woche in der Redaktion sitzt – auch Arbeit an den Wochenenden ist möglich (aber das sollte selbstverständlich sein, wenn man schon 1500 Euro in eine „profunde journalistische Grundausbildung“ investiert). Pressekonferenzen werden simuliert, man darf auch zu Reportagen „ausrücken“, wie es heißt.
Nach diesen drei Wochen startet Phase zwei: der Einsatz im Ressort. Die LehrredakteurInnen verbringen unter „Echtbedingungen“ je drei Wochen in drei unterschiedlichen Ressorts, bekommen „laufend Feedback“ durch den Ressortchef. Hier ist auch die „Veröffentlichung von Artikeln“ möglich – es wird also nicht nur für den Papierkorb geschrieben.
Das ist also die zwölfwöchige „profunde journalistische Grundausbildung“, die 1500 Euro kostet.
Was haben die Lehrredakteurinnen davon?
Cui bono, wer hat etwas davon? Die LehrredakteurInnen bekommen in diesen zwölf Wochen einen Einblick in den Alltag einer Tageszeitungsredaktion. Man darf eine Reportage schreiben, einen Kommentar verfassen, vielleicht sogar ein Interview führen. Diese Texte werden dann von erfahrenen RedakteurInnen kritisiert.
Das ist nichts anderes als ein erstes Erfahrung sammeln im Journalismus. Eine „profunde journalistische Grundausbildung“? Naja – zumal sich die Lehrredaktion explizit an „branchenfremde“ Absolventen richtet, die bis jetzt noch nie etwas mit dem Journalismus zu tun gehabt haben (Vorerfahrung ist nicht notwendig, aber „eventuell hilfreich“). Ein fertiger Journalist kommt aus diesen paar Wochen Lehrredaktion nicht heraus.
Was hat die Presse davon?
Bei Lehrredaktionen geht es darum, journalistischen Nachwuchs zu bekommen und Talente zu scouten. Im Idealfall ist also wirklich eine oder einer dabei, der in Zukunft für die Presse schreiben wird. Die Chancen sind freilich gering – nach zwölf Wochen im Journalismus ist man kaum weit genug, Redakteur bei einer Qualitätstageszeitung zu sein. Was die Presse aber auf jeden Fall hat: 12.000 Euro cash. Denn „ca. 8 Personen“ machen bei der Lehrredaktion mit, 1500 Euro pro Nase.
Was übrig bleibt
Es ist das gute Recht der Presse, für ihre Leistung – die Lehrredaktion – Geld zu verlangen. Deswegen ist es aber weder gut noch richtig. Für junge, talentierte Menschen, die in den Journalismus streben (oder einfach nur schnuppern wollen), wird die Einstiegshürde immer höher. Denn zu den Kosten von 1500 Euro kommt noch hinzu, dass (wir erinnern uns an die 40 bis 60 Wochenstunden, die anfallen) man in diesen drei Monaten ohne Einkommen leben muss – die „Lehrredaktion kann nicht ’nebenbei‘ gemacht werden“, wie es heißt. Man muss es sich also leisten können, Journalist zu werden. Ob das der richtige Weg ist?
PS: Falls trotzdem jemand Lust bekommen hat: Bewerbungen sind noch bis 2. Juli möglich. Aber Achtung: Es werden nur Bewerbungen akzeptiert, „die per Post erfolgen. Bewerben Sie sich also bitte nicht per E-Mail“.
PPS: Gibt es noch weitere Beispiele für Medienhäuser, die sich für Praktika bezahlen lassen? Bitte um sachdienliche Hinweise per Kommentar unterhalb.
Florian Gossy (Jahrgang 1988) ist Journalist und studiert selbiges. Er interessiert sich für das, was er für das Übliche hält: Politik, Medien und Fußball. Hier vertritt er einzig und allein seine Privatmeinung.
Fotocredits: Tim Ellis, CC2.0 BY-NC
109 Antworten auf „Wie „Die Presse“ mit ihrer Lehrredaktion Geld verdient“
super Artikel, bitte mehr davon !
1500 Euro für den Einblick in den Alltag einer Tageszeitungsredaktion. Dingen beim Sterben zuzusehen… das sollte auch billiger möglich sein.
😉
Lieber Florian Gossy,
Das mag alles korrekt sein, was du da recherchiert hast, aber ich kann dir garantieren, dass es der „Presse“ nicht um das Geld geht.
Tatsache ist vielmehr, dass man (ob der 7-fach-Belastung verständlich) nach journalistischem Nachwuchs sucht – und diese über den Weg Lehrredaktion auch findet.
Ich könnte dir an dieser Stelle die Namen von einem Dutzend Kollegen aufzählen, die über die Lehrredaktion zur „Presse“ gekommen sind und jetzt fix da sind – auch angestellt.
Was journalistische Ausbildung betrifft, hat Österreich nämlich definitiv Nachholbedarf und die Lehrredaktion ist sicher nicht die schlechteste Möglichkeit, das Handwerk zu erlernen. Die Lehrredaktion kostet die „Presse“ auch was: Da stecken einige Leute ganz schön viele Arbeitsstunden rein. Auch nicht gratis, oder?
Mit freundlichen Grüßen,
Heide Anna
die presse läßt sich ja auch ihre 4 kreativseiten bezahlen, wo die kreativen schreiberlinge ihre engsten freunde unterbringen dürfen. die 4.seite lassen sie sich gleich von kreativen machen… auch diese werden nicht bezahlt.
ich plane ja, dort zu wallraffen. titel: „unser täglich zeitung“
Acuh nicht gerade günstig: http://mci.edu/de/sommerakademie/journalismus-redaktion-medien
Liebe Heide_Anna,
zur Klarstellung: Ich habe der Presse keineswegs irgendwo unterstellt, dass die Lehrredaktion deshalb durchgeführt wird, um Geld zu verdienen. Und natürlich ist der Aufwand groß, der betrieben wird – keine Frage, viele Menschen stecken sehr viel Arbeitszeit hinein. Und ja, auch in der Journalistenausbildung gibt es in Österreich Nachholbedarf.
Nur wird hier von fast fertigen Absolventen verlangt, ein Semester wegzuschmeißen, was nicht nur mit dem Verlust von Förderungen einhergehen kann, sondern man in der Zwischenzeit notgedrungen auch kein Einkommen hat. Und zusätzlich wird noch verlangt, 1500 Euro zu zahlen?
Es mag sein, dass ein Dutzend Kollegen aus der Lehrredaktion zur Presse gekommen sind. Nur bedeutet das trotzdem, dass es eine Einstiegshürde von 1500 Euro gibt, damit man dort arbeiten darf.
Für einen jungen Menschen, der in den Beruf strebt, wird die Eintrittshürde immer höher; das ist das erste Mal, das mir aufgefallen ist, dass man nicht nur gratis was leistet, sondern auch noch dafür bezahlen muss.
Aber ich verstehe deine Punkte: Die Presse kostet die Lehrredaktion etwas, also verlangt sie Geld dafür. Das ist ihr gutes Recht. Aber gut muss ich das deshalb noch lange nicht finden.
Liebe Grüße,
Florian Gossy
Der Ablauf der Lehrredaktion unterscheidet sich nicht von anderen, und obwohl ich die bei NEWS gemacht habe, kann ich mich nicht mehr erinnern, ob es zwei mal zwei oder zwei mal drei Wochen waren – shame on me (ich meine, zwei mal zwei). Eine von meinen Mitlehrlingen ist als Redakteurin zu TV Media gegangen, einer in die Online-Redaktion, etliche andere haben dann noch eine Zeitlang bei NEWS gearbeitet, zu welchen Konditionen weiß ich nicht, ob als Freie oder ggfls. zu Praktikumsbedingungen.
N.B.: Das war 2007, nachdem die Lehrredaktion eine Zeitlang nicht statt gefunden hatte und – ob zufällig oder nicht – in einer Zeit, in der etliche Redakteure geschasst wurden (u.a. der Chefredakteur von e-media – der mich ‚ausgesucht‘ hatte – allerdings kam das Angebot, danach noch ein Praktikum bei e-media zu machen, für mich nun nicht in Frage).
Trotz allem fand ich die vier Wochen ausgesprochen produktiv und spannend – du schilderst die Aufgaben oben etwas süffisant, gerade die „Echtbedingungen“ bzw. das absichtliche Erhöhen des Drucks in der Lehrredaktion war ausgesprochen hilfriech.
Man muss auch nicht notwendigerweise süffisant auf ‚Branchenfremde‘ herabschauen – dass viele JournalistInnen raten, bloß nicht Journalismus zu studieren, ist bekannt und ich wüsste nicht, wieso eine Lehrredaktion nicht die erste Art von Erfahrung sein sollte im journalistischen Bereich.
Für mich war es die Erfahrung definitiv wert und sei es nur, um hinterher zu wissen, dass ich nicht immer nur an der Oberfläche von Dingen kratzen will, Durchlauferhitzerstyle. Und auf gar keinen Fall in der Chronik arbeiten will (für die mich der Lehrredaktionsleiter vorschlug).
Natürlich hatte ich aber auch keine 1500 Euro dafür bezahlt und hätte das wohl auch nicht gemacht – es hing auch keine allzugroße Hoffnung für mich auf Anstellung dran (für manche andere in der Lehrredaktion sah das anders aus). Ich hatte gerade Zeit für so etwas und die Bewerbung war erfolgreich.
Insofern – zu meiner Vorkommentatorin: Wenn es der Presse dabei nicht ums Geld geht, soll sie halt kein Geld dafür nehmen.
Ich habe bis zum Ende des Artikels auf das böse Ende gewartet, à la „produzieren eine komplette Beilage für die Presse“, aber es kam nicht.
Eine privatwirtschaftliche Ausbildungstätte, die sich nicht nur ihre Kosten ersetzen lässt („Geld verdienen“ ist bei knapp über €100 die Woche wohl leicht übertrieben) sondern den besten Absolventen anschließend gar noch Jobangebote macht, wie empörend!
Das war jetzt ironisch, sollte es wer nicht bemerkt haben. Würde ich Journalist werden wollen, ich würde mir diese Ausbildung überlegen. Jedenfalls halte ich sie nicht für unmoralisch.
@helge Was ist schon unmoralisch – ich find’s einfach lahm. Und wenn es sich eine Zeitung, die wie die Presse darauf setzt als Qualitätsblatt daherzukommen, nicht mehr leisten will eine wenigstens unentgeltliche Lehrredaktion zu führen, dann ist das gleich noch jämmerlicher. The Guardian z.B. hat ein Traineeprogramm http://www.guardian.co.uk/guardian/article/0,,1224477,00.html
Ob das Vorgehen der „Presse“ hier richtig ist oder falsch, sei dahingestellt. Sicher ist aber, dass verdammt viele Leute diese Möglichkeit der Ausbildung (?) ergreifen würden, wenn sie könnten, mich selbst nicht ausgenommen. Es ist selbst bei 1500 Euro Kosten eine der wenigen Möglichkeiten, wirklich in eine Redaktion in Österreich einzusteigen, egal ob man danach weiterbeschäftigt wird oder nicht.
@Helge:
Nach den ersten drei Wochen arbeitet man neun Wochen „unter Echtbedingungen“ in Ressorts mit, „Veröffentlichung von Artikeln möglich“, heißt es. Wo ist dann der Unterschied zu einem normalen Praktikum/Volontariat, für das man im Regelfall (wenn auch schlecht) bezahlt wird?
Deine Argumentationslinie ginge dann ja in die Richtung, dass man auch für ’normale‘ Praktika/Volontariate bezahlen sollte – das fände ich nicht in Ordnung, und darum gehts mir hier.
man kann sich ja alles schön reden. aber ein praktikum (nichts anderes ist das) zu machen und dafür zahlen zu müssen, sollte eigentlich verboten sein. es ist so schon schwierig genug, ohne finanzielle hürde. ich kenne viele gute leute, die nach jahren der arbeit am existenzminimum den hut darauf geschmissen haben. wenn wir glauben, dass der österreichische journalismus so gut ist und sich leisten kann, auf junge leute zu sch…, dann bitte, aber dann auch nicht über die qualität der zeitungen beschweren, die größtenteils eh nur mehr apa-meldungen abdrucken.
Lieber Florian Gossy,
Peter Krotky, einer der Verantwortlichen, hat sich auf
http://www.facebook.com/DiePressecom zu Wort gemeldet:
„Es gibt die Möglichkeit zu ‚Stipendien‘. Heißt: Wer gut ist (Aufnahmetests) und es sich nicht leisten kann, bezahlt auch nichts.“
Und wer die Sinnhaftigkeit der Lehrredaktion bezweifelt:
„Es gibt ein paar Dutzend Personen, die in der Presse-Lehrredaktion begonnen haben und heute angesehene Journalisten sind. Franz Schellhorn und Florian Asamer wurden gestern zu stellvertretenden Chefredakteuren gewählt. Beide haben ihre journalistische Laufbahn in der Presse-Lehrredaktion begonnen.“
Liebe Grüße,
Heide Anna
Ich finde es amüsant, dass das ausgeschrieben wird, nachdem vor einigen Tagen die „Es gibt keine Generation Praktikum“-Studie veröffentlicht wurde.
@helge
Will jemand Journalist werden, würde ich Leuten raten ein paar Bücher zu den Themen Recherchen, Interviewführung und verständliches Deutsch zu lesen (so wie natürlich viele Werke von tollen Journalisten) und dann ernsthaft ein Blog zu führen (oder bei einem existierenden mitzumachen), wo ich mit all diesen Dingen experimentiere. Im absoluten Verzweiflungsfall – also wenn ich wirklich nirgends auch nur ein Praktikum kriege – würde ich einer Zeitung anbieten, gegen Feedback und Hilfestellung bei Fragen von den Profis eine Zeit lang immer wieder gratis für sie zu schreiben. Oder irgendwelche Jungjournalisten oder gute Blogger antwittern und um Feedback fragen.
Das mit dem gratis Schreiben würde ich an sich nicht wirklich machen, weil ich nicht der gute Samariter für kommerzielle Unternehmen bin. Aber bevor ich 1.500€ dafür zahl, dasselbe zu tun, würde ich es wahrscheinlich schon tun. Man ist als junger Berufseinsteiger ja nicht der Volldodel für alle bitte.
Es gibt sicher einen Mehrwert der Lehrredaktion gegenüber dem, was ich vorschlage. Das will ich gar nicht leugnen. Aber in der Nähe des Preises der dafür vorgeschlagen ist, ist der nicht. Für 1.500 Euro kann ich mich auch 4 Semester an eine FH oder auf eine Uni setzen.
Wo komm ma denn bitte mittlerweile hin? Jetzt müssen wir dann bald Assessment-Center machen, damit wir dafür zahlen dürfen, damit wir den Medien unsere Arbeitskraft schenken dürfen? Und das damit man vielleicht eine Chance hat, bei diesem Medium als freier Dienstnehmer unter zu kommen und wenn man Glück hat und das Medium nicht eingeht, irgendwann auch gut bezahlt zu werden?
Ich hab vor einigen Jahren ein normales, bezahltes Praktikum gemacht, bin dann auch in die Redaktion in weiterer Folge eingebaut worden, weil meine Arbeit gefallen hat und glaube, dass das eine faire und vom Ergebnis her für beide Seiten gute Methode war. Das empfinde ich bei unbezahlten Praktika schon nicht mehr so, und schon gar nicht bei einem für das man auch noch blechen darf.
Wenn alle wie die Presse agieren würden, kann ich dir nicht sagen, ob Leute wie ich heute schon Journalisten wären. Ich hab mein Praktikum statt einem Sommerjob gemacht, was ging, weil es bezahlt wurde. Und ob das Sinn der Sache ist, stellt sich für mich an sich nicht als Frage.
@ Florian: „Ich habe der Presse keineswegs irgendwo unterstellt, dass die Lehrredaktion deshalb durchgeführt wird, um Geld zu verdienen.“ Naja, dann solltest du besser andere Titel formulieren.
Abgesehen davon: Wenn ein Medium versucht, in einer halbwegs institutionalisierten und sinnvollen Form eine Lehrredaktion anzubieten, verursacht das Kosten. Jede ausbildende Organisation der Welt muss diese Kosten tragen. Entweder durch öffentliche Gelder oder indem sie einen Teil davon auf die Auszubildenden abwälzt. Da ich nicht annehme, dass hier öffentliche Gelder im Spiel sind (Wär’s anders, tät ich den Aufschrei gerne hören), ergibt sich der Rest dieser Milchmädchenrechnung ganz von selbst.
ist die journalie schon so verblendet, dass sie die wiedereinfürung von lehrgeld nicht erkennt, wenn sie es sieht? betriebsblind? wird da aus einer not eine tugend gemacht? der selbstaufopfernde journalist…
Kleine Frage zwischendurch: Was bekommen denn die Autoren in diesem Blog hier bezahlt? *g*
@Heide Anna:
Ich verstehe auch die Reaktion von Peter Krotky. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist es gerechtfertigt, dafür Geld zu verlangen, wenn es Leute gibt, die dafür bezahlen.
Das Stipendiensystem ist natürlich eine gute Sache, keine Frage.
@Eberhard:
ad Titel: Es ist ein Unterschied, ob mit etwas nebenbei Geld verdient wird oder ob man es nur wegen des Geldes veranstaltet. Gegen den Vorwurf, ich hätte Zweiteres impliziert, habe ich mich gewehrt – das habe ich nicht getan.
Neun von diesen Zwölf Wochen verbringt man im Ressort, wo man im Echtbetrieb mitarbeitet und auch Artikel veröffentlicht. Wo ist hier der Unterschied zu einem Praktikum/Volontariat, welches in der Regel bezahlt ist?
Natürlich verursacht die Lehrredaktion kosten. Aber ist die Presse-Lehrredaktion das gleiche wie ein WIFI-Kurs?
@Peter Krotky
„““Kleine Frage zwischendurch: Was bekommen denn die Autoren in diesem Blog hier bezahlt? *g*“““
Kommt drauf an, wie oft du auf den flattr-Button hämmerst. 😉
1. ich finde es gut, wenn journalismus mit anderen disziplinen verbunden wird, also ausdrücklich „branchenfremdes“ zugang und aufenthalt bewilligt wird, sozusagen.
2. ich finde es verständlich, dass lehrredaktionen geld kosten müssen, sofern man sich wirklich bemüht, die leute zu integrieren, um sie angemessen/“ungeizig“ an zeit, erfahrung und wissen der redakteure teilhaben zu lassen.
3. aber wenn ausdrücklich „branchenfremde“ leute erwünscht sind, wollen die selbsterklärten lehrer ja offensichtlich auch von deren know-how profitieren, also selbst lernen. aus meiner sicht ist das also ein geben und ein nehmen und daher empfinde ich es als wucher, einen betrag von 1.500 euro zu verlangen.
4. gäbe es auch, aber jetzt ist die mittagspause zu ende. danke jedenfalls für den artikel!
@Florian Gossy:
ad Titel: Hättest du die Lehrredaktion absolviert, würdest du deine Worte vielleicht klüger wählen. „Verdienen“ in diesem Zusammenhang meint nämlich einen Gewinn machen [1], also Einnahmen minus Aufwand. Und ich bezweifle, dass die Presse mit der Lehrredaktion direkt einen Gewinn macht, also damit verdient. Denn die mehrwöchige Betreuung durch mehrere sicher nicht schlecht bezahlte Journalisten kostet vermutlich mehr.
[1] http://www.duden.de/rechtschreibung/verdienen#Bedeutung1c
Na dann scheint dieser Blog ja der geeignete Startpunkt für eine gut bezahlte Journalistenkarriere zu sein *g*. Mit dem Recherchieren hapert´s vielleicht noch ein bisschen (Hat der Autor dieses Blogeintrags mit der Presse oder irgendeinem Absolventen der Lehrredaktion Kontakt aufgenommen?), aber das wird sicher noch.
@Florian:
>Wo ist dann der Unterschied zu einem normalen Praktikum/Volontariat,
>für das man im Regelfall (wenn auch schlecht) bezahlt wird?
Ich weiß nicht, ob die Presse diesen Unterschied so lebt aber ich würde ihn so verstehen (und anlegen): Bei einem Praktikum werden die Leute rein im Interesse des Produktionsbetriebs eingesetzt. Können sie nicht so gut schreiben, schreiben sie auch nicht. Recherchieren sie schlecht, werden sie woanders eingesetzt. Sie können ihr Können beweisen, aber beigebracht kriegen sie nichts explizit. Das ist hoffentlich in der Lehrredaktion anders.
Ich denke hier an meine Kobuk-Lehrveranstaltung am Publizistikinstitut: Manche wenige haben’s richtig drauf, aber sehr Vielen musst du die absoluten Basics beibringen. So eine Ausbildung kann und darf was kosten.
Aber wie gesagt: Keine Ahnung, wie das die Presse lebt.
Ja, die Lehrredaktion ist das gleiche wie ein Wifi-Kurs. Nur sicherlich um Häuser besser und realitätsnäher. Bei anderen Instituten (FFI, KMA, KfJ o.ä.) zahlt man auch für Journalisten-Intensivtrainings. Ich kann mir vorstellen, dass man in den drei Monaten mehr über praktischen Journalismus von echten Profis lernt als in einem gesamten Publizistikstudium (das auch gar nicht dafür gedacht ist). Mir wäre ein „Teilnahme an der Presse-Lehrredaktion 2011“ im Lebenslauf jedenfalls die 1500 Euro wert. Wie auch immer man die Kohle auftreibt (Nebenjob, Mama, Oma, Tante). Die, die jammern, wollen diesen Beruf vermutlich eh nicht ergreifen.
@Helge
Was du beschreibst ist allerdings in meinen Augen schon nicht einmal der Zweck eines Praktikums, sondern von Schulschnuppertagen.
@Peter
Ich mach mir auch keine Sorgen um den Kollegen Gossy oder die anderen Autoren dieses Blogs. Wir haben hier sogar ungefähr gleich viele Artikel über die spanischen Aufstände hier, wie die Presse.
Im Übrigen hat die Presse monatelang immer wieder Artikel dieses Blogs veröffentlicht – vielleicht solltest dir die Süffisanz also sparen?
@makk
„Mir wäre ein “Teilnahme an der Presse-Lehrredaktion 2011″ im Lebenslauf jedenfalls die 1500 Euro wert. Wie auch immer man die Kohle auftreibt (Nebenjob, Mama, Oma, Tante).“
Lebenslauf kaufen, nettes Hobby.
Wür mich jetzt ehrlich interessieren, aus welchen Verhältnissen du stammst. Denn die meisten Menschen die ich kenne, haben ein Problem einen Nebenjob zu finden, der ihnen so mal eben ermöglicht, sich ein 3 monatiges unbezahltes Vollzeit-Praktikum zu erkaufen. Aber anscheinend muss einem der Lebenslauf das Wert sein. Die 2.500 Euro investition würd ich lieber in eine Reportagereise stecken. Auch wennst dafür kein Zeugnis kriegst.
„Die, die jammern, wollen diesen Beruf vermutlich eh nicht ergreifen.“
Die, die hier jammern, haben diesen Beruf bereits ergriffen.
@Tom: Ich wollte nicht wirklich süffisant sein. Ich habe nur gefühlte 1000 Diskussionen zum Thema „ausbeuterische Medien“ versus „freie Blogs/freier Journalismus“ hinter mir. Die laufen immer nach demselben Schema ab: etablierte Medien = böse; freie Medien = gut. Und sie enden immer gleich: Sobald man jemandem aus den freien Medien ein Angebot für einen Job bei den bösen etablierten Medien macht, sagt er ja und macht mit. Ansonsten: In derselben Zeit, die hier diskutiert wird, kann man seinen Lebenslauf schicken und sich bewerben – und gleichzeitig um das Stipendium ansuchen. Also Täter sein statt Opfer *g*. Aber das liegt bekanntlich nicht jedem…
@Tom: An deiner Stelle ergibt die Reportagereise sicher mehr Sinn. Aber was machen Leute, die zwar analytisch denken können und in irgendeinem Bereich über Fachwissen verfügen aber noch nicht schreiben & recherchieren können? So wie ich es verstehe ist *das* die Zielgruppe.
@Helge
Es gibt genug, die sich die Basics selbst beigebracht haben oder bereits erste Erfahrungen in dem Bereich gesammelt haben und sich so von Anfang an gut für den Einsatz in einer Redaktion eignen. Deshalb gibt’s Bewerbungs- und Auswahlverfahren.
Ich muss die jungen Anwärter aber nicht wochenlang kostenlos arbeiten und sie erstmals ausnutzen, bevor ich mir überlege, ihnen vll. eine Chance zu geben. Hauptsache sie haben all das erledigt, für das sonst niemand Zeit hat. Immerhin haben sie ja ach so tolle Einblicke in den Redaktionsalltag bekommen. Gut verkauft. Vor allem den jungen Möchtegern-Journalisten, die sich noch nie Gedanken darüber gemacht haben, was sie für eine solche Position eigentlich mitbringen sollten.
Jeder Praktikant braucht zu Beginn Unterstützung. Und ich versteh’s, wenn man jungen Leuten deshalb für einen gewissen Zeitraum eine geringere Entlohnung bietet. Aber soll deshalb jedes Praktikum kostenpflichtig sein?
Just my 2 cents.
Ohje, da gehen die Emotionen ja bereits hoch. Ein paar Gedanken dazu:
1)Ich glaube wirklich nicht dass es der Presse darum geht, Geld mit den Lehrredakteuren zu verdienen. Ich denke es geht darum, einige der entstehenden Kosten auf diese abzuwälzen. Dass ausreichend Kosten entstehen (durch Betreuung etc) ist keine Frage.
2)Finde ich es deshalb gut bzw vernünftig, die Lehrredakteure 1500 Euro bezahlen zu lassen? Nein. Aus folgenden Gründen: Die Presse „bekommt“ ja auch etwas von ihnen, nämlich Artikel, Wissen, Mitarbeit, so zumindest laut Ausschreibung. Und es ist nun einmal ein Unterschied sich als Bildungseinrichtung für eine Ausbildung bezahlen zu lassen, im Gegensatz dazu sich als potenzieller zukünftiger Arbeitgeber von hoffnungsfrohen zukünftigen Arbeitskräften bezahlen zu lassen.Stellen wir uns bitte mal vor das würden alle so machen: Sie wollen Bäcker werden? Absolvieren Sie doch für 1500 Euro die Ankerakademie, sie haben dann auch gute Chanchen bei uns bleiben zu dürfen. Es zieht sie in die Bank Austria? Leisten Sie sich unser Traineeprogramm, vll nehmen wir sie ja nachher.
Klar, verboten ist das nicht, aber ist es fair? erade in einer Branche in der viele Kollegen dann ohnehin Jahrelang unterbezahlt arbeiten?
3) Ja, klar, die Ausbildung junger KollegInnen ist zeitintensiv, anstrengend, etc. Habe selber genug Praktikanten umsorgt um das zu wissen. Aber dennoch profitieren Medienunternehmen von eben diesen Praktikanten, sei es durch deren Texte oder auch durch deren anderen Blick auf Dinge. Und diesen Profit sollte man auch durch bezahlte Praktika abgelten. Und so sehr unterscheidet sich die Lehrredaktion – zumindest wenn es nach der Ausschreibung géht – nicht von einem Praktikum. Ich fände es aber, muss ich auch dazu sagen, nachvollziehbar, wenn die Lehrredaktion unbezahlt ist. Wenn sich der „Lehr“-Teil und der „Praktikums“-Teil etwa die Waage halten fände ich das in Ordnung.
4) Ich glaube dass sowohl die Ausschreibung unglücklich formuliert ist, als auch die Idee, Geld zu verlangen, eine Schnapsidee ist. Dennoch ist es unfair den Kollegen von der Presse jetzt unterstellen zu wollen dass sie mit den Lehrredakteuren nur „Kohle machen“ wollen – da gibts bessere, einfachere, lukrativere und unstrittigere Wege dazu 😉
Lg Anita
@Peter
Nicht süffisant sein wollen hilft halt nix, wenn mans trotzdem ist. Die Presse hat (schon vor Jahren) zahlreiche Artikel dieses Blogs für so gut befunden, dass sie sie in ihrer Printausgabe abgedruckt hat. Damit wurde dieser Blog möglicherweise öfter in der Zeitung abgedruckt als es en Leute beim Abschluss eurer Lehrredaktion gelungen sein wird. Mehrere Autoren dieses Blogs sind bereits Journalisten, die anderen wollens nicht sein. Ich glaube wirklich nicht, dass ein Kommentar darüber angebracht ist, was wir tun und leisten können und was wir stattdessen machen sollten.
Wir führen hier außerdem keine Diskussion über Freie Medien vs kommerzielle Medien. Wir führen hier eine Debatte darüber, dass die Presse (in der wirklich wohlmeindensten Deutung) Geld dafür verlangt, ihre Leute auszubilden. Wenn die Leute für euch arbeiten sollen, dann bezahlt sie. Wenn ihr wollt, dass sie besser werden, dann bildet sie aus. So einfach seh ich das.
Ich akzeptier das schon, dass man das anders sehen kann und dass ein Unternehmen seine Kosten möglichst decken will. Aber es wird dich hoffentlich auch nicht überraschend, das nicht jeder mit dieser konkreten Praxis einverstanden ist.
@Tom: Logisch, dass du das falsch verstanden hast. Was ich meinte, die 1500 Euro sind gut investiertes Geld, wenn man Journalist werden will. In der Branche hat die „Presse“-Lehrredaktion keinen schlechten Ruf. Oder bist du da auch anderer Meinung? Und nein, ich stamme aus sehr bescheidenen Verhältnissen und arbeite seit ich 16 bin nebenbei. Und genau für solche Möglichkeiten habe ich genug auf die hohe Kante gelegt. Hast du denn keine Praktika, Kurse etc. in deinem Lebenslauf oder bist du als Journalist auf die Welt gekommen? Schon ein bisserl scheinheilig mir da „Lebenslauf kaufen“ zu unterstellen.
Frage eines Laien: Die 1500 Euro pro Teilnehmer bringen die „Presse“ nicht durch den Winter. Für einen Teilnehmer auf der anderen Seite ist es (1) ein Happen Geld und (2) eine Geste, die abschreckt. Mit (1) + (2) riskiere ich, dass mir gefühlte 25 sehr, sehr, sehr, sehr fähige Bewerber, von denen der eine oder die andere eventuell ja sogar das Blatt in den nächsten Jahren wesentlich mitprägen hätte können, durch die Lappen gehen.
Ohne also in das Diskussionsschema von „Böse Zeitung beutet junge Idealisten aus“ reinzukippen… würde es nicht auch aufgrund der „Qualitätssicherung“ Sinn machen, keine Gebühr zu verlangen?
@ Tom Schaffer: Ich nehme an, das Abdrucken deiner Blogs bezieht sich auf diese Blog-Spalte, die es mal gab – das war doch eine Art Gastkommentar, richtig?
In Deutschland ist es übrigens ganz normal, als Teil der Ausbildung ein Volontariat zu machen, das nur gering oder gar nicht bezahlt ist, aber mehrere Jahre dauert. Sicher kein Vorbild, I know, aber eben Teil der Lebensrealität von Journalisten. Da ist „Die Presse“ eben einfach keine Ausnahme.
@Anita: Merci für die fairen Einwürfe aus rosa Mitbewerbssicht. *g*
Ansonsten vielleicht noch zu den Fakten (und es mag durchaus sein, dass die Darstellung nicht optimal gelungen ist): Zusätzlich zur Lehrredaktion (in der Form eigentlich einzigartig in Österreich) gibt´s bei der Presse ja auch noch die Möglichkeit für Praktika wie bei jedem anderen Medium. Und diese Praktika werden zum üblichen Praktikantenhonorar (etwas mehr als 500 pm) entlohnt. Wer also die Lehrredaktion nicht will, hat immer noch die Option auf ein Praktikum. Und wer uns gar nicht will, hat ja noch genug andere Medien, wo er/sie es probieren kann.
BTW: Wenn ihr alle schon Journalisten seid, dann zählt ihr nicht zur Zielgruppe der Lehrredaktion.
Guter Artikel!
Wirklich beeindruckend, dass hier eine Vertreterin der Presse sich traut das auch noch zu verteidigen. Ja, die Presse hat Unkosten. Ja, es gibt Stipendien. Nein, es ist nichts unmoralisch – die Presse könnte auch das 20-fache verlangen, es ist ja freiwillig.
Aber… War da nicht kürzlich eine Studie, es gäbe keine Generation Praktikum?
Sorry, aber ich finds nicht selbstverständlich, dass junge Menschen so ausgenutzt werden müssen. Ja, ich bin der Meinung die Presse könnte den Leuten 1500 Euro zahlen dafür.
Oder ist der Unkostenbeitrag doch auch eher gedacht, um die Blattlinie der Presse auch weiterhin an die wohlhabenste Gesellschaftsschicht anzupassen, die nicht weiß, dass Club-Mate keinen Alkohol enthält?
http://diepresse.com/home/wirtschaft/668392/WEFDemo_Ein-Traktor-als-heimlicher-Star?gal=668392&index=18&direct=668176&_vl_backlink=/home/index.do&popup=
@makk
ok, vielleicht war ich ein bisserl zu aggressiv. sorry.
ich hab ein praktikum gemacht – ein bezahltes. (anders wär es sich bei mir auch nicht ausgegangen. unter anderem darum geht es.) und ich hab erfahrung gesammelt – indem ich einfach dinge gemacht und ausprobiert habe. ich hab jedenfalls nicht dafür gearbeitet und gespart, um arbeiten zu dürfen.
@helge
wer weder recherchieren noch schreiben kann, sollte recherchieren und schreiben. da gibts gute bücher dazu, die kosten zusammen 15 euro. ich bezweifle, dass man aus der lehrredaktion mit einer umfassenden ausbildung zum investigativen journalisten herauskommt. da gehts um die absoluten basics.
@Dyrnberg: Völlig richtig. Durch den Winter bringt uns das in keiner Weise, nicht einmal durch einen kalten Winterabend *g*. Es geht also tatsächlich überhaupt nicht um den Umsatz. Warum verlangen wir dann Geld? Nun: Wir haben im Zuge der Lehrredaktion (die seit 1997 existiert) schon alle Varianten durch. Zu Beginn haben wir ATS 30.000 verlangt (wenn ich mich richtig erinnere), dann weniger, dann bis zur letzten 2008 nichts. Dahinter stand jedes Jahr die Diskussion, ob sich durch eine Gebühr die Ernsthaftigkeit der Bewerber steigern lässt. Diese Frage hat offen gesagt bei uns Befürworter und Gegner. Heuer probieren wir´s wieder mit Gebühren. Jeder von uns aber ist der Meinung, dass uns kein guter Bewerber durch die Finger gehen darf wegen solcher Gebühren. Daher gibt es auch Gratisplätze – und gab es auch immer Gratisplätze, als wir Gebühren verlangt haben.
@Peter
was machen praktikanten bei euch eigentlich anderes als im ressort eingesetzt zu werden und von den kollegen feedback zu kriegen? das is für micht der zweck eines praktikums und anscheinend auch zwei drittel dessen, was die lehrredaktion ausmacht.
weitergedacht: schnappen die leute der lehrredaktion den praktikanten plätze weg? erkaufen sie sich praktisch einen praktikumsplatz, der dann auch noch nicht bezahlt wird?
@heide_anna
ja darum ging es.
warum ziehst du das deutsche vorbild heran, um es dann als vorbild abzulehnen? die realität, mit der viele junge journalisten konfrontiert sind, ist ein stückwerk aus lauter solchen „sollte und müsste eigentlich nicht sein, ist aber halt so“-elementen.
@Tom und Florian: Ein guter Journalist hätte diese Fragen vorher mit den Verantwortlichen besprochen und in den Artikel reingeschrieben. Richtig?
Ich stimme Anita voll zu. Und ich glaub auch nicht, dass die Presse mit der Lehrredaktion das große Geld machen will.
Ich bin einfach nicht überzeugt davon, dass die Lehrredaktion die supertolle Ausbildung ist, die den Jungjournalisten so viel mehr bringt, als sie der Presse zurückgeben.
@makk
Wenns darum gegangen wäre, darum gehts aber nicht. Es geht hier ums Grundsätzliche. Zudem besteht imo kein Anlass anzunehmen, dass die unbezahlten Ressorteinsätze in irgendeiner Form signifikant anders sind, als das was ich als bezahltes Praktikum kenne – abgesehen davon vielleicht, dass ich keine 60 Stunden arbeiten musste und nicht dafür zahlen musste, meine Arbeitskraft für das Medium einzusetzen. 😉
Bevor wir jetzt aber weiter darüber sprechen, wie man unseren Beruf zu verstehen hat, wüsst ich gern, mit wem ich eigentlich spreche.
@ Peter Krotky: Sie stellen ernsthaft die Frage, was daran bedenklich ist, 1500 Euro für die Lehrredaktion zu zahlen? Sie erwarten von Personen mit einem abgeschlossenen Studiums, dass sie für eine Ausbildung bezahlen müssen? Reicht es nicht, dass es in Österreich im Bereich des Journalismus bereits die Generation Praktika gibt? Denken Sie nicht, dass auch Personen mit abgeschlossenem Studium gewisse Lebenserhaltungskosten decken müssen – Miete, Lebensmittel etc? Die 1500 Euro schließen so gut wie alle, die keine reichen Eltern haben, von der Lehrredaktion aus. Und selbst wenn die Teilnehmer ein Stipendium erhalten, die Lebenserhaltungskosten sind davon nicht gedeckt!
Zudem stellt sich mir hierbei die Frage, wofür die Presse einen Zuschuss zu den Kosten der Ausbildung von Nachwuchsjournalisten erhält?! Im Jahr 2009 waren dies 18.000 Euro, 2010 sogar 20.000 Euro. Meines Wissens nach wurde die letzte Lehrredaktion 2008 abgehalten. Inwiefern investiert die Presse dieses – zweckgebundene – Geld??
„@Tom und Florian: Ein guter Journalist hätte diese Fragen vorher mit den Verantwortlichen besprochen und in den Artikel reingeschrieben. Richtig?“
hahaha, buuuurn! :))
der herr krotky schildert nur teile der realität. die lehrredaktion hatte schon unterschiedlichste geld-modelle. manchmal gabs zeilenhonorar, dann wieder eine fixpauschale wie für praktikanten. so ganz klar über den modus dürfte die presse sich also noch immer nicht sein.
grundlegendes: die institution an sich find ich gut, aber mir schmeckts nicht, dass dafür geld verlangt wird. den ätzenden tonfall des hiesigen artikels find ich aber entbehrlich.
fakt ist, dass andere firmen für vergleichbare programme auch geld verlangen, oft deutlich mehr als die presse.
@Tom Offtopic: Was für Bücher empfiehlst du?
In den letzten Jahren musste man bei der Presse-Lehrredaktion nichts zahlen, sondern hat ein Praktikanten-Gehalt bekommen. Warum wird jetzt etwas verlangt – wird mehr geboten als bei den vergangenen Kursen?
@ Peter Krotky:
„Zusätzlich zur Lehrredaktion (in der Form eigentlich einzigartig in Österreich) gibt´s bei der Presse ja auch noch die Möglichkeit für Praktika wie bei jedem anderen Medium.“
Einzigartig ist an der Presse-Lehrredaktion wohl leider nur, dass dafür bezahlt werden muss. Beim ORF gibt es zum Beispiel eine Nachwuchsakademie, da sind die angehenden JournalistInnen sogar EIN JAHR lang jeweils ein paar Wochen in den verschiedensten Abteilungen und bekommen außerdem noch ein dichtes Seminarprogramm. Und sie werden dafür sogar bezahlt, wie ich von TeilnehmerInnen weiß.
http://derstandard.at/1289608548078/Ausbildung-ORF-startet-Akademie-fuer-Journalistenausbildung
Weil manche hier das WIFI anführen: nein, das ist nicht dasselbe. Bei der Lehrredaktion von der Presse gibt es vorher einen aufwendigen Bewerbungsprozess samt Aufnahmeprüfung. D.h. es werden nur die genommen, die schon gewisse Anforderung erfüllen. Danach müssen sie zahlen, um dieses Können oder Talent einzusetzen bzw. auszubauen. Müsste ein Lehrling für seinen Lehrplatz zahlen, dann würden alle aufschreien (ja, vom Staat mitfinanziert, aber im Endeffekt wohl auch nicht sehr viel billiger für das Unternehmen). Warum also muss ein angehender Journalist für diese Lehre dann zahlen?
Hier wird von jungen Leuten immer mehr und mehr verlangt, das in keiner Relation zu dem steht, was diese dafür bekommen. Nirgends steht geschrieben, dass eine weitere Mitarbeit bei der Presse in Aussicht gestellt wird. Lediglich die Möglichkeit, dass eventuell ein paar Artikel veröffentlicht werden. Dann kann ich aber auch gleich auf eigene Faust schreiben, mir das Wissen autodidakt aneignen und meine Artikel diversen Zeitungen anbieten. Wenn das Talent oder Können vorhanden ist, dann sollte das auch hinhaun. Bei mir hat’s funktioniert und ich zahl nicht ein paar tausender drauf, sondern bekomme auch etwas für meine Arbeit.
Herr Gossy schreibt:
„Nach den ersten drei Wochen arbeitet man neun Wochen “unter Echtbedingungen” in Ressorts mit, “Veröffentlichung von Artikeln möglich”, heißt es. Wo ist dann der Unterschied zu einem normalen Praktikum/Volontariat, für das man im Regelfall (wenn auch schlecht) bezahlt wird?“
Ich sage:
Diese Frage zu beantworten wäre Aufgabe des schreibenden Journalisten gewesen. So etwas lernt man unter „Echtbedingungen“ von erfahrenen Kollegen, die einem auch Zeit und Feedback geben. Für so eine Ausbildung darf mMn auch Geld verlangt werden. Wem das nicht gefällt, kann es ja auch anders versuchen.
Seine persönliche Meinung ins Internet zu stellen, und dann noch so zu tun, als hätte man knallhart recherchiert, ist eben noch kein Journalismus.
Und ja, man schafft es auch ohne Lehrredaktion in die „Presse“.
aha, kommentare gesperrt? der chef darf das letzte wort haben und dann ist schicht im schacht? so hamma das gern… echt peinlich, liebe „zurpolitik“-leute!
Zitat von Dyrnberg: „Dingen beim Sterben zuzusehen… das sollte auch billiger möglich sein.“
Weltklasse.
@Tom:
Unterschiede Praktikum / Lehrredaktion:
Praktikum (Print) ist so, wie von jemandem weiter oben geschildert. Man arbeitet in einem Ressort mit; man bekommt je nach Ressort Feedback zu seinen abgelieferten Stories; ein strukturiertes Programm gibt es nicht. Übliche Dauer: ein Monat. Je nach Engagement und Ressort kann man mehr oder weniger Nutzen daraus ziehen.
Fokus: Interesierten die MÖglichkeit zu geben, in den Beruf hineinzuschnuppern
Lehrredaktion:
Drei Wochen Intensivtraining gemeinsam mit eigens dafür abgestellten Personen (intern auch als „Boot Camp“ bezeichnet); extrem intensives Feedback; steile Lernkurven. Stimmt: Hier geht´s eher um Basics, aber auch für jeden, der schon etwas Erfahrung hat, durch das überaus intensive Feedback eine überaus lehrreiche Erfahrung. Danach drei mal drei Wochen in unterschiedlichen Ressorts. Dort vermutlich in der Lehrredaktion etwas intensivere Begleitung als bei normalem Praktikum; dazu auch ein kleines Parallelprogramm außerhalb des Ressorts. Macht in Summe also zwölf Wochen.
Erfolgsquoten nach Lehrredaktion: ziemlich hoch. Bisher wurden rund 80% der Teilnehmer nach Ende der Lehrredaktion weiter beschäftigt, natürlich nicht alle auf immer. Ein gutes Drittel der derzeitigen angestellten Presse-Journalisten stammt aus der seit 1997 bestehenden Lehrredaktion. Zahlreiche Lehrredaktions-Absolventen sind zwar nicht mehr bei der Presse, dafür aber bei anderen Medien tätig. Gemessen an der Zahl der Absolventen gibt es vermutlich kein zweites vergleichbares Programm mit einer derart hohen „Erfolgsquote“ in Österreich.
Fokus: Personalrekrutierung für Presse
Weil wer gefragt hat, mit wem er es zu tun hat: Ich habe 1997 gemeinsam mit Stefan Schöffl das Curriculum entworfen und zuletzt von 2006 bis 2008 die Lehrredaktion gemeinsam mit Schöffl geleitet. 2009 und 2010 gab´s krisenbedingt keine Lehrredaktion; jetzt erstmals wieder.
Fazit: Klar, FH- oder Uni-Studium ist die Lehrredaktion nicht. Klar, Job-Garantie ist die Presse-Lehrredaktion auch für niemanden. Aber empirisch belegbar ist, dass sie für ziemlich viele Absolventen ein ganz wichtiger Schritt in den Journalistenberuf war. Mögen muss man´s trotzdem nicht *g*.
Und für die ganz Genauen noch zu Details der Durchführung, die noch nicht ganz fix sind:
Wir zahlen ein Honorar pro Monat (vermutlich das übliche Praktikantenhonorar).
Wir verlangen eine Gebühr für die Teilnahme.
Saldiert aus diesen beiden Posten sollen sich dann ungefähr die angeführten Kosten ergeben.
Wir vergeben Freiplätze für Menschen, die sich die Gebühr nicht leisten können.
Wer sich´s durchrechnet, wird feststellen, dass er die Gebühr schon wieder herinnen haben kann, sollte er nach der Lehrredaktion bloß einen Monat bei der Presse durchhalten. Ab dann ist man rechnerisch in der Gewinnzone *g*.
@Hundefürst
„aha, kommentare gesperrt? der chef darf das letzte wort haben und dann ist schicht im schacht? so hamma das gern… echt peinlich, liebe “zurpolitik”-leute!“
Hier werden keine Kommentare gesperrt. Damit hast du dich jetzt wohl eher selbst disqualifiziert, lieber „Hundefürst“.
@ Evelyn:
„Einzigartig ist an der Presse-Lehrredaktion wohl leider nur, dass dafür bezahlt werden muss. Beim ORF gibt es zum Beispiel eine Nachwuchsakademie, da sind die angehenden JournalistInnen sogar EIN JAHR lang jeweils ein paar Wochen in den verschiedensten Abteilungen und bekommen außerdem noch ein dichtes Seminarprogramm. Und sie werden dafür sogar bezahlt, wie ich von TeilnehmerInnen weiß.“
Ja, klar. Schon mal geschaut, wieviel Defizit der ORF macht? Schon mal geschaut, wer das zahlt? Schon mal eine GIS-Gebühr gezahlt? Dort werden solche Dinge von allen fernsehenden Österreichern mitgezahlt, ob die jemals davon profitieren oder nicht.
@Peter
Ich glaube, hier bezweifelt niemand, dass die Lehrredaktion für viele angehende Journalisten sehr sinnvoll sein kann. Es wird nur hinterfragt, warum man dafür 1500 Euronen hinblättern muss – wo die Presse doch sehr viel Arbeitsleistung und schlussendlich auch noch die vermeintlich besten Köpfe dafür bekommt. „Investition in die Zukunft“ kann also durchaus auch andersrum betrachtet werden 😉
@Petra: Ok, ich fasse nochmal zusammen:
1. Es muss niemand.
2. Es gibt – auch in der Presse – eine Alternative: das Praktikum wie bei allen anderen auch. Da gibt´s das übliche Praktikumshonorar, dafür aber kein strukturiertes Intensivprogramm.
3. Wie weiter oben ausgeführt: nur ein Monat nach der Lehrredaktion bei der Presse durchhalten und das Geld ist wieder zurückverdient.
Und so ganz generell: Dann dürfte ich ja nie in irgendeine Art von Ausbildung investieren, weil´s ja immer jemand geben wird, der von meiner Ausbildung profitieren könnte. Dass man davon selbst am allermeisten profitieren kann, scheint in der Diskussion etwas in Vergessenheit zu geraten. *g*
Aber ich bin alles andere als ein PR-Mensch und will hier überhaupt keine Werbung betreiben. Aber als Journalist finde ich, dass der Blog-Beitrag eine ziemlich schwache und in den Fakten völlig unreflektierte und unrecherchierte Geschichte ist. Ich wollte bloß zu den Fakten das beitragen, was eine anständige Recherche von Haus aus hätte tun sollen. Danach darf man uns natürlich immer noch gerne in Grund und Boden verdammen. *g*
Wenn es junge Leute gibt die für eine Lehrrededaktion Geld zahlen wollen, muss es die Presse nehmen. Wie seriös eine Zeitung ist die sich so, gehorsame und billige Arbeitskräfte zur Profit Maximierung anlernt, ist eine andere Frage.
Aber ich glaube dass Menschen die solche Angebote annehmen, die Fähigkeit etwas kritisch zu hinterfragen verloren haben, weshalb sie als JournalistInnen denkbar ungeeignet sind. Sicher nicht für die Presse oder deren Eigentümer, aber für die LeserInnen. Nur ja nichts hinterfragen, stets brav und willfährig sein, dann gibts am Ende der Lehrredaktion auch einen Job. Nein danke sollte die Antwort sein, denn
Journalismus findet jetzt schon im Netz statt und jeder kann sich selbst eine Meinung bilden. Zeitungen werden nicht sterben aber sie werden noch mehr an Bedeutung verlieren. Sobald ein Geschäftsmodell für BlogerInnen gefunden ist, das deren Fortbestand sichert, werden Zeitungen ein Minderheiten Programm sein. Und wenn ich mir die Presse Lehrredaktion so anschaue, zu Recht.
Wenn schon gratis, dann bitte im eigenem Blog, kritisch und unabhängig.
@hundefürst in den 4 oder 5 jahren seit es diesen blog gibt, wurde erst ein beitrag nicht freigeschaltet, und dort machte ein user werbung für seine peepshow. 😉 das der erste kommentar eines neuen users überprüft wird, dient nur der spambekämpfung und eventueller vorbeugung rechtlicher komplikationen. Zweiteres war zum glük noch nie nötig
@Wolfang: Der Link von Wolfgang geht auf wientv.org. Kurze Frage: Welche Honorare werden dort für Beiträge bezahlt?
Vier Anmerkungen eines bezahlt habenden Absolventen der LR 2003 (ich habe mir das Geld borgen müssen), der nach knapp sechs Jahren im Wirtschaftsressort seit Sommer 2009 als Brüssel-Korrespondent für „Die Presse“ arbeitet:
#1 Niemand zwingt Euch, die LR zu machen. Sie ist aber sicher einer der besten Wege in den Zeitungsjournalismus. Das können Kollegen anderer Medien bestätigen. Unsere beiden neuen stellvertretenden Chefredakteure haben die LR gemacht, eine Chefin vom Dienst, mindestens zwei stellvertretende Ressortleiter und noch eine Menge anderer Redakteure.
#2 Wer glaubt, eine Zeitung könne sich mit jährlich 8 mal € 1500.- finanziell sanieren, sollte sich die Berufswahl „Journalist“ noch einmal ganz genau überlegen.
#3 Ich möchte nicht in die „Was-nichts-kostet-ist-nichts-wert“-Demagogie einsteigen, aber eine Bemerkung sei mir erlaubt: € 1500.- Investition in die eigene Ausbildung und Karriere sollten es einem wert sein, wenn man diese Ausbildung und diese Karriere wirklich verfolgen will. Wenn man nur Journalist werden möchte, weil das irgendwie lässig ist/man so gerne Aufsätze schreibt/keine echten Berufsvorstellungen hat, wird man nicht Journalist. Diese Zeiten sind vorbei.
#4 Auch wenn diese Kolumne die persönliche Meinung des Autors wieder gibt, wäre ein Anruf bei der „Presse“ lege artis gewesen. Er hätte allerdings vermutlich die beiden Grundannahmen widerlegt, dass die Zeitung das a) aus finanziellem Eigennutz tut und b) nur teilnehmen kann, wer einen reichen Papa hat.
Freundlichen Gruß, OG
Ich versuchs halt nochmal:
@Peter Krotky: Sie wundern sich ernsthaft, warum es so eine Aufregung über die Tatsache, dass man für die Lehrredaktion zahlen muss, gibt? Sie erwarten von Personen mit einem abgeschlossenen Studium, dass sie für eine Ausbildung bezahlen müssen? Reicht es nicht, dass es in Österreich im Bereich des Journalismus bereits die Generation Praktika gibt? Denken Sie nicht, dass auch Personen mit abgeschlossenem Studium gewisse Lebenserhaltungskosten decken müssen – Miete, Lebensmittel etc? Die 1500 Euro schließen so gut wie alle, die keine reichen Eltern haben, von der Lehrredaktion aus. Und selbst wenn die Teilnehmer ein Stipendium erhalten, die Lebenserhaltungskosten sind davon nicht gedeckt!
Zudem stellt sich mir hierbei die Frage, wofür die Presse einen Zuschuss zu den Kosten der Ausbildung von Nachwuchsjournalisten erhält?! Im Jahr 2009 waren dies 18.000 Euro, 2010 sogar 20.000 Euro. Meines Wissens nach wurde die letzte Lehrredaktion 2008 abgehalten. Inwiefern investiert die Presse dieses – zweckgebundene – Geld??
Und apropos Presseförderung:
Richtlinien für Förderungen gem. PresseFG 2004 (Beobachtungszeitraum 2011):
16.2. Ein derartiger Zuschuss kann einem Verleger für die Ausbildung zum Journalisten im Bereich der Tages- und/oder Wochenzeitungen und – falls die Ausbildungsmodule auch den Online-Bereich inkludieren – im Online-Bereich gewährt werden. Eine reine Onlineausbildung ist nicht mit Zuschüssen zu bedenken.
Ausbildungsmodelle, bei denen für die Ausbildung bezahlt werden muss, werden nicht gefördert.
Ohne groß in die Diskussion einsteigen zu wollen eine kleine Bemerkung:
Es fällt auf, dass der Beitrag des öfteren dahingehend kritisiert wird, er wäre zu ungenau recherchiert oder es wurde halt „bei der Presse nicht angerufen“. Diese Kritik halte ich für wenig stichhaltig, da der Beitrag ja Informationen behandelt, die vorhanden waren und, wie es in einem kommentarhaften Web-Beitrag halt üblich ist, auch interpretiert wurden. Die Interpretationen mögen nicht jedem gefallen, sind aber nachvollziehbar. Der Verzicht auf einen Anruf und weitere Recherche ist vllt. Majestätsbeleidigung, aber sicherlich innerhalb journalistischer Arbeitsmethoden – zumal für einen Beitrag in einem nonkommerziellen Blog – legitim.
Aber andererseits: Wäre doch toll, wenn jeder Beitrag der veröffentlicht wird, ganz, ganz, ganz, gründlich recherchiert wird und alle Betroffene, also wirklich alle Betroffene, zu Wort kommen und ihre Ansichten dargelegt werden. Gibt es so einen Artikel in auch nur einer Ausgabe von „Die Presse“ seit dem Jahr 1848?
@Peter Kratky Nichts weil mit WienTV.org auch nichts verdient wird. Das ist ja bei der Presse vermutlich anders und vermutlich bekommt sie auch Presseförderung? Wie hoch?
Wenn die Lehrredaktion durch Stipendien gedeckt werden kann, wäre es auch freundlich, in die Beschreibung einzubauen. Denn wenn ich nicht weiß, ob ich überhaupt die Möglichkeit habe, solch eines zu ergattern, dann mach ich mir gleich gar nicht die Mühe, mich zu bewerben. Auch die Alternative des Praktikums, was die Unterschiede sind, wäre hilfreich, dort zu vermerken. Ansonsten kann ich das Kommentar von Angelika Kreiner unterstreichen.
@Yoriko: Das mit den Stipendien muss man halt herausfinden oder bei „Die Presse“ anrufen. First Step für einen angehenden Qualitätsjournalisten mit wenig Kohle: Recherchieren, wie das Praktikum (von mir aus ein Super-Mega-Praktikum) finanziert werden kann 😉
Bzgl. Recherche zu diesem Kommentar: jemand, der die Ausschreibung auf diepresse.com liest, hat auch kaum Zusatzinformationen. Und die beschriebene Sicht auf die Angelegenheit ist vermutlich die, die sehr viele jener haben, die die Ausschreibung gelesen haben und daraufhin entscheiden, ob sie sich bewerben wollen oder nicht. Vielleicht sollte sich die Presse diesen Kommentar auch einfach als Kritik zu Herzen nehmen und versuchen, genauer zu erklären, was Sache ist.
Weil vorher irgendwo die Frage aufgetaucht ist: Ein Buch das Tom gerne empfiehlt ist „Deutsch für Profis“ von Wolf Schneider.
Und noch kurz mein entbehrlicher Senf zur Causa:
Einerseits ist es gutes Recht eines jeden Unternehmens, etwas für Geld anzubieten. In diesem konkreten Fall war meine erste Reaktion (gestern, also vor diesem Beitrag und dieser Diskussion): „oha interessantes Angebot“, kurze Zeit später gefolgt von einem „oh, zu teuer“. Nach welchen Kriterien die Stipendien verteilt werden, weiß ich nicht. Als Abschreckung dient es alle mal. Wenn man die Kommentare von Peter Krotky liest, merkt man, dass man sich dem durchaus bewusst ist. Warum man dann trotzdem diesen nicht unwesentlichen Unkostenbeitrag verlangt, obwohl man selbst sagt, dass aus diesem Nachwuchspool das Gros der eigenen Redaktion und damit eine Reihe hochkarätiger Köpfe, die der Presse die Leserschaft und damit das finanzielle Auskommen sichern, stammen, bleibt mir ein Rätsel.
Das ist und bleibt aber Problem des Unternehmens selbst.
@Oliver:
Du hier? *g* Danke für die Worte eines Absolventen und liebe Grüße nach Brüssel!
@Angelika:
Bitte nicht böse sein, aber ich kann´s wirklich schwer verstehen. Abgesehen davon, dass ein Großteil der seit 1997 abgehaltenen Lehrredaktionen gratis war: Es gibt „Stipendienplätze“. Soll heißen: Wer es sich nicht leisten kann, zahlt auch nichts. Das habe ich oben schon mehrfach geschrieben, aber irgendwie scheint das niemand zur Kenntnis nehmen zu wollen. Wenn das auch nicht reicht, bleibt – ebenfalls oben mehrfach erwähnt – ein ganz normales Praktikum.
Klar: Wir finanzieren damit während dieser drei Lehrredaktionsmonate niemandem seine Miete, sein Auto oder sein Essen. Aber meine Universität (WU) hat das in den vier Jahren meines Studiums auch nicht getan. Und mir ist auch nicht bekannt, dass die Publizistik oder die Journalisten-FH das tun.
Ad Förderung: Ich habe es nicht überprüft, zweifle aber nicht an dem, was Sie da schreiben. Befasst habe ich mich mit diesem Fragen nie. Wäre jedenfalls nicht ok, könnte aber sein, dass hier ja nicht nur die Lehrredaktion zählt, sondern auch Praktikanten bzw. unsere Kooperation mit dem Migrantenverein M-Media. Dass die Förderung nicht mehr kommt, sobald wir Geld verlangen, nehmen wir ausdrücklich in Kauf. Wer jetzt zu rechnen beginnt, sieht sofort, dass wir dann sogar schlechter aussteigen. Damit sollte also das Argument, dass wir uns damit irgendwie bereichern, endgültig vom Tisch sein.
Ad Online: Online ist eines der für die drei Ressorteinsätze wählbaren Ressorts (genauso wie z.B. Wirtschaft oder Innenpolitik); es gibt aber keinen spezifischen Online-Teil oder Schwerpunkt.
Bei G&J ist die Ausbildung übrigens kostenlos und man erhält eine monatliche Lehrgangsbeihilfe von 761€ – da bewerb ich mich vielleicht mal dort 😎
@Wolfgang:
„Nichts weil mit WienTV.org auch nichts verdient wird. Das ist ja bei der Presse vermutlich anders und vermutlich bekommt sie auch Presseförderung? Wie hoch?“
Sorry, aber das Argument gibt´s nicht. Es gibt so etwas wie Arbeitsrecht oder Kollektivverträge. Die Tatsache, dass ein Unternehmen nichts verdient (also keinen Gewinn abwirft), entbindet einen nicht von der Pflicht, seine Mitarbeiter auch zu entlohnen.
Zur Presse: Tut leid, aber die überwiegende Zeit seit der Wiedergründung der Presse nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier nichts verdient. Und man hat mich als Angestellten trotzdem bezahlt, weil ich ja auch eine Leistung erbracht habe *g*. Ja, aktuell (2010) wird hier aber über die gesamte Gruppe Geld verdient.
Presseföderung: Wie in einigen Kommentaren nachzulesen von uns ohnehin nicht gewünscht. Etwas kompliziert, da sich die aus mehreren Teilen zusammensetzt. 2010 waren´s 1,25 Mio. für „die Erhaltung der regionalen Vielfalt“ sowie 150.369 Vertriebsförderung. Insgesamt werden 14 Tageszeitungen gefördert – also eh fast alle.
Meine persönliche Meinung: einfach streichen, dafür faire Wettbewerbsbedingungen (ORF, Wiener Zeitung > Monopol).
@Yoriko:
G&J ist sicher super, wenn Sie´s schaffen, da reinzukommen. Good luck!
Ich rate den älteren Semestern hier, sich in die Lage der jüngeren hineinzuversetzen. Das hier ist einfach der Gipfel von allem. Für alles darf man inzwischen zahlen. Wenn man sagt, dass man nicht kann oder aus Prinzip nicht will, dann heißt es, man wolle das alles ja eigentlich nicht wirklich und solle doch mal etwas in die eigene Ausbildung investieren. Dass wir uns die ganze Zeit abstrampeln, auf Knien dahergerobbt kommen, bitten und betteln um einfach nur mal eine vernüftig bezahlte Arbeit zu machen, ist irgendwie allen egal und wird zudem noch ausgenutzt. Schade für die Presse, die auch gute Aktionen zur Jungjournalisten-Förderung hatte.
@Mig:
„“Der Verzicht auf einen Anruf und weitere Recherche ist vllt. Majestätsbeleidigung, aber sicherlich innerhalb journalistischer Arbeitsmethoden – zumal für einen Beitrag in einem nonkommerziellen Blog – legitim.““
Yup, exakt. Damit hätten wir einen Unterschied zwischen professionellem Journalismus und einem durchschnittlichen Blog festgemacht. Und jeder hat die Wahl, ob er das eine oder das andere haben will.
„“Aber andererseits: Wäre doch toll, wenn jeder Beitrag der veröffentlicht wird, ganz, ganz, ganz, gründlich recherchiert wird und alle Betroffene, also wirklich alle Betroffene, zu Wort kommen und ihre Ansichten dargelegt werden. Gibt es so einen Artikel in auch nur einer Ausgabe von “Die Presse” seit dem Jahr 1848?““
Sagen wir so: Im Durchschnitt einer Presse-Ausgabe steckt ein Vielfaches an Recherche als das in einem durchschnittlichen Blog der Fall ist. Perfekt ist das keineswegs – und alle, wirklich alle kommen da auch nicht zu Wort. Da haben Sie recht. Aber, nur mal so als Frage: Wieviele Blogeinträge beziehen sich auf Artikel von ganz normalen, traditionellen Medien? Ohne dass sie dem – abgesehen vom Kommentar – eine Eigenleistung hinzufügen? Dieser Blogbeitrag scheint ja ein ganz gutes Beispiel dafür zu sein, wie man ohne nennenswerte journalistische Eigenleistung unter Zuhilfenahme eines Medienartikels (in dem Fall eine Art Eigeninserat) eine Medienkritik vom Zaun brechen kann. Cool, oder? *g*
@Yoriko:
„Ich rate den älteren Semestern hier, sich in die Lage der jüngeren hineinzuversetzen. Das hier ist einfach der Gipfel von allem. Für alles darf man inzwischen zahlen.“
Ich bin wohl einer dieser älteren Semester – kann mir bitte wer über die Straße helfen? *g* Emotional kann ich die gesellschaftliche Gesamtsituation junger Menschen absolut nachvollziehen. Was konkret die Presse angeht: Sie müssen nicht bezahlen. Sie können sich für ein ganz normales Praktikum bewerben und kriegen dann etwas über 500 Euro pro Monat, was kollektivvertraglich festgelegt ist. Das ist genauso wie bei G&J.
@Peter Krotky: klar, Praktikum kann ich auch machen. Aber damit hab ich natürlich nicht dieselben Chancen, meinen Platz in der österreichischen Medienlandschaft zu finden, als wenn ich die 1500 Euro zahle. D.h. hier würde nicht nach Können selektiert, sondern nur nach finanzieller Stärke.
Oder haben Praktikanten doch dieselben Chancen? Was wird dann mit dieser Lehrredaktion erwirkt, wenn auch gute Leute, die ein Praktikum machen, eine Chance haben?
@Peter Nachdem du hier immer wieder auf die Stipendien hinweist, könntest du da ein paar Details dazu geben? In welcher Phase der Bewerbung muss man darauf hinweisen, dass man ein solches braucht? Werden die BewerberInnen zuerst ausgewählt und dann gefragt ob sie eines brauchen oder umgekehrt? Und unter welchen Bedingungen bekommt man überhaupt eines?
abgesehen von der Diskussion:
Herr Krotky, für eine Person Ihren Alters und Ihres Berufes gibt es hoffentlich bessere Ausdrucksformen als *g*
@Peter:
„Yup, exakt. Damit hätten wir einen Unterschied zwischen professionellem Journalismus und einem durchschnittlichen Blog festgemacht. Und jeder hat die Wahl, ob er das eine oder das andere haben will.“
Die Unterschiede zwischen professionellen Journalismus und privaten Blogs sind derer schon mehr 😉 Ich sehe da auch keine entweder – oder Entscheidung. Es sind schlicht verschiedene Medienformen, wobei idR Blogs natürlich konventionelle Medien stärker imitieren als es umgekehrt der Fall ist. Aber das ist sowieso eine Binsenweisheit. Die Ressourcengebahrung ist eine andere und auch die Zielsetzungen sind in der Regel andere.
„Sagen wir so: Im Durchschnitt einer Presse-Ausgabe steckt ein Vielfaches an Recherche als das in einem durchschnittlichen Blog der Fall ist. Perfekt ist das keineswegs – und alle, wirklich alle kommen da auch nicht zu Wort. Da haben Sie recht. Aber, nur mal so als Frage: Wieviele Blogeinträge beziehen sich auf Artikel von ganz normalen, traditionellen Medien? Ohne dass sie dem – abgesehen vom Kommentar – eine Eigenleistung hinzufügen? Dieser Blogbeitrag scheint ja ein ganz gutes Beispiel dafür zu sein, wie man ohne nennenswerte journalistische Eigenleistung unter Zuhilfenahme eines Medienartikels (in dem Fall eine Art Eigeninserat) eine Medienkritik vom Zaun brechen kann. Cool, oder? *g*“
Ich will hoffen, dass im durchschnittlichen Presse-Artikel ein Vielfaches an Recherche enthalten ist als im durchschnittlichen Blog-Artikel. Immerhin „verdient“ der durchschnittliche Presse-Artikel im Gegensatz zum durchschnittlichen Blog-Artikel auch ein Vielfaches durch den Preis und den Verkauf der Leser an die Werbewirtschaft. Dadurch stehen – hier sind wir wieder bei den elenden Ressourcen – ganz einfach mehr Möglichkeiten für journalistische Arbeitweise offen.
Das viele Blogartikel sich auf Beiträge konventioneller Medien beziehen ist auch nicht verwunderlich. Der Großteil der öffentlichen Kommunikation wird auf Basis privater und öffentlicher Infrastruktur von konventionellen Medien transportiert. Da ist es klar, sich in vielen Fällen auch darauf zu beziehen und nicht etwa auf persönliche Erlebnisse oder aufwändige Eigenrecherchen, die aus persönlichen und monetären Ressourcen kaum möglich sind. Es stellt ja auch niemand ernsthaft in Frage, dass die konventionellen Medien derzeit (und sicher auch noch in den nächsten Jahren 😉 ) zurecht die Platzhirschen am Informationsmarkt sind.
Einen Blogartikel ohne Eigenleistung – und der Kommentar, welcher in Blogs natürlich sehr stark verankert ist, ist natürlich eine Eigenleistung – gibt es de-facto nicht. Das wäre dann Copy-Paste.
Und zu guter Letzt: Es ist ja auch eine feine Sache für konventionelle Medien, wenn deren Inhalte Teil einer Anschlußkommunikation – etwa in Blogs – werden und somit auch weiter verwertet werden. Der Presse hat es heute, zumindest von meiner Seite, ein paar Klicks beim Online-Angebot gebracht, die sie sonst nicht bekommen hätte. Anschlußkommunikation ist kein parasitäres Gewürm, Content wird dadurch nicht verbraucht … und ja, das ist wirklich eine coole Sache 😉
So, und ich sag hier einmal etwas versöhnliches;-). Egal wie man zur Thematik und zum Blogeintrag steht: Positiv ist, dass es die Herrschaften von der „Presse“ offensichtlich der Mühe wert finden, sich hier in die Debatte einzuklinken und mitzudiskutieren. Bei vielen anderen Medienunternehmen in Ö ist das leider nicht üblich.
Auch ich muss jetzt etwas Positives loswerden: Ich empfinde das hier als interessante Diskussion, die natürlich auch anregt darüber nachzudenken, ob wir alles richtig machen – oder auch nicht *g*. Gleichzeitig gibt´s hier aber offenbar auch ganz konkret Interessierte, die an der Lehrredaktion teilnehmen wollen. Mein Vorschlag: Alle, die noch Fragen haben oder allgemein in Sachen Lehrredaktion diskutieren wollen, lade ich zu uns in die „Presse“ ein. Gebührenfrei *g*. Voraussetzung: Mail an mich, damit ich sehe, wieviele da wirklich Interesse haben. Dann lässt sich in den nächsten Wochen sicher ein Termin finden.
Meine Mail-Adresse: [email protected]
Wem´s telefonisch reicht, weil er nur kurz was wissen will: 51414-490
@James McCool:
„Herr Krotky, für eine Person Ihren Alters und Ihres Berufes gibt es hoffentlich bessere Ausdrucksformen als *g*“
Vermutlich. Können Sie mir bitte ein paar Tipps geben welche? Ich bin noch nicht alt genug, um gar nicht mehr lernfähig zu sein.
@Yoriko. Praktikanten haben bei der Presse durchaus eine Chance. In der Online-Redaktion sind einige ins Team aufgenommen worden. Allerdings spielt das Glück – zur richtigen Zeit am richtigen Ort – hier eine nicht unwesentliche Rolle. Wenn gerade zur Zeit des Praktikums oder auch kurz danach eine Stelle frei wird, neigen wir eher dazu, die mit (ehemaligen) Praktikanten zu besetzen, als eine großangelegte Jobausschreibung zu machen.
Die Lehrredaktion ist im Gegensatz dazu eine strukturierte und sehr komprimierte Ausbildung mit hohem Praxisanteil. Da wird einem bei weitem mehr abverlangt als bei einem Praktikum. Dafür lernt man den Job dabei auch von der Pike auf. Beim Praktikum setzen wir handwerkliche Basics voraus.
Zur Info: Wir schreiben die Praktika in der Online-Redaktion meistens im Oktober für Februar, Juli und August des Folgejahres auf der Hompage aus.
@Peter Krotky: Erstmal danke dass sie sich hier zur Wort melden und die interessante Diskussion bereichern. Das Argument dass die Leute für WienTV.org was leisten, auch wenn die Arbeit keinen Gewinn abwirft, ist ein gutes und der Meinung kann ich mich nur anschließen. Allerdings ist WienTV.org Internetfernsehen von zivligesellschaftlich engagierten Menschen die das „ehrenamtlich“ und nicht als Beruf betreiben. Wir müssen weder auf Sponsoren noch auf Werbekunden Rücksicht nehmen und wenn schon gratis arbeiten, dann dafür wirklich frei und unabhänginge Berichterstattung machen zu dürfen.
Vielleicht über die Presse Lehrredaktion? 😉
So ich war jetzt 16 Stunden nicht da, und da hat sich ja einiges getan. Aber obwohl das hier mittlerweile versöhnlich ausklingt, muss ich noch was zu einer Sache sagen, die mich ärgert.
@Peter
„Damit hätten wir einen Unterschied zwischen professionellem Journalismus und einem durchschnittlichen Blog festgemacht.“
Komm doch mal runter von diesem hohen Ross. Ich finds ja wirklich recht bedauerlich, dass du es hier wiederholt als nötig empfindest die alteingesessene, kommerzielle Presse von einem „durschnittlichen“ Blog abzugrenzen, das als Hobby betrieben wird. Als Hobby, aber nicht dilettantisch. In diesem Blog sind hunderte gut recherchierte Artikel erschienen, für die sich auch die heilige Presse nicht schämen müsste (weshalb ihr einige davon auch abgedruckt habt) und umgekehrt sind eure Produktionen nicht immer das Gelbe vom Ei. Wenn wieder mal einer eurer prominenteren Kommentatoren öffentlich Jugendbewegungen beschimpft, die er offensichtlich geistig nicht begreift, könnt ihr mich auch gerne vorher anrufen, dann erklär ichs ihm – sag ich jetzt mal nur so als Audimaxisten-Freakshow-Teilnehmer (ich kann gern auch respektlos ggü. eurer Arbeit werden, wenn wir das so handhaben wollen).
Auch dieser Artikel geht absolut in Ordnung. Ihr seid hier nicht angerufen worden, sondern auf Basis der von euch zur Verfügung gestellten Informationen kommentiert. Es ging nicht darum, die Qualität dieser Ausbildung oder den konkreten Unterschied zu einem Praktikum zu kritisieren, sonder schlicht um die Praxis, dass ihr euch dafür bezahlen lasst, damit Leute für euch arbeiten (und zwar sowohl in dieser kostenpflichtigen Zeit, als auch danach. Die Presse profitiert mehrfach) – und dass das nicht für jeden leistbar ist, Stipendien hin oder her.
Nichts was ihr hier zusätzlich preisgegeben habt oder was ein Telefonat ergeben hätte können, ändert meiner Meinung nach was an der Kritik des Ausgangsbeitrages, auch wenn er in einigen Punkten vllt. etwas stark zuspitzt, aber darüber wird euer Chefredakteur euch vielleicht noch ein bisschen was erzählen können.
Auch die „Das muss es einem wert sein“-Argumentation hilft euch da nicht raus. Kann schon sein, dass das vielen Leuten das wert ist. Interessiert mich nicht. Rein prinzipiell find ich eine Entwicklung, in der junge Menschen zur Kasse gebeten werden um einen Berufseinstieg schaffen zu können und gnädigerweise arbeiten zu dürfen höchst fragwürdig. Ganz egal ob sie sich das leisten können – noch schlimmer, wenn nicht. Und auf nichts anderes läuft das hier hinaus.
Und schlussendlich ist auch das „Muss ja keiner machen“ schwer fragwürdig, wenn ihr selbst hier immer wieder betont, wie leicht man danach doch einen Job bei der Presse kriegt. Müssen tut man nicht, aber wer mal auch Geld für die journalistische Arbeit kriegen will, sollte offensichtlich schon vorher mal eben dafür zahlen, drei Monate ohne Bezahlung arbeiten zu dürfen.
Und egal wie oft ihr nun die Qualität des Ausgangsartikel anzweifelt, an diesen Dingen ändert sich auch nichts, wenn man noch zehn Mal vorher bei euch anruft. Wie du selbst hier irgendwo gesagt hast, gibts bei euch auch intern offensichtlich diese Meinung, weshalb sie dich nicht überraschen oder dir als qualitativ minderwertig erscheinen sollte.
Das Kuratorium für Journalistenausbildung verlangt für seine journalistische Grundausbildung 2910 bis 3420 Euro. http://www.kfj.at/kollegneu-formales.htm
Die Gesamtdauer der Ausbildung dauert ca 9 Wochen.
Ich bin mir sicher, dass die Kursteilnehmer hier einiges zu schreiben, lernen und arbeiten haben. Jobgarantie gibt es dort sicherlich nicht. Da scheint sich keiner die Frage zu stellen: „Da muss ich fürs Arbeiten zahlen.“
Wo liegt nun das Problem, dass die „Presse“, die ja keine Uni oder FH und schon gar nicht die Caritas ist, für eine dreimonatige Ausbildung 1500 Euro haben will? Für das Geld bekommt man ja auch etwas. Noch dazu haben die Lehrredaktionsteilnehmer den Vorteil, das Erlernte gleich in der Praxis umzusetzen. Wenn wer gut ist, dann ist eine Beschäftigung bei der „Presse“ möglich. In jedem Fall hat man aber eine journalistische Grundausbildung, die die Chancen auch in anderen Medienhäusern durchaus erhöht.
Ich find ein „Die anderen auch“ nicht sehr überzeugend. Es gibt aber einen Unterschied zwischen einem Kolleg, das einfach nur ausbildet und davon später nichts hat, und einer Zeitung, die ihre zukünftigen Mitarbeiter schult und sie dafür zahlen und für sich arbeiten lässt.
„Wo liegt nun das Problem,…“
Ich denke zu diesem Punkt wurden die Meinungen mittlerweile erschöpfen ausgetauscht. Wenn eine Investition von 1.500 Euro exkl. Lebenserhaltungskosten und ein 3-monatiges unbezahltes Engagment „günstig“ für den Einstieg in einen Beruf wird, dann ist das Problem an sich ausreichend skizziert.
Selbst gerade als Redakteur in Fixanstellung tätig, finde ich es aufgrund des Mehrwerts, der entsteht, wenn man für die Presse (gute) Artikel schreiben „darf“, ebenfalls bedenklich, dass man bei der Presse 1500 Eier berappen muss. Wenn die Presse hier wirklich nur ausbilden bzw. es eine „die Presse – Akademie“ geben würde, wo keinerlei Artikel für die Printausgabe, etc. verwendet werden, ok, soll so sein, aber so?
Ist halt eine Grundsatzdiskussion an der man ablesen kann, wes Geistes Kind man ist.
Ganz ehrlich: Was glaubt denn dieses Medienunternehmen eigentlich, wer es ist?! Sorry, dass ich nicht zu den ehrfürchtigen Menschen gehöre, die 1500 Euro dafür zahlen würden, um ein paar Zeilen in der Presse veröffentlichen zu dürfen…denn viel mehr ist es nicht – versprochene Jobchancen halte ich – angesichts der finanziellen Lage – für Geschwaffel. Und Theorie-Inputs erhält man bei anderen Praktika, zB bei Standard und Kurier auch. Hm, vielleicht haben die doch noch ein bissl mehr Geld, dass sie junge Nachwuchsjournalisten nicht ausnehmen müssen?!
Grundsätzlich halte ich die Lehrredaktion ja für eine gute Sache, bei der man sicher viel lernen kann. Aber wenn, dann bitte auch für jeden, der qualifiziert ist, möglich machen und nicht Geld dafür verlangen bzw. „Bewerber, die es sich nicht leisten können“, um ein Stipendium betteln lassen! Die letzten beiden Jahre konnte man sich die Presse keine Lehrredaktion leisten – da wäre es meiner Meinung nach besser gewesen, heuer wieder auszusetzen anstatt mit so einer Schnapsidee daherzukommen. Und, ich glaube, fürher oder später wird die Presse schon noch sehen, was sie davon hat – nämlich einen enormen Imageschaden!
Jetzt möcht‘ ich mich mal kurz einklinken: Peter Krotky, Manfred Seeh und ich haben 1997 mit der ersten „Presse“-Lehrredaktion in der 12-Wochen-Version begonnen; seither fand sie bis auf die erwähnten Ausnahmen jährlich statt, unter und mit meiner Leitung. Neu ist die kostenpflichtige Version übrigens nicht. Wie auch immer…
Ich verfolge die Diskussion hier bereits von Anfang an, finde es ganz interessant, was der eine/die andere so meint/glaubt (!), brauche hier nicht bereits Gesagtes zu wiederholen und grüße auch alte Bekannte 🙂
Ich meine in aller Kürze:
o) Wenn sich jemand bewerben will, soll er/sie es doch einfach tun. Kostet doch nix (ok, die eigene Zeit und Gehirnschmalz, Porto, Papier).
o)
Wenn jemand das Geld nicht aufbringen kann, soll er/sie es sagen. Und uns fragen, ob sich das Problem nicht lösen lässt.
In unserem Inseratentext auf unserer Homepage steht ja ausdrücklich (!) gleich ganz oben, unüberlesbar möcht‘ ich meinen:
„Stipendium möglich“
Wir werden uns dann ernsthaft damit auseinandersetzen; am Geld wird eine Teilnahme nicht unbedingt scheitern, wenn jemand talentiert ist. (Das heißt jetzt aber nicht, dass
Untalentierte aufgenommen werden, weil sie mit dem Scheckbuch wacheln.)
Wir haben uns ja nicht festgelegt, wie viele Stipendien es gibt, ob jeder in voller Höhe oder gar nichts bezahlen muss usw.
o)
Es ist nichts Ungewöhnliches und sicher auch legitim, einen (Unkosten)Beitrag für Kurse zu verlangen (und wir bieten schon ein bisserl mehr als einen ,,Kurs“). Wir halten die LR ja auch nicht ab, um daran zu verdienen. BTW: Auch die FHs bieten doch kostenpflichtige (Fortbildungs-)Kurse an.
o)
Zu den „branchenfremden“ Absolventen, die ausdrücklich eingeladen sind: Ja, bitte bewerbt Euch. Wir haben viele gute Erfahrungen mit Euch in der Vergangenheit gemacht! Viele Absolventen unserer Lehrredaktionen haben einen Ausbildungsweg, der nicht zielstrebig auf den Journalismus ausgerichtet war: Lebensmitteltechniker, Motorenbauer, Arzt. Chemiker, Anglistikabsolventen, Dolmetscher, Lehrer, Juristen, und und. Für sie alle steht der Journalismus offen. Wenn jemand statt eines Studiums ein Handwerk erlernt hat und er/(sie) das Zeug zum Journalisten hat: Er/sie sei willkommen!
BTW und zum Schluß noch an Florian Gossy (bitte nicht als Untergriff auffassen):
In einer LR-Besprechung würde mein Feedback zu Ihrem Beitrag in etwa so ausfallen: „Scharf geschossen. Aber leider daneben. Zuerst fragen und recherchieren, auch wenn das die Geschichte „kaputt“ machen könnte… Erst dann schreiben. Wesentliches nicht weglassen (Stipendium!). Check, Gegencheck und Recheck!“
All das lernen und lehren wir, in der Lehrredaktion nach bestem Wissen und Gewissen, mit unserem ganzen Herzblut. Versprochen!
Unsere bisherigen Teilnehmer können ein Lied davon singen.
Bleibt immer noch die Frage: Wenn theoretisch eh alle TeilnehmerInnen ein Stipendium haben könnten, die Presse sich den Kurs also auch allein (bzw. mit der öffentlichen Förderung für Journalistenausbildung von 20.000 Euro im Jahr) leisten kann, wenn ihr auch nichts daran verdient und verdienen wollt, wenn ihr daraus so viele wertvolle Mitarbeiter gewinnt mit denen ihr positive Erfahrungen macht, warum kostet die Teilnahme dann etwas? Was bringts?
Ist der Imageschaden unter JungjournalistInnen (und ich bin selbst etwas erstaunt, wie gewaltig das Echo unter jenen ist) und die Gefahr nicht größer, damit so manches Talent abzuschrecken, als was auch immer man damit zu gewinnen glaubt?
Wie ist das denn bei einem Stipendium? Muss man da einfach nur mal eine Mail schreiben, „Hey, ich kanns mir nicht leisten“, und schon steht man auf der Liste der Nicht-Zahler? Oder muss man einen Nachweis erbringen? Wenn letzteres: Was geht die Presse bei meiner Bewerbung meine finanzielle Lage oder gar die meiner Familie an? Ich lass nicht für die Möglichkeit ein (im Stipendienfall immer noch unbezahltes) Intensivpraktikum zu machen meine Hosen runter. Wann bin ich also berechtigt? Und wie wohlhabend muss ich denn sein, um doch zahlen zu müssen?
Du hältst die Existenz von Stipendien für wesentlich und die Gegenargumente entkräftend, ich sage sie sind für sich selbst zu problematisieren, und ändern am Grund der Kritik gar nichts.
@Stefan Obwohl du nichts bereits Gesagtes wiederholen wolltest, steht in deinem langen Beitrag nichts, was nicht eh schon vorher geschrieben wurde.
Und nachdem euch ja anscheinend selbst nicht klar ist, warum ihr überhaupt Geld verlangt, wieviel Stipendien es geben kann, wie die aussehen und wer die kriegt, frage ich mich, was ein Anruf bei euch gebracht hätte.
Schließlich hätte ich noch eine Frage (vielleicht fangt ihr ja doch mal an auch auf Fragen zu antworten): Wenn jemand bei euch für die Lehrredaktion bezahlt und dann Artikel von der Person veröffentlicht werden, bezahlt ihr dann für die Artikel? Oder nehmt ihr das als Trinkgeld mit?
@ Jakob: Die Antwort ist in dieser Diskussion versteckt. Bitte von oben bis unten durchlesen. Kleiner Tipp: Peter Krotky hat das beantwortet.
Abgesehen davon, dass es keine Art zu antworten ist, auf einen unspezifizierten Absatz in einer 90-Einträge fassenden Diskussion zu verweisen, bedeutet das ganz konkret und unmissverständlich: Es wird nichts gezahlt, sondern ein theoretisches Gehalt von den theoretischen Gebühren abgezogen und dadurch werden die 1.500 Euro kosten gerechtfertigt?
Von Peter Krotky kam am 9.6. 16:38…
„Und für die ganz Genauen noch zu Details der Durchführung, die noch nicht ganz fix sind:
Wir zahlen ein Honorar pro Monat (vermutlich das übliche Praktikantenhonorar).
Wir verlangen eine Gebühr für die Teilnahme.
Saldiert aus diesen beiden Posten sollen sich dann ungefähr die angeführten Kosten ergeben.“
Lieber Herr Schaffer, ich denke von Seite der „Presse“ wurde versucht, hier alle Fragen zu beantworten.
Alle, die sich für die Lehrredaktion interessieren, egal ob sie sie sich nun leisten können oder nicht, sollten sich bewerben bzw. diverse Fragen zu Stipendium etc. bei den Verantwortlichen stellen: http://diepresse.com/unternehmen/lehrredaktion/104268/Lehrredaktion-Termine-Kontakt
Lieber Herr Reinartz, ich finde – trotz vorbildlicher und gern gesehener Beteiligung zahlreicher Presse-Angestellter – wurden einige wichtige Antworten nicht gegeben.
a. Wer bekommt unter welchen Voraussetzungen ein Stipendium und wie werden die Kriterien überprüft? (von mehreren gestellt)
b. Warum denkt die Presse, dass eine Gebühr zielführend ist, obwohl sie offensichtlich nicht notwendig ist? (von dynrberg)
c. Was für einen Beitrag zu dieser Ausbildung leistet die öst. Presseförderung gem. Abschnitt IV PresseFG 2004, die in den vergangenen beiden Jahren 38.000 Euro betrug? (von Angelika Kreiner)
Ich könnte jetzt bei euch anrufen und dann noch einen Artikel darüber schreiben, aber nachdem wir ja durchschnittliche und daher gefährlich fehleranfällige Blogger sind, wäre es doch schön, wenn ihr das hier direkt den UserInnen beantworten würdet, wenn wir schon mal alle so schön beisammen sind. 😉
@Tom: Aus bestimmten Gründen (Arbeitgeber) möchte ich anonym bleiben. Ich hoffe, dass ist kein Problem. Ich finde diese Diskussion sehr spannend. Vor allem finde ich interessant, das die Herrschaften von der Presse so aktiv mitreden. Nur habe ich den Eindruck, dass hier nur mehr die Medienleute plauschen.
Ich bin gelernter Zimmermann. Also kein Student oder Uni-Absolvent. Die Lehrlingsentschädigung ist heutzutage auch nur mehr ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ohne Unterstützung des Elternhauses und Nebenjobs ist eine Lehre nicht mehr zu finanzieren. Studenten müssen das Studium ja auch irgendwie finanzieren. Nach einem Abschluss Geselle, Meister oder Magister findet man entweder einen passenden Job oder macht noch eine weitere spezialisiertere Ausbildung und die kostet halt dann Geld. Wurscht wo: Wifi, FH Postgraduate, Privatuni (Wolf hat doch dort seinen MBA gemacht oder?) oder andere Institutionen. Wenn man auf der WU oder Jus studiert, dann braucht man das vermutlich weniger, als wenn man Publizistik oder Philosophie studiert hat.
Wenn ich jetzt zum Beispiel den Werkmeister am Wifi machen will, kostet mich das eine schöne Stange Geld. Ohne anschließende Jobgarantie. Ich muss dann auch selbst schauen, dass ich mit dem Meisterbrief eine adäquate Stelle finde, die mehr Geld abwirft.
Ähnlich sehe ich das hier. Die Presse bietet ein vergleichsweise billiges (siehe Kommentar von Herrn Reinartz -> KfJ) Ausbildungsprogramm an und sogar eine Chance in der Redaktion unterzukommen. Da ist es mir herzlich egal, ob die Presse 38.000 Euro Förderung bezogen hat oder nicht. Scheint gem. den Kommentaren von Herrn Krotky der Presse auch ziemlich wurscht bzw nicht bewusst zu sein.
Wenn ich Preis und Leistung vergleiche gewinnt derzeit die Presse. KfJ ist mir zu teuer und mit Salzburg zu weit weg, die FH dauert zu lange und kostet pro Semester auch um die 360 Euro. Nur bei der Presse kann ich auch im echten Betrieb einer Tageszeitung arbeiten.
Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Presse deshalb Geld verlangt, damit sich auch nur ernsthafte Bewerber melden. Denn seien Sie ehrlich, was nichts kostet, also nicht weh tut, wird man nicht so ernst nehmen, wie etwas wofür man 1500 Euro hinlegen muss.
Diejenigen, die mir erzählen wollen, dass es nicht möglich ist, im Sommer 2011 diese 1500 Euro zu verdienen, denen glaube ich kein Wort. Meine erste Vespa hat 1200 Euro gekostet. Die hatte ich in einem Sommer verdient. Weil ichs wirklich wollte. Und nein, ich fahre keinen Golf GTI mit Heckspoiler. 🙂
@makk
1. An den Betrieb einer Zeitung muss man sich meiner persönlichen Erfahrung nach nicht großartig gewöhnen und schafft das nach Berufseinstieg innerhalb von Tagen, höchstens Wochen. Dieser Punkt wird in meinen Augen überbewertet und ist für eine Ausbildung nicht sonderlich entscheidend. Diese wird von der Qualität der Ausbildenden bestimmt und dreht sich um grundlegendes Handwerkszeug, nicht darum, wann Geschichten fertig sein müssen, oder mit welchen Tools man Dinge schlussendlich umsetzen muss.
2. Ein viel deutlicherer Unterschied zwischen den von dir genannten Bildungsstätten und der Presse ist aber eben auch, dass die Presse die Arbeit der TeilnehmerInnen direkt verwertet und auch in der Folge direkt von ihrer Qualifikation profitiert, wenn sie die Leute weiter beschäftigt. Das gilt für kein Kolleg, keine FH, keine Uni und kein Postgraduate-Studium. Zahl einem Praktikanten nur die üblichen 1500 Euro für drei Monate und du hast die Differenz zur KjF-Ausbildung bereits gedeckt. Wobei die Presse aber wie gesagt auch langfristig profitiert und das imo nicht ausreichend finanziell einkalkuliert.
3. Dass die Presse vom Staat für Journalistenausbildung gefördert wird, ist hingegen keinesfalls irrelevant. Es ist eine berechtigte Frage, wohin dieses öffentliche Geld fließt, wenn ein gefördertes Unternehmen sein so prominentes Ausbildungsprogramm mit Teilnahmegebühren belastet.
4. Die „Was nichts kostet ist nichts wert“-Theorie kann ich schlichtweg nicht bestätigen. Das ist doch nur ein Spruch aus dem Volksmund. Außerdem ist der finanzielle und zeitliche Aufwand auch ohne die Gebühr bereits sehr hoch und lässt nur ernsthafte Kandidaten. Wer arbeitet denn drei Monate gratis 60-Stunden-Wochen in einem Bereich, den er/sie nicht ernst nehmen möchte? Hat die Presse da in der Zeit, in der sie keine Gebühren verlange irgendwelche schlechten Erfahrungen gemacht?
5. Ich kann dir das persönlich jetzt natürlich nur aus studentischer Perspektive sagen, aber wenn ich im Sommer gearbeitet habe und dabei 1.500 Euro verdient habe (was schon ein sehr guter Monatslohn wäre), dann nicht um mir was schönes zu kaufen, sondern damit ich im Herbst genug Geld zum Leben hatte. Als jemand der aber ohnehin schnell damit anfing, das ganze Jahr über neben dem Studium zu arbeiten, kann ich auch nicht behaupten, dass ich mal ein Semester sausen lassen, drei Monate ohne Einkommen auskommen, geschweige denn obendrauf 1.500 Euro investieren könnte, nur um an diesem Programm teilzunehmen. Ich glaube nicht, dass es Leuten die nicht studiert haben da viel besser gehen kann. Ich finde es nicht fair, diese finanzielle Hürde einfach als nichtig wegzureden
6. Außerdem darfst du das Problem nicht ganz aus dem Kontext der gesamten Lebenssituation junger Menschen reißen. Diese Kosten werden ja mittlerweile überall so gerechtfertigt. 750 Euro Studiengebühren im Jahr? Verdient man doch locker nebenbei! 1.500 Euro für eine unbezahlte 3-monatige Vollzeit-Ausbildung? Kannst du schnell wieder verdienen, muss es dir wert sein! 5.000 für ein Postgraduate-Studium? Was nichts kostet ist nichts wert! Ein unbezahltes Praktikum? Nichts im Leben kommt ohne Mühen. (Und wenn du dann nicht in Mindeststudiuenzeit fertig bist, weil du in Schulden untergehst, scheisst dich ein Politiker im Fernsehen als Bummelstudent an.)
Diese Entwicklung wird langsam zu einer Belastungslawine für junge Menschen. Und werden ja gerade im Journalismus, wenn sie denn tatsächlich bald mal einen Job finden, auch nicht mit Geld zugeschüttet, sondern oft jahrelang als freie Dienstnehmer weiter am Rande der Armutsgrenze beschäftigt werden. Das ist keine Ausbildung, aus der man dann auch automatisch mit einem 3.000-Euro Gehalt wieder rauskommt.
7. Zusammengefasst: Wo kommen wir denn da hin? Man will ja Journalist werden, nicht Schuldenkaiser. Dass auch Lehrlinge nicht gut bezahlt sind, ist auch ein Problem, aber kann hier nicht als Gegenargument genannt werden, sonst spielt man ständig das eine Problem gegen das andere aus und löst schlussendlich keines.
hier wurde ziemlich viel gesagt, hier wurden interessante diskussionsvorschläge gemacht. und ich klink mich aus tausenden gründen erst jetzt ein, aber jetzt dafür ganz: nämlich genau deshalb, um die abzuholen, die vielleicht hier nicht schreiben wollen, sondern das ganze persönlich besprechen wollen oder sowas nicht in einem offenen forum ansprechen wollen. also auch von mir wie von herrn krotky das angebot: mail an mich:
[email protected]
oder anruf an 51414-573
zum plaudern, klären, und was auch immer.
stay tuned.
Übrigens: Michael Fleischhacker hat hier auch niemanden angerufen, bevor er heute über die Aufregung „einiger Blogger“ in der Zeitung ablästerte. Hat wahrscheinlich nicht die Lehrredaktion durchgemacht.
Interessante Diskussion hier, in der einiges für und wider diese Lehrredaktion geschrieben wurde.
Ganz grundsätzlich bin ich eher der Ansicht, dass ein klassisches Volontariat zumindest mit einer finanziellen Aufwandsentschädigung verbunden sein sollte – natürlich seitens des Unternehmens gegenüber dem Volontär/in, und nicht umgekehrt. Gerade im Journalismus ist es so, dass den Firmen geradezu die Türen eingerannt werden, und man sich als Dienstgeber eh schon die Besten der Besten raussuchen kann.
Andererseits, wenn es als journalistische Ausbildung angeboten wird, dann kann selbstverständlich Geld dafür verlangt werden. Ob auf Basis der Ausschreibung viele erfahrene Branchenkolleg/innen diese empfehlen würden, sei dahin gestellt. Es sind ja schon die FHs umstritten… Und dass das Publizistik-Studium keine (direkte) Journalismusausbildung ist, dürfte sich auch herum gesprochen haben.
Wenn jetzt allerdings dauernd auf die Qualität und die Berufschancen gepocht wird, darf ich schon auch nochmals betonen: Diverse Tageszeitungen – so auch die Presse – pochen darauf nicht mehr so sehr, wenn es um die Bedingungen ihrer Dienstnehmer/innen geht. vgl. die „Content Engine“ (http://www.pressetext4joomla.com/cms/medien/medienkommunikation/4568-Journalisten%20laufen%20Sturm%20gegen%20Flucht%20aus%20dem%20Kollektivvertrag.html)
Im Klartext: Journalisten werden immer öfter nicht mehr laut ihrem Kollektivvertrag angestellt, obwohl sie dieselbe Arbeit machen wie bisher bzw. wie ihre Kolleg/innen.
Interessant ist dazu auch eine aktuelle Aussendung der Journalisten-Gewerkschaft, vgl. hier: http://www.madication.eu/daily/2011/06/07/ich-schliesse-mich-vollinhaltlich-an/
Was ist der Unterschied zwischen Volontariat und der Lehrredaktion, die als Ausbildung deklariert ist, außer, dass das Volontariat für gewöhnlich länger dauert und bezahlt wird? Vgl. dazu hier: http://www.djv.de/Volontariat.2544.0.html und hier: http://www.djv.de/Checkliste-Volontariat.1708.0.html
Für mich ist das im Grunde dasselbe, nur dass das sie unterschiedlich bezeichnet werden. In Österreich gibt es ja, soweit ich weiß, da keine oder nur unzureichende rechlichen Vorgaben, was sowieso längst überfällig ist, wie man auch an der von Dir Bernhard erwähnten Kollektivvertrag-Sache sieht.
Naja, hauptsache pkw studenten sind unerwünscht!
und warum gibt es keine kolletiv verträge mehr? na klar, weil wir dann einfach zu viel geld bekommen müssen, dass kein printmedium mehr so einfach zahlen kann, daher nur mehr werkverträge und dergleichen…
Nein, PKW-Studierende/Absolventen sind nicht unerwünscht, aber z.B. ein wirtschaftswissenschaftlicher oder naturwissenschaftlicher Hintergrund sind für den Dienstgeber attraktiver. Das journalistische „Handwerk“ lernt man eh nebenbei bzw. in berufsbegleitenden Fortbildungen (die kongenialen „Edelfedern“ gibt’s ja auch nicht sehr oft), und die Frage der „Ethik“ und der „Objektivität“, wie sie auf der Publizistik behandelt wird, stellt sich im Alltag vollkommen anders dar. Das ist alles sehr verkürzt, das ist mir klar, aber an einer detaillierteren Darstellung dazu arbeite ich grad für mich selbst 🙂
Zum Kollektivvertrag: Ein Runtersteigen z.B. vom 15. Monatsgehalt dürfte für viele Journalist/innen zu schlucken sein, und natürlich ist das Grundgehalt höher als in vielen anderen Jobs. Das ist aber weniger eine Überzahlung in diesem Fall, sondern – gerade, wenn man die Teuerung der vergangenen zehn bis 15 Jahre hernimmt (da sind wir wohl bei knapp 30 Prozent) – eher eine Unterzahlung anderer Branchen bzw. deren Dienstnehmer/innen.
Auch die anderen österreichischen Tageszeitungen haben vergangenes Jahr 20.000 Euro für die „redaktionsinterne Ausbildung von Nachwuchsjournalisten“ bekommen. Wäre interessant was generell mit diesem Geld passiert, auch im Hinblick auf Förderungstransparenz.
Der „große Brocken“ der „Qualitäts- und Zukunftssicherungförderung“, nämlich 455.00 Euro, geht an das Kuratorium für Journalistenausbildung (KfJ) in Salzburg und an den Verein „Zeitung in der Schule“ mit rund 209.000 Euro.
Wer sich anschauen will, was die Vereine so machen:
http://www.kfj.at/
http://www.zis.at/
Wer sich näher mit diesem Thema beschäftigen will – Qualitätsförderung und Zukunftssicherung gemäß dem Abschnitt IV Presseförderungsgesetz 2004:
http://www.rtr.at/de/ppf/QFZ2010/Ergebnis_der_Qualit%C3%A4tsf%C3%B6rderung_und_Zukunftssicherung_im_Jahr_2010.pdf
Meine Resüme: Talentierte Jung-Journalisten können mit einer guten und langfristigen Ausbildung wirkliche Top-Journalisten werden und die brauchen wir in Österreich richtig dringend. Gleichzeitig brauchen die Jungen aber irgendeine Form von Perspektive.
Daher wäre eine kollektivvertraglich verankterte und bezahlte Volontariatsausbildung wie in Deutschland oder Traineeships wie in den USA dringend notwendig.
Bei der Journalisten-Nachwuchsförderung haben die Verleger, die Gewerkschaften und die öffentliche Hand bis jetzt einfach geschlafen. Immer mehr wechseln einfach in die PR oder werden Pressesprecher. Aber ist das für Medienunternehmen und die Gesellschaft erstrebenswert?
[…] Postings darunter entstanden. Den Blogpost und die Diskussion darüber könnt ihr hier nachlesen: http://zurpolitik.com/2011/06/09/wie-die-presse-mit-ihrer-lehrredaktion-geld-verdient/. Share:Gefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt. Dieser Eintrag wurde […]